Coburg
Theaterdiskussion

"Viel Lärm um nichts!"

"Peinlich" und "unsinnig" sei der Antrag der Wählergemeinschaft Pro Coburg, kritisierten mehrere Stadträte. Die WPC hatte gefordert, den Theaterbetrieb dauerhaft an den Güterbahnhof zu verlagern.
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"Viel Lärm um nichts", eine Komödie von William Shakespeare, stand zuletzt 2012/13 auf dem Spielplan des Coburger Landestheaters. So turbulent wie hier auf der Bühne ging es am Donnerstag im Stadtrat jedoch nicht zu. Foto: CT-Archiv/Henning Rosenbusch
"Viel Lärm um nichts", eine Komödie von William Shakespeare, stand zuletzt 2012/13 auf dem Spielplan des Coburger Landestheaters. So turbulent wie hier auf der Bühne ging es am Donnerstag im Stadtrat jedoch nicht zu. Foto: CT-Archiv/Henning Rosenbusch

"Viel Lärm um nichts!" So kommentierte nicht nur Martina Benzel-Weyh (Grüne) in der Sitzungspause die Diskussion um einen Antrag der Wählergemeinschaft Pro Coburg (WPC). Die dreiköpfige Fraktion hatte beantragt, den Theaterbetrieb dauerhaft ins geplante "Globe" am Güterbahnhof zu verlagern, das eigentlich nur als Interimsspielstätte gedacht ist. Sobald die Sanierung des Landestheaters am Schlossplatz abgeschlossen ist, soll der Rundbau am Güterbahnhof für andere Veranstaltungen dienen.

Den WPC-Vorschlag lehnten alle anderen Stadtratsfraktionen vehement ab. Sie stimmten zwar zu, dass es nötig sei, mit dem Freistaat über die Kostenbeteiligung der Stadt an der Sanierung und dem Betrieb zu reden. "Aber wir diskutieren bei diesem Antrag nicht das Wie, sondern das Ob einer Sanierung ", stellte Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha (CSU) fest, immerhin direkter Nachfahre von Herzog Ernst I., der das Theater einst hatte erbauen lassen.

Das Theatergebäude ging mit dem Beitritt des Freistaats Coburg zu Bayern 1920 an Bayern über; 1924 wurde zwischen der Stadt Coburg und dem Freistaat Bayern der Landestheatervertrag geschlossen. Dieser sieht vor, dass Bayern das Gebäude der Stadt so lange unentgeltlich zur Verfügung stellt, wie die Stadt dort den Theaterbetrieb aufrecht erhält. Außerdem beteiligt sich der Freistaat an den Betriebskosten.

Diesen Vertrag dürfe die Stadt nicht in Frage stellen, warnte Christian Müller (CSB). Denn würde der Stadtrat dem Antrag der WPC folgen, hätte er am Ende ein Stadttheater in einem städtischen Gebäude und einen Leerstand am Schlossplatz. "Wir können auch ein oberirdisches Parkhaus draus machen", ätzte SPD-Fraktionssprecherin Petra Schneider, die den Antrag als "peinlich" bezeichnete.

Hans-Herbert Hartan (CSU) bezeichnete den Antrag als "in dieser Form sinnlos". Der Theaterbetrieb in der heutigen Form lasse sich gar nicht dauerhaft ins Globe verlegen; dafür sei das Gebäude schon von der Planung her gar nicht ausgelegt. Wenn es um die Kosten gehe, müsse der Antrag anders gestellt werden.

Die Rednerliste war schon geschlossen, Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) wollte die Abstimmung starten, da beantragten die WPC eine Sitzungsunterbrechung. Nach deren Ende zog WPC-Fraktionssprecher Jürgen Heeb den Antrag zurück: OB Tessmer habe versichert, dass es weiterhin intensive Gespräche mit dem Freistaat über die Kostenbeteiligung der Stadt geben werde. Schon vor zwei Jahren habe er mit dem Wissenschaftsministerium Gespräche über den künftigen Zuschuss des Freistaats geführt, sagte Tessmer.

Stoschek will bei Verhandlungen helfen

Wie viel die Stadt zum Theaterbetrieb beisteuern muss, ist in einem Vertrag aus dem Jahr 1924 geregelt. Demnach gibt der Freistaat einen Festzuschuss (20000 Goldmark im Jahr, heute etwa 10225 Euro, laut Deutscher Bundesbank) und übernimmt 40 Prozent des verbleibenden Defizits. Der Gesamtetat des Theaters liegt 2019 bei 15,24 Millionen Euro; die Stadt leistet einen Zuschuss von 7,59 Millionen Euro.

Außerdem steht in dem Vertrag, dass sich die Stadt an Baumaßnahmen im Zusammenhang mit dem Theater beteiligen muss. Bei den drei Baumaßnahmen bisher (Neubau Werkstattgebäude Cortendorf, Sanierung des Landestheaters 1970/1977, Neubau Verwaltungsgebäude) lautete die Aufteilung stets 75 Prozent Land, 25 Prozent Stadt, wie das Wissenschaftsministerium auf Anfrage mitteilte. Das sei aber jeweils individuell vereinbart worden.

Bei der aktuellen Theatersanierung übernimmt der Freistaat 75 Prozent der Sanierungskosten und 50 Prozent der Kosten für die Erweiterungsbauten, die, grob gesagt, zwischen dem Oberen Bürglaß und der IHK liegen. Die Stadt bringt hier das Palais Kyrill und das Gebäude Schlossplatz 5b ein. Die Kostenschätzung für das Gesamtpaket lautet derzeit auf 100 bis 110 Millionen Euro.

Raumprogramm betrachten

Wie Michael Stoschek auf Anfrage bestätigte, haben er und Tina-Maria Vlantoussi-Kaeser OB Tessmer angeboten, "ihn bei der Reduzierung der Umbaukosten des Theaters zu unterstützen". Stoschek und Vlantoussi-Kaeser vertreten die Globe Coburg GmbH, die das Rundtheater am Güterbahnhof plant. Finanziert wird diese GmbH von den Coburger Unternehmen Brose, HUK Coburg und Kaeser. "Es geht ja in erster Linie um die Reduktion des Raumprogramms und der Kosten der Nebengebäude sowie eine Entscheidung über die Varianten des staatlichen Bauamts", erklärte Stoschek. Wie das Landestheater saniert wird, entscheiden das Wissenschaftsministerium, die Stadt und die Vertreter des Theaters gemeinsam, erklärte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums.

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