Coburg
Straßenausbau

Vier Spuren im Weichengereuth gefallen den Coburgern nicht

Das Staatliche Bauamt kann bei der Informationsveranstaltung zum vierspurigen B4-Ausbau in Coburg nicht überzeugen. Anwohner befürchten Staus und Abgase.
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Das Staatliche Bauamt Bamberg und die Stadt informierten am Donnerstag im Saal des Rathauses über die Ausbaupläne im Weichengereuth. Das 1,6 Kilometer lange Straßenstück der B 4 soll wegen des Verkehrsaufkommens von etwa 22 000 Fahrzeugen am Tag von jetzt zwei auf vier Fahrspuren erweitert werden. Anwohner und Kommunalpolitiker bezweifeln nach wie vor die Notwendigkeit. Foto: Christoph Winter
Das Staatliche Bauamt Bamberg und die Stadt informierten am Donnerstag im Saal des Rathauses über die Ausbaupläne im Weichengereuth. Das 1,6 Kilometer lange Straßenstück der B 4 soll wegen des Verkehrsaufkommens von etwa 22 000 Fahrzeugen am Tag von jetzt zwei auf vier Fahrspuren erweitert werden. Anwohner und Kommunalpolitiker bezweifeln nach wie vor die Notwendigkeit. Foto: Christoph Winter

Die 40 Stühle am Ratstisch im Saal des Rathauses waren am Donnerstagabend ausnahmslos besetzt, und etwa zwei Drittel der Stühle im Zuhörerraum ebenfalls. Die Stadt und das Staatliche Bauamt Bamberg informierten über den geplanten vierspurigen Ausbau des Weichengereuths. Die meisten Zuhörer waren Anwohner der Bundesstraße 4 zwischen der Einmündung des Ahorner Berges und der Frankenbrücke. Weiter waren Kommunalpolitiker sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung gekommen.

Während der etwas über zwei Stunden gab es für einzelne Darstellungen und Äußerungen zwar immer wieder Beifall - auch am Ende war artiger Applaus zu hören -, aber so richtig punkten konnte Stefan Arneth von der Bamberger Behörde bei den Anwohnern nicht. Wenn das 1600 Meter lange Weichengereuth von zwei auf vier Fahrspuren erweitert wird, befürchten die Menschen in der Kleinen Rosenau, in der Samuel-Schmidt-Straße und der Straße Am Ginster mehr Verkehr, mehr Abgase und längere sowie mehr Rückstaus.

Bloß keine "Asphaltorgie"

Der Stadtrat wird in seiner Sitzung am Donnerstag, 21. November, laut Oberbürgermeister Norbert Tessmer entscheiden, ob die Stadt den Ausbau mit Kosten von bislang grob geschätzt etwa 25 Millionen Euro will oder nicht. Im Sommer vor drei Jahren war der vierspurige Ausbau als "vordringlich" in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden, im September dieses Jahres lehnte der Bau- und Umweltsenat den Ausbau ab. Die Anwohner hatten sich Anfang September gegen "die Asphaltorgie" ausgesprochen und seitdem werden immer mehr Bedenken aus der Coburger Kommunalpolitik offenbar.

Der Zeitpunkt der Diskussion "kurz vor der Kommunalwahl" im März nächsten Jahres könne dafür eine Ursache sein, mutmaßte Ahorns Bürgermeister Martin Finzel. Die Gemeinde Ahorn ist für den Ausbau des Weichengereuths, da die Einmündung des Ahorner Berges beim Alten Schützenhaus mit einer Ampel versehen werden soll. Das seit 30 Jahren betriebene Projekt erhöhe die Verkehrssicherheit und verbessere den Verkehrsfluss, sind Finzel und die Straßenplaner aus Bamberg überzeugt.

Höchstgeschwindigkeit 50 km/h

Mit Bedarfsampeln an der Einmündung der Samuel-Schmidt-Straße und eben am Ende des Ahorner Berges sei das Abbiegen in jede Richtung und von jeder Straße aus möglich, erläuterte Planer Stefan Arneth. Angesichts "des Mordsverkehrs" von 21 000 bis 22 000 Fahrzeugen am Tag und einigen Unfällen sei der Ausbau geboten. Zwischen den jeweils zwei Richtungsfahrbahnen gebe es eine Schutzplanke, die Höchstgeschwindigkeit werde auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt. Aus der Wassergasse und aus der Kleinen Rosenau ist nach der vorgestellten Planung nur noch das Abbiegen nach rechts möglich, die Einfahrt von der B4 jeweils nur für Rechtsabbieger. Pkw könnten an der Ampel geregelten Einmündung "Ahorner Berg" wenden oder mit einem Umweg über die Samuel-Schmidt-Straße und den Marschberg in die Innenstadt gelangen, so der Plan. Weiter ist ein getrennter Fuß- und Radweg entlang des Weichengereuths bis zur Wassergasse vorgesehen.

Die Anwohner stellen die Notwendigkeit von vier Fahrspuren im Weichengereuth infrage. Nur am Morgen und am Nachmittag während des Berufsverkehrs stauten sich die Fahrzeuge, "jetzt aber fließt der Verkehr auf der B4". Vielmehr sei die Frankenbrücke ins Blickfeld zu nehmen. Dort stauten sich die Fahrzeuge mehr. "Sie machen es für die Anwohner schlechter", so ein Vorwurf. Auch sei bislang nur vom grünen Tisch geplant worden, ohne die Situation und die Menschen vor Ort einbezogen zu haben. "Ich wohne schließlich dort seit 50 Jahren", sagte ein Herr und erhielt Zustimmung. Die Planung enthalte zu viele Unwägbarkeiten über die Folge, so ein weitere Meinung.

Arneth wies die Vorwürfe zurück, der Ausbau ziehe Transitverkehr von der Autobahn ins Weichengereuth und auf den Nordring. "Das werden in der Hauptsache Fahrzeuge aus der Innenstadt sein." Auch würde der Ausbau nicht den ICE-Verkehr auf der Bahnstrecke beeinträchtigen, zeigte er sich sicher.

Oberbürgermeister Norbert Tessmer gebot der Diskussion über Einzelheiten ("Wie komme ich künftig in meine Garage?") nach fast zwei Stunden Einhalt. Details würden in den nächsten Wochen und Monaten diskutiert und gelöst werden. Wenn sich der Stadtrat im nächsten Monat für den Ausbau erklärt, findet das Planfeststellungsverfahren in den Jahren 2021 und 2022 statt. Dabei werden Einwendungen berücksichtigt. Gibt es keine Klagen gegen das Projekt, bestimmen Bauarbeiten zwei Jahre lang das Weichengereuth. Nur Anwohner können währenddessen dort fahren, ansonsten herrscht Vollsperrung.

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