Neustadt bei Coburg
Jubiläum

Vier Chöre lassen ihre Stimmen erschallen

Der Gesangverein Liederkranz aus Fürth am Berg feiert am Samstag, 10. November, um 14 Uhr im Saal der Gaststätte Grüntal in Neustadt mit einem Festnachmittag sein 150-jähriges Bestehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Volksgesang Chor" - das Liederbuch für "Gesänge für  Männerstimmen" zeigt Liederkranz-Vorsitzender Volker Leicht.Manja von Nida
"Volksgesang Chor" - das Liederbuch für "Gesänge für Männerstimmen" zeigt Liederkranz-Vorsitzender Volker Leicht.Manja von Nida
+6 Bilder

Der Singstundenbesuch beim Gesangverein Liederkranz Fürth am Berg ist für die Sänger stets eine Freude, ihre Konzerte zu genießen, ist wahrer Hochgenuss! Kein Wunder also, dass dieser Chor jetzt sein 150-jähriges Bestehen feiern kann. Am Samstag, 10. November, wird es ab 14 Uhr im Festsaal der Gaststätte "Grüntal" feierlich, denn zum Jubiläum werden gleich vier Chöre und vier Chorleiter ihr Publikum mit stimmgewaltigem Chorgesang verzaubern. Neben dem gastgebenden Liederkranz Fürth am Berg lassen der Singkreis Muppberg, der Gesangverein Gestungshausen und der Liederkranz Neustadt ihre Stimmen erklingen.

Während heutzutage Gesangvereine um ihr Bestehen bangen, war das Ende des 19. Jahrhunderts noch ganz anders: Vor 156 Jahren zeigten die Menschen große Begeisterung fürs Singen. Sie fanden Gefallen daran. Die ersten Gesangvereine (GV) entstanden. Von dieser Begeisterungswelle ließen sich auch die Bewohner von Fürth am Berg tragen. Das ist jetzt 150 Jahre her: Der "Gesangverein Fürth" am Berg wurde aus der Taufe gehoben. Jetzt feiert der Liederkranz Fürth am Berg mit einem Festnachmittag sein Bestehen ganz groß.

Als vor 156 Jahren, am 21. September 1862, in Coburg das 1. Deutsche Sängerfest stattfand, elektrisierte der Chorgesang in der Region die Menschen. Und schon wollten alle auch in ihren Dörfern singen. Die ersten Gesangvereine schossen wie Pilze aus dem Boden, so auch in Fürth am Berg, gleich sechs Jahre später. Im Sommer 1868 fanden sich ortsansässige Männer zusammen und trafen zur Gründung eines Gesangvereins erste Vorbereitungen. Die ausgearbeiteten Statuten reichten sie am 9. November 1868 beim herzoglichen Landratsamt zur Genehmigung ein. Bereits am 24. November 1868 landete die Genehmigung beim Fürther Vorstand auf dem Tisch.

Der Verein legte sich den Namen "Gesangverein Fürth" am Berg zu. Diese Daten wurden den Original-Urkunden entnommen. 14Sänger sind in den Gründungsurkunden festgehalten: 1. Friedrich Rau, 2. Peter Stüllein, 3. Anton Knauer, 4. Karl Walter, 5. Markus Schehler, 6. Georg Truckenbrodt, 7. Karl Bätz, 8. Johann Schmidt, 9. Joh. Nikol Bätz, 10. Richard Truckenbrodt, 11. Joh. Nikol Backert, 12. Joh. Peter Schelhorn, 13. Johann Großmann und 14. Eduard Puff. Der erste Vorsitzende des Vereins war Zimmerermeister Friedrich Rau, und der in Fürth amtierende Lehrer Friedrich Röser war der erste Dirigent. Einmal wöchentlich traf man sich zu den Singstunden, immer Sonntagabend. Damals kostete das Mitmachen 9 Kreuzer im Monat.

Wie sich die Vereinstätigkeit in den ersten Jahren gestaltete, darüber liegen keine Aufzeichnungen vor. Jedoch litt die Vereinstätigkeit damals unter den politischen Unruhen. Bereits acht Jahre später, am 26. 9. 1876 gab es in Fürth mit dem "Arbeiter-Gesangverein" Konkurrenz. Im Coburger Staatsarchiv ist der Vereinsname "Volksgesangschor 1876" dokumentiert. "Zweck des Vereins ist, die Pflege des mehrstimmigen Volksgesangs im Gemischtstimmigen, wie im Männerchor", so Paragraph 1 der Statuten. Also sangen dort auch Frauen mit.

Aus diesen beiden Chören scheint 1898 der heute noch bestehende Liederkranz Fürth entstanden zu sein. 23 Mitglieder unterschrieben neue Statuten. Und von da an liegen lückenlose Aufzeichnungen über die Vereinstätigkeit vor.

Begabte Dirigenten leiteten regelmäßige Singstunden. Zahlreiche Neuanmeldungen zeigten Vereinsstärke. Veranstaltungen wie Gesangs- und Theaterabende der vereinseigenen Theatergruppe, Sängerfeste sowie schöne Ausflüge bereicherten und förderten das gesellige Dorfleben. Der Gesangverein war der einzige, wichtige Kulturträger eines Dorfes.

Während beider Weltkriege ruhte das Sängerleben kurz. In der Hitlerzeit wollten sich viele alte Sänger der Bevormundung nicht beugen. Abmeldungen, Vorstandswechsel und Austritt aus dem Sängerbund waren die Folge. Um nicht aufgelöst zu werden, musste sich der Rest fügen. 1948 wurde der Verein wieder neu organisiert mit Hauptlehrer Ewald Martin als Chorleiter und Kurt Lotz als Vorsitzendem. Die Sänger kamen wieder, es wurde wieder herrlich gesungen, der Liederkranz erlebte seine besten Jahre mit seinem Männer-, Frauen- und dem Gemischten Chor.

"In den Jahren 1949 bis 1951 erreichte die Aktivität des Vereins einen für unsere Dorfgröße fast beängstigenden Höhepunkt", hat die Vereinschronik festgehalten. 74 singende Mitglieder (42 Männer, 32 Frauen) brillierten und holten Ehrenpreise. Davon kann jeder Gesangverein nur träumen! Bereits 1952 normalisierte sich die Sängerlust sowie die Vereinsaktivitäten. Denn auch da schon entdeckte die Jugend den aufstrebenden Sport für sich und Chorleiter-Schwierigkeiten stellten sich ein.

Volker Leicht ist seit 19 Jahren Vorsitzender. Er übernahm in jungen Jahren den Liederkranz. "Wir haben noch 17 Sänger. Meine Frau Martina und ich waren damals die Jüngsten und sind es auch heute noch", sagte Leicht. Doch es sei schön, jeden Montagabend zur Singstunde zu kommen, auch wenn es nicht immer so passe. Spätestens beim Singen komme alles wieder ins Lot.

Am Samstag wird jetzt das 150-Jährige gefeiert. Und ab dem 1. Advent, wenn in der Alten Schule in Fürth am Berg die Adventsfenster sich öffnen, lädt der Liederkranz zur Ausstellung seiner Vereinsgeschichte ein. "Das Schmuckstück von 1898 ist auch dabei. Das sind die historischen Protokollbücher, die seit der Zeit ohne Unterbrechung bis heute zu bewundern sind", freut sich der Vorsitzende.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren