Coburg
Neustart

Viel Glück für die neue Operette in Heldritt

Mit einer zu Herzen gehenden Operetten-Gala zündete ein leuchtendes Signal für eine Fortsetzung der 25-jährigen Operettentradition in Heldritt.
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Neue Operettenseligkeit auf der Waldbühne unter der musikalischen Leitung von Reinhard Schmidt, hier mit der Sopranistin Elke Kottmair.Carolin Herrmann
Neue Operettenseligkeit auf der Waldbühne unter der musikalischen Leitung von Reinhard Schmidt, hier mit der Sopranistin Elke Kottmair.Carolin Herrmann
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Dass Euch die Ohren selig klingen... hatte man extra den Rodacher Nachtwächter wunderbar reimend und wünschend der dann folgenden, sehr gut besuchten und ebenso wunderbaren Operetten-Gala vorausgeschickt. Denn tatsächlich geht es um Einiges: 25 Jahre Operettenfreude auf der Waldbühne Heldritt - nänänäh, die kann man nicht einfach sausen lassen, nachdem Adelheid Frankenberger mit der bisherigen Coburger Sommeroperette nach für viele schmerzlichen Turbulenzen abgezogen ist nach Bad Staffelstein.
Der Ärger, der Schrecken (bei so manchem durchaus auch die Erleichterung), die Wehmut hatten tatsächlich innerhalb kürzester Zeit ein Bündnis geschmiedet: Initiatoren der allerersten Stunde, allen voran den frühere musikalische Leiter Reinhard Schmidt, der Heimatverein als Betreiber der Waldbühne und - was wichtig ist - auch die Stadt Bad Rodach mit Bürgermeister Tobias Ehrlicher. Ein neuer Förder- und Träger-Verein "Coburger Operettenfreunde" ist gegründet. Als strahlendes Signal wurde am Freitag Abend ein musikalisches Feuerwerk auf der Waldbühne gezündet. Für Samstag und Sonntag waren zwei weitere Vorstellungen geplant.
Und dass Bürgermeister Ehrlicher auch im Namen des Heimatvereines und der Vorsitzende des neuen Vereins, Harald Wurmsdobler, nachdrücklich versicherten, es werde ab nächstem Jahr wieder richtig Sommer-Operette in Heldritt geben, lässt hoffen. Zur Unterstützung ist jedes neue Vereinsmitglied willkommen.
Diesen Seitenhieb konnte sich Bürgermeister Ehrlicher nicht verkneifen: "Mit Friedhelm Wölfert, dem Vorsitzenden des Heimatvereines als Kassier des neuen Operetten-Fördervereines, brauchen wir uns keine Gedanken um die Finanzen zu machen."


Zum Dahinschmelzen

Nach so viel ideeller Befeuerung legten Reinhard Schmidt und die Sängerinnen und Sänger los. Aus zwei ungarischen Orchestern hatten sich wieder etwa 20 Musiker versammelt. Reinhard Schmidt führte sie zu klanglicher Delikatesse, davontragender Leichtigkeit, zu jeder Zeit alle Instrumentenstimmen souverän und klar ausbreitend. Schmidt und sein Orchester nahmen die Sängerinnen und Sänger geradezu liebevoll in die Arme, ihnen allen Raum zur Entfaltung bietend.
Dabei lief bei dieser Gala alles ohne technische Verstärkung, was heute fast gewöhnungsbedürftig ist; mag sein, dass die Besucher im obersten Teil des großen Zuschauerraumes sich speziell darauf einstellen mussten. Dafür war aber eine musikalische Freiluftatmosphäre in nur noch selten zu hörender Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit zu erleben, weich und schmeichelnd.
Bernhard Maxara als wendiger, einfallsreicher und bestens unterhaltender Moderator (und aufgrund von Bitten nach der Pause um größere Lautstärke bemüht) startete selbst mit einer kräftigen Dosis Paprika aus dem Ungarland aus Benatzkys "Meine Schwester und ich". Er ließ in Anekdoten und ehrenden Worten 25 Jahre Operettenproduktion in Heldritt Revue passieren, dabei dem plötzlich verstorbenen ersten Intendanten Klaus Lapins gedenkend.
Es war der alte Haudegen der Sommeroperette Wolfgang Krautwig, von dem damals die Idee zum musikalischen Sommerspiel gekommen sei, der nach der Pause verschmitzt richtig Mut machte: "Mit 'nem klenen Stückchen Glück..." aus "My Fair Lady".
In dem gut zweistündigen Programm, das in einem umjubelte offenbachschen Finale endete, entführten Elke Kottmair, Christine Ornetsmüller und Harald Wurmsdobler in Schlösser, die im Monde liegen, in den Wiener Prater mit seinen blühenden Bäumen, nach Varasdin aus "Gräfin Miza". Es gab zum Schmelzen schöne Duette, etwa ganz liebesinnig das von Papageno und Papagena aus Mozarts "Zauberflöte" (Kottmair/ Wurmsdobler) und mit viel "Wiener Blut" (Ornetsmüller/Wurmsdobler).
Ganz viel Sympathie flog den Brüdern Christian und Tobias Engelhardt zu, die einst auf der Waldbühne infiziert worden waren. Die von ihnen selbst einstudierte Spitzbuben-Szene war aber auch köstlich, mal ganz davon abgesehen, dass Christian Engelhard mit seinem machtvollen Tenor die dunkelrotesten Rosen überhaupt verschenkte.
Trotzdem musste Elfriede Mohrenberger in ihrem witzig prononcierten Vortrag konstatieren: "Es gibt ja keine Männer mehr."


Das Publikum wird zum wunderbaren Chor

Überhaupt atmete die gesamte Gala bei der Premiere am Freitag nicht nur in den schönen Stimmen, sondern auch im heiteren Spiel und dem offensichtlichen Herzblut, das alle Beteiligten fließen ließen, die Leichtigkeit des Lebens, für die Operette mit ihren schönen Melodien steht. Dass die Hitze der letzten Wochen gewichen war, dass die Waldwand als unübertreffliche Bühnenwelt mit geheimnisvollem Farbleuchten entrückte, dass der Charme der Operettenschlager sich voll entfalten konnte, ließ das große Publikum doch tatsächlich dahinschmelzen. War da nicht irgendwann gar ein geheimnisvoller Chor erschienen, zu "O mein Papa" aus Paul Burkhards "Feuerwerk"? Ja, musikalisch stimmig, richtig berührend: Das große Publikum sang und summte leise und doch machtvoll mit. - Diese Macht möge mit dem neuen Operettensommer sein.


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