Coburg
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Verkehrslandeplatz: Kontrahenten machen in Coburg mobil

Befürworter und Gegner eines neuen Verkehrslandeplatzes liefern sich einen verbalen Schlagabtausch.
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Mit Transparenten, aber auch über Mikrofon machten die Gegner eines neuen Verkehrslandeplatzes im Landkreis Coburg deutlich, dass sie nicht aufgeben wollen. Fotos: Helke Renner
Mit Transparenten, aber auch über Mikrofon machten die Gegner eines neuen Verkehrslandeplatzes im Landkreis Coburg deutlich, dass sie nicht aufgeben wollen. Fotos: Helke Renner
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Die eine Gruppe fällt durch einheitliche T-Shirts auf und ist männlich dominiert, die andere Gruppe - nur etwa halb so groß - ist gemischt und macht mit improvisierter Bühne, Verstärkeranlage und Reden auf sich aufmerksam. Befürworter und Gegner eines neuen Verkehrslandeplatzes im Landkreis Coburg stehen sich auf dem Marktplatz gegenüber, und es geht laut zu. Die Argumente der beiden Seiten sind hinlänglich bekannt. Sie noch einmal kurz vor der Stadtratssitzung, in der das Thema Verkehrslandeplatz auf der Tagesordnung steht, kundzutun, scheint ihnen dennoch angebracht zu sein. Die Reden der Flugplatzgegner werden immer wieder durch Sprechchöre, Trillerpfeifen und Buhrufe der Befürworter unterbrochen.

Hans Rebelein, Geschäftsführer des Bauernverbandes im Landkreis Coburg, antwortet darauf mit der Feststellung: "Man denkt, das sind Berufsdemonstranten.
Ihr Benehmen erinnert an frühere Zeiten."

"Wir sind freiwillig hier", betont Hüseyin Kaygusuz, Angestellter einer Firma aus dem Landkreis, die Wellpappe für Verpackungen produziert. "Uns ist es wichtig, dass unsere Arbeitsplätze gesichert sind. Der Chef hat europaweit Firmen, er braucht das Flugzeug, um schnell überallhin fliegen zu können", ergänzt er. Und sein Kollege Christian Reißig rückt den Nutzen eines Verkehrslandeplatzes für die Region in den Mittelpunkt. "Was haben wir denn gewonnen, wenn die Arbeitgeber weggehen?", fragt er. Allerdings wünsche er sich auch kein Flugplatzprojekt wie in Berlin, bei dem bisher nur viel zu viel Geld verbaut wurde.

Nutzen für die Region

Den Nutzen für die Region sieht auch IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel. "Wir wollen hier ein Signal für die Zukunft in Stadt und Landkreis setzen. Bisher haben das nur immer die Flugplatzgegner getan. Heute sind auch wir mal präsent." Vertreter verschiedener Firmen hätten sich auf die Seite der Befürworter eines Verkehrslandeplatzes geschlagen, weil sie den Bedarf für die regionale Wirtschaft erkannt hätten. "Und die Unternehmen beteiligen sich ja auch an den Kosten."

Dem immer wieder vorgebrachten Vorwurf des großen Flächenverbrauchs widerspricht Siegmar Schnabel. "Für einen Verkehrslandeplatz benötigt man rund 50 Hektar. Der Großteil davon ist Magerrasen." Auch defizitäre Flugplätze wie Nürnberg und Hof als Argument gegen einen Neubau im Landkreis Coburg ins Feld zu führen, lässt er nicht gelten. "Das sind Flughäfen, die haben eine ganz andere Struktur."

Landwirte bangen um ihr Land

Für den Landwirt Oliver Truckenbrodt, Vorsitzender der "Interessengemeinschaft zur Verhinderung des Verkehrslandeplatzes am Standort Meeder-Neida" ist der Landverbrauch ein Thema, das er nicht ausblenden mag. Er sei davon betroffen. "Land kann man nicht vermehren und Geld nicht essen", sagt er und kündigt an, dass die Flugplatzgegner es nicht einfach so hinnehmen werden, wenn man sich über die Interessen der Landkreisbevölkerung hinwegsetze. "Wir fordern eine Prüfung der Brandensteinsebene." Nach Ansicht der Flugplatzgegner kann sie zum richtlinienkonformen Landeplatz ausgebaut werden. Außerdem dringen sie darauf, dass Stadt und Landkreis aus der Projektgesellschaft "Verkehrslandeplatz Coburg" austreten.

Hans Rebelein verweist auf den riesigen Landverbrauch im Freistaat. "Täglich werden in Bayern 20 Hektar Fläche vernichtet." Und an die Stadt- und Kreisräte appelliert er: "Denkt an eure Bauern!" Bernd Hoffmann aus Wiesenfeld verweist schließlich auf die Firmen Habermaß und Valeo, die weltweit tätig seien, ohne einen Flugplatz zu fordern. Seine Frau Edda fragt nach den Folgekosten für einen Verkehrslandeplatzes und glaubt nicht an die versprochene "schwarze Null".

Um 14 Uhr, mit Beginn der Stadtratssitzung im Rathaus, ist die Demonstration der Flugplatzbefürworters und -gegner vorbei.
Eine Neuauflage kündigen die Mitglieder der "Interessengemeinschaft zur Verhinderung des Verkehrslandeplatzes am Standort Meeder-Neida" für Dienstag, 30. September, um 13.30 Uhr am Landratsamt vor Beginn der Kreistagssitzung an.

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