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Lautertal
100 Tage

Vom Funkhaus ins Rathaus von Lautertal

Jahrelang berichtete Sebastian Straubel als Radio-Moderator über die Arbeit der Bürgermeister in der Region. Jetzt ist er einer von ihnen und zieht Bilanz über die ersten Monate an der Spitze der Gemeinde Lautertal.
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Sebastian Straubel hat sich an den neuen Arbeitsplatz als Bürgermeister von Lautertal gewöhnt. Foto: Rainer Lutz
Sebastian Straubel hat sich an den neuen Arbeitsplatz als Bürgermeister von Lautertal gewöhnt. Foto: Rainer Lutz
Der Bürgermeister der Gemeinde Lautertal hört anders Radio als andere Leute. Gut 100 Tage ist es her, dass Sebastian Straubel selbst am Mikro saß, bei Radio Eins. Dann wählten ihn die Lautertaler zum Nachfolger von Herrmann Bühling, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht fortführen konnte.

Die Momente, in denen er zum Radiohören kommt, sind seltener geworden. "Ich habe ja nicht weit bis zum Rathaus", sagt er. Ein paar Minuten im Auto läuft der Sender, hört er gut bekannte Stimmen seiner früheren Kollegen, hat die Bilder aus dem Studio im Kopf. "Aber vorbei gefahren bin ich nie, ich bin immer zum Rathaus abgebogen", sagt er grinsend.
"Es gibt Bereiche, da muss man sich schon erstmal sehr intensiv einarbeiten", hat er in diesen ersten Wochen an der Spitze seiner Heimatgemeinde gelernt. Doch es wird ihm geholfen: "Die Verwaltung ist einfach spitze.
Alle arbeiten sich hier für Lautertal auf." Vor allem die Amtsleiter begegneten dem neuen Chef sehr offen: "Kämmerer und Geschäftsleiter haben mir von Anfang an gesagt, dass sie mir immer Rat geben. Die Entscheidungen müsse aber ich treffen." Eine Basis, auf der er arbeiten kann. Trotzdem, wird niemand über Nacht zum Bürgermeister. "Es dauert eine Weile bis man das realisiert hat", gibt er zu.

Nicht alles ist Neuland

Viele Begriffe rund um die Politik, um Förderprogramme und Verwaltungsabläufe kannte Sebastian Straubel aus seiner Arbeit als Journalist. Politisches Arbeiten war ihm ebenfalls nicht fremd als er gewählt wurde. Schließlich ist er schon lange in der CSU aktiv. Trotzdem ist es etwas anderes, plötzlich selbst hinter dem Schreibtisch des Bürgermeisters zu sitzen, der zu sein, auf den alle Blicke gerichtet sind, wenn eine Entscheidung getroffen werden muss.
Als erste Amtshandlung wird Sebastian Straubel ein Besuch mit Kämmerer und Geschäftsleiter auf der Baustelle für die Kinderkrippe in Lautertal im Gedächtnis bleiben. Ein Millionenprojekt. "Da habe ich mich noch nicht so richtig als Bürgermeister gefühlt", sagt er.

Inzwischen hat er sich schon eingearbeitet. Seminare des Bayerischen Gemeindetages taten ein Übriges. "Die waren erstmal ausgebucht. Es gibt immerhin rund 600 neue Bürgermeister in Bayern, seit der letzten Wahl", erzählt er. Doch für ihn stellte es sich dann ganz positiv dar, erst etwas später teilzunehmen. "So hatte ich schon Erfahrungen mit dem Alltag im Amt und konnte gezielt Fragen stellen."
Drei wichtige Lehren gab ein alter Hase den "Neuen" mit: "Seid draußen bei den Leuten. Achtet auf Euch, dass ihr Euch in dem Amt nicht aufarbeitet. Und denkt immer auch an Eure Familie." Ratschläge, die Sebastian Straubel sich zu Herzen nehmen will.

Rat bekommt er aber auch von seinem Vorgänger im Amt, Herrmann Bühling, mit dem er regelmäßig in Kontakt steht. Schließlich gibt es einige Projekte in der Gemeinde, die schon unter seiner Führung begonnen wurden, und nun von Sebastian Straubel weitergeführt werden müssen. Gefragt, was denn zurzeit auf der Agenda ganz oben steht, ist die Antwort des neuen Bürtgermeisters ganz klar: "Die Breitbandversorgung." Lautertal an das schnelle Internet anzubinden, war schon im Wahlkampf ein wichtiges Thema. Jetzt geht es voran.

Dauerbrenner Werrabahn

Ein anderes Projekt, das Straubel bewegt, ist das eines großen, möglichst zentral gelegenen Spielplatzes für Kinder. Und Lautertals Dauerbrenner schlechthin ist die Frage der Werrabahn, deren Wiederbelebung durch das Lautertal immer wieder gefordert wird. Standpunkt des Bürgermeisters: "Wir haben nichts gegen einen Lückenschluss. Aber auf der alten Trasse geht es einfach nicht." Wenn Gutachten davon ausgehen, dass in Tiefenlauter bis zu 80 Personen täglich in den Zug nach Coburg steigen würden, dann kann Sebastian Straubel nur den Kopf schütteln.

Solche Themen waren dem Rundfunkjournalisten vertraut und sind es dem Bürgermeister noch immer - auch wenn er jetzt in verantwortlicher Position damit zu tun hat. Doch die Rolle eines Bürgermeisters hat mehr Facetten. Etwa die Vereine im Ort, die "ihren" Bürgermeister möglichst bei jeder Veranstaltung dabei haben wollen. "Das ist für mich keine Last. Das sind ja die schönen Termine", lächelt Sebastian Straubel. Denn ein Vereinsmensch ist er selbst schon immer und in einigen Bereichen aktiv. Und die unregelmäßigen und durchaus üppigen Arbeitszeiten auch am Wochenende, die sich daraus ergeben, die kennt er aus seiner Zeit als Radiomann nur zu gut.

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