Heldritt
Interview

Verliebt in Kálmáns "Zirkusprinzessin"

Der aus Wien stammende Dirigent Christian Simonis gibt sein Debüt bei der "Coburger Sommeroperette". Was ihn an Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin" besonders reizt, verrät er im Gespräch.
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Christian Simonis dirigiert Kálmáns "Zirkusprinzessin" in Heldritt. Premiere auf der Waldbühne ist am 13. August. Foto: Jochen Berger
Christian Simonis dirigiert Kálmáns "Zirkusprinzessin" in Heldritt. Premiere auf der Waldbühne ist am 13. August. Foto: Jochen Berger
Das Publikum der "Coburger Sommeroperette" erlebt in diesem Jahr einen Gast am Dirigentenpult. Für den kurzfristig erkrankten Ivan Boldog übernimmt Christian Simonis die musikalische Leitung von Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin" auf der Waldbühne Heldritt. Der aus Wien stammende Maestro hat sich wiederholt mit Uraufführungen zeitgenössischer Musik profiliert, gilt aber zugleich nicht nur als Operetten-Fachmann, sondern zudem als ausgesprochener Kálmán-Kenner.

Sie haben Kálmáns "Zirkusprinzessin" im vergangenen Jahr beim Schönebecker Operettensommer auf einer Freilichtbühne dirigiert. Was reizt Sie an diesem Werk?
Christian Simonis: Ganz einfach: Emmerich Kálmán mit seinem Herzblut, mit seiner Musik. Das ist wirklich ein großartiges Werk. Dieser Kontrast zwischen den beiden Protagonisten und dem Buffopaar - dieser Gegensatz ist faszinierend. Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen - die Melodien habe ich schon als Kind bei meiner Mutter in der Küche gehört. Zudem kenne ich auch Emmerich Kálmáns Sohn Charles Kálmán.

Wo liegen die Herausforderungen für den Dirigenten bei diesem Werk?
Die Sänger durchzutragen durch diese Operette - gerade, wenn man in zwei Wochen so viele Vorstellungen hat wie wir. Kálmán und Lehár zu musizieren ist sehr intensiv und anstrengender als Strauß und Offenbach. Wer bei Kálmán nicht mit der Seele dabei ist, hat schon verloren.

Was ist Ihr Lieblingsstück in der "Zirkusprinzessin"?
Diese Frage habe ich noch bei keinem Werk beantworten können. Jedes Stück hat seinen Reiz. Wenn man's schön musiziert, dann lebt die Operette. Dann fragt auch niemand nach dem Unterschied zwischen Oper und Operette.

In Ihrer Funktion als Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie haben Sie viele Jahre beim Open-Air Operettensommer in Schönebeck dirigiert. Mitte August geben Sie Ihre Debüt auf der Waldbühne Heldritt. Was macht den besonderen Charme von Freilichtaufführungen aus?
Die Nähe zum Publikum - das ist etwas ganz Besonderes, das wirkt noch einmal anders als im Theater. Und dann kommt noch die Komponente Natur dazu. Der Wald bildet für mich etwas Heimeliges.

Wie gehen Sie mit den Unwägbarkeiten von Freiluftaufführungen um, mit den Unwägbarkeiten des Wetters?
Gerade die Unwägbarkeiten können ganz hervorragende Wirkung haben - wenn zum Beispiel die Vögel singen. In meiner Zeit als Chefdirigent der Bad Reichenhaller Philharmonie (1985 bis 1990, Anmerkung der Redaktion) habe ich immer das Gefühl gehabt: Wenn wir Strauß und Lanner spielen, dann singen die Vögel ganz besonders. Was das Wetter angeht: Ich habe schon alles erlebt. In den ersten Jahren beim Operettensommer in Schönebeck war ich sehr nervös, wenn es vor der Aufführung geregnet hat. Irgendwann habe ich dann gelernt zu sagen: Wir werden schon sehen. Ich habe auch schon erlebt, dass nach dem Schlussakkord beim Cancan von Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" der Regen eingesetzt hat.

Wie sind Sie zum Genre Operette gekommen?
Operette kenne ich von Kindesbeinen an. Bei uns in Wien gibt es sowieso keine große Trennung zwischen Oper und Operette. Dieses Genre hat mich immer begleitet - egal, wo ich war. Auf allen meinen Stationen hat es immer viele Uraufführungen zeitgenössischer Musik und gleichzeitig viel Operette gegeben. Von Emmerich Kálmán gibt es einen schönen Spruch: "Die heitere Muse hat es mir gedankt, dass ich sie ernst genommen habe." Die Operette hat mit dem wirklichen Leben viel mehr zu tun, als manche Leute wahr haben wollen.

Sie waren jeweils langjährig als Chefdirigent bei der Bad Reichenhaller Philharmonie, beim Göttinger Symphonieorchester und bei der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie tätig und dabei immer auch organisatorisch in der Verantwortung. Seit 2013 arbeiten Sie als freischaffender Dirigent. Was war der Auslöser, aus dem festen Engagement heraus zu gehen?
Nach vier Jahrzehnten als Dirigent freue ich mich jetzt einfach, dass ich nicht auch noch alles organisieren muss. Und hier bei der Coburger Sommeroperette spürt man, dass alle mit dem Herzen dabei sind.


Als Gast dirigiert Christian Simonis in diesem Jahr auf der Waldbühne Heldritt

Christian Simonis wurde 1956 in Wien geboren. Bereits als 17-Jähriger gründete er das "Wiener Jeunesse Kammerorchester", das er sieben Jahre lang leitete. An der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien und am Wiener Konservatorium studierte er Schlagwerk, Fagott und Gesang. In seiner weiten Laufbahn profilierte er sich als Chefdirigent der Bad Reichenhaller Philharmonie (1985 bis 1990), des Göttinger Symphonie-Orchesters (1990 bis 2005) und der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie (2005 bis 2013). Seit der Saison 2013/2014 ist Simonis freischaffend tätig.

Karriere Als Gastdirigent arbeitete Christian Simonis mit vielen renommierten Orchestern. Dazu gehören beispielsweise die Bamberger Symphonikern, die NDR-Radio-Philharmonie Hannover und das Bruckner Orchester Linz. Konzertreisen führten ihn quer durch Europa sowie nach Japan.

Auszeichnungen Christian Simonis erhielt 2013 den Musikpreis Sachsen-Anhalt des Landesverbands der Musikschaffenden Sachsen-Anhalt. Er ist Ehrenmitglied des Deutschen Tonkünstlerverbandes. Im Jahr 2004 erhielt er das Ehrenprotektorat der in Coburg ansässigen "Deutschen Johann-Strauss-Gesellschaft".

Einspielungen Sein Schaffen ist in mehreren CD-Einspielungen dokumentiert. Ende März erschien seine neue CD "Joseph Gung'l" mit den Nürnberger Symphonikern (cpo).

Premieren-Tipp "Die Zirkusprinzessin" - Mittwoch, 13. August, 19.30 Uhr, Waldbühne Heldritt
Termine: 14., 15. August, 19.30 Uhr, 16. August, 14 und 19.30 Uhr, 17. August, 18 Uhr, 20., 21., 22. August, 19.30 Uhr, 23. August, 14 und 19.30 Uhr, 24. August, 18 Uhr

Robert-Stolz-Matinee Sonntag, 17. August, 11 Uhr, Waldbühne Heldritt

Altstadt-Serenade Dienstag, 19.August, 20.30 Uhr, Schlossplatz Bad Rodach

Kartenvorverkauf telefonisch 09564/4088 (Montag, Dienstag, Freitag: 10 bis 12 Uhr, Donnerstag 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr); weitere Verkaufsstellen: TC Tourismus Coburg, Herrngasse 4 (Tel.: 09561/89-8043; info@tourist.coburg.de); Filialen der VR-Bank Coburg und Bad Rodach (shop.vrb-coburg.de); Shoes & More Appis, Coburger Str. 2, 96476 Bad Rodach (Tel.: 09564/4426).


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