Coburg
Analyse

Von absoluter Mehrheit bis 1,9 Prozent

Während die kleineren Parteien ordentlich zulegen konnten, mussten die großen teils herbe Verluste hinnehmen.
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Bei der CSU war man auf den Sieg von Martin Mittag vorbereitet: Bereits am Sonntagabend wurden in Coburg einige Plakate des neuen Landtagsabgeordneten mit "Danke"-Zusätzen beklebt. Foto: Oliver Schmidt
Bei der CSU war man auf den Sieg von Martin Mittag vorbereitet: Bereits am Sonntagabend wurden in Coburg einige Plakate des neuen Landtagsabgeordneten mit "Danke"-Zusätzen beklebt. Foto: Oliver Schmidt
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Die Wähler in Neida haben dem Direktkandidaten Michael Busch die Quittung für sein Hin und Her in Sachen Verkehrslandeplatz gegeben: Mit 1,9 Prozent (zwei Erststimmen bei 105 Wählern!) liegt die SPD im dortigen Wahllokal knapp einen Prozentpunkt vor der Bay ernpartei auf dem achten Platz - das schlechteste Ergebnis der SPD im gesamten Wahlkreis Coburg.

Busch hatte vor drei Jahren in seiner Funktion als Landrat ein Schreiben der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz unterzeichnet, in dem gefordert wurde, man möge endlich den Weg frei machen für den Bau des Flugplatzes bei Neida. Das sorgte für Empörung, schließlich war der Landkreis 2015 per Bürgerentscheid zum Austritt aus der Projektgesellschaft gezwungen worden, zudem hatte sich Busch bei seiner Wahl zum Landrat 2008 noch klar gegen das Projekt gestellt. Der Verkehrslandeplatz nahe Neida mag inzwischen vom Tisch sein, der Ärger der Bewohner ist es offenbar noch lange nicht.

ÖDP mit 11,42 Prozent

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Natürlich ist der Meederer Gemeindeteil Neida ein Sonderfall. Insgesamt kommt Michael Busch in der Kommune auf 15,42 Prozent - eines der niedrigsten SPD-Ergebnisse - und muss sich dem neuen CSU-Landtagsabgeordneten Martin Mittag (44,5 Prozent) deutlich geschlagen geben. Zweitstärkste Kraft hinter der CSU ist in Neida übrigens die ÖDP, die dort mit 11,42 Prozent ihr bestes Ergebnis eingefahren hat. Selbst in den Neustadter Wahllokalen - Direktkandidat Thomas Büchner wohnt in Horb - kam die ÖDP maximal auf 10,81 Prozent (Fürth am Berg).

Was fällt sonst noch auf beim Blick in die einzelnen Wahllokale? In ihren Heimatgemeinden haben Martin Mittag und Michael Busch jeweils die meisten Stimmen erhalten - Mittag kommt in Seßlach auf 58,61 Prozent, Busch liegt in Ebersdorf mit 33,19 knapp vor Mittag (31,59). In Buschs Wohnort Friesendorf allerdings konnte Mittag fünf Prozentpunkte mehr abräumen als Lokalmatador Busch (39,18 zu 34,02 Prozent. Ein auffälliger Ausreißer ist hier Kleingarnstadt: 59,09 Prozent für Mittag, 10,61 für Maria Preißler (Freie Wähler) und nur 9,09 für Busch - genausoviel hat die AfD.

Sein niedrigstes Ergebnis erzielte Martin Mittag in Rödental (30,45), liegt damit aber immer noch deutlich vor Preißler, die hier ihren Wohnort hat und auch ihr bestes Ergebnis erzielte: 19,16 Prozent.

Grüne stark in der Stadt

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In den Wahllokalen der Stadt Coburg unterlag Michael Busch mit 19,88 Prozent der Grünen-Direktkandidatin Ina Sinterhauf (20,71), die als Stadt-Bewohnerin hier ihre meisten Stimmen sammelte und den Grünen das beste Ergebnis in der Parteigeschichte bescherte.

Im Landkreis erhielt die 42-Jährige zwar deutlich weniger Stimmen (Seßlach: mit 6,44 Prozent das niedrigste Ergebnis), verzeichnet aber in zwölf von 18 Kommunen einen zweistelligen Wert. Mit 32,86 Prozent im Wahllokal Rückertschule holte die Grünen-Kandidatin sogar über zehn Prozentpunkte mehr als Martin Mittag (22,14). Die Grünen liegen in der Rückertschule auch bei den Zweitstimmen (27,8) weit vor der CSU (19,8). Hier fuhr übrigens Martin Sonneborns Satirepartei "Die Partei" mit 6,6 Prozent ihr bestes Ergebnis in Coburg ein.

Endergebnis gegen Mitternacht

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Wer am Sonntag das Endergebnis wissen wollte, musste etwas länger aushalten. Erst kurz vor Mitternacht war der Stimmkreis Coburg ausgezählt. Wer es eventuell über seinen Listenplatz in den Landtag schaffen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Selbst am Montagnachmittag fehlten noch mehrere Ergebnisse aus den oberfränkischen Wahlkreisen.

In den sozialen Medien gab es aber bereits den einen oder andere Kommentar: René Hähnlein (Die Linke) zum Beispiel postete auf seiner Facebook-Seite, es habe leider "diesmal mit dem Einzug der Linken in den bayerischen Landtag nicht geklappt". Dennoch konnte seine Partei ihr Wahlergebnis in der Stadt Coburg von 3,06 Prozent (2013) auf 5,29 Prozent steigern. Hähnlein: "Auftrag erfüllt!"

Neben den Linken konnten auch die FDP und die Freien Wähler im Vergleich zu den Landtagswahlen vor fünf Jahren ordentlich zulegen, während die großen Parteien CSU und SPD teils heftige Verluste hinnehmen mussten. Größter Gewinner der Landtagswahl 2018 sind die Grünen. Sie konnten ihre Werte von 2013 diesmal fast verdoppeln: bei den Erststimmen von 7,5 auf 13,87, bei den Zweitstimmen von 8,1 auf 15,43 Prozent.

Alle Prognosen und Ergebnisse zur Landtagswahl in Bayern finden Sie in unserem Ticker

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