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Coburg
Behindertenarbeit

Verein in Coburg ringt um eine neue Konstruktion

Der Verein Hilfe für das behinderte Kind will eine Kooperation mit dem Diakonischen Werk Coburg eingehen. Das haben die Mitglieder aber vorerst verhindert.
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Der Verein Hilfe für das behinderte Kind sucht Kooperationspartner. Foto: CT-Archiv/Oliver Schmidt
Der Verein Hilfe für das behinderte Kind sucht Kooperationspartner. Foto: CT-Archiv/Oliver Schmidt
Ulrich Eberhardt-Schramm, Vorsitzender des Vereins Hilfe für das behinderte Kind, wirkt am Montag einigermaßen ratlos: Er soll "Alternativen" suchen, aber er weiß nicht, wo, wie er sagt.
Am Freitag fand eine Mitgliederversammlung statt, die den Vereinsvorstand beauftragen sollte, Kooperationsverhandlungen mit dem Diakonischen Werk Coburg zu führen. Gespräche über eine solche Zusammenarbeit laufen schon länger; Ende September hatte Eberhard Schramm zusammen mit Vertretern des Diakonischen Werks skizziert, wie beide Seiten sich die Zusammenarbeit im Bereich Behindertenhilfe vorstellen. Die beiden Verbände wollen eine gemeinsame gemeinnützige GmbH (gGmbH) gründen für Verwaltungsaufgaben und Beratungsdienste, die gleichzeitig als Holding fungiert; die bestehenden gGmbHs des Diakonischen Werks und die drei des Vereins werden an diese neue Holding übertragen. Im November sollten die Mitglieder beider Organisationen den Plänen zustimmen, zum Jahreswechsel die Kooperation starten. Die Mitglieder des Vereins waren im September über das Vorhaben informiert; am vergangenen Freitag sollten sie genehmigen, dass konkrete Gespräche mit dem Diakonischen Werk geführt werden können.

Doch dazu kam es erst gar nicht. Eberhardt-Schramm zog den Antrag des Vorstands zurück, kurz bevor darüber abgestimmt werden sollte. Denn unmittelbar zuvor hatte die Versammlung Eberhardt-Schramm zufolge mit knapper Mehrheit einem Antrag zugestimmt, dass noch einmal nach Alternativen gesucht werden solle. Eingebracht und laut Eberhardt-Schramm sehr emotional durchgesetzt hatte diesen Antrag Heinrich Fehling, der frühere Geschäftsführer des Vereins.
Über Fehlings Motive kann Eberhardt-Schramm nur spekulieren; Fehling selbst war am späten Montagnachmittag telefonisch nicht zu erreichen. Eberhardt-Schramm zufolge erreichte Fehlings Antrag eine "knappe Mehrheit" bei den rund 100 Anwesenden. Vornehmlich die Mitarbeiter des Vereins hätten für die Suche nach Alternativen gestimmt, die Eltern der Kinder "sind völlig auf unserer Seite", sagt Eberhardt-Schramm.

Anlass für die Kooperation ist - natürlich - das Geld. Der Verein hat über dem Bau der neuen Schule für Körperbehinderte und der heilpädagogischen Tagesstätte seine Rücklagen weitgehend aufgezehrt. Für Investitionen, zum Beispiel in eine neue EDV, fehle das Geld, sagte Geschäftsführerin Karolin Netschiporenko im September. Im Diakonischen Werk sah der Verein den geeigneten Partner: Grob gesagt, betreut der Verein behinderte Kinder und Schüler, die Diakonie kümmert sich um erwachsene Menschen mit Behinderung. Beide beschäftigen ihre Mitarbeiter nach den Bedingungen der evangelisch-lutherischen Landeskirche; alle Arbeitsverträge sollen bestehen bleiben. "Wir wollen eine Kooperation unter Partnern", betont Eberhardt-Schramm. Aus seiner Sicht gebe es keine Alternativen - kein anderer passe vom Aufgabengebiet und der Struktur her so gut zum Verein wie das Diakonische Werk.

Eine Alternative sei da in der Region kaum zu finden, sagt Eberhardt-Schramm, der außerdem noch ein Zeitproblem sieht. Denn für die angedachte Kooperation gibt es wirtschaftliche Gründe. Das Wort "Insolvenz" vermeidet er; "wir wollen erst mal in Ruhe überlegen, was wir tun". Aber die Zeit sei eben knapp.

Ulrich Eberhardt-Schramm spricht von einem "taktischen Ränkespielchen", will nicht ausschließen, dass es da "Aversionen gibt dem Diakonischen Werk gegenüber, die auf Reminiszenzen beruhen", wie er es nennt. "Aber die haben mit dem aktuellen Vorstand und der Mehrheit der Mitglieder nichts zu tun", versichert er.

Vor allem sehe die Satzung vor, dass bei einer Auflösung des Vereins das gesamte Vermögen ans Diakonische Werk falle. "Was ist denn sinnvoller", fragt der Vorsitzende: "Eine Kooperation auf Augenhöhe, oder dass wir irgendwann die Schlüssel abgeben?"

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