Tambach
Konzert

Vanessa Mai in Tambach: Ein Wirbelwind in der Regenpause

Vanessa Mai hatte bei ihrem Gastspiel in Tambach richtig viel Glück mit dem Wetter. Ein bisschen wie auf der von ihr besungenen "Wolke 7" dürfte sich die quirlige Schlager-Pop-Queen aber auch noch aus einem anderen Grund gefühlt haben.
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Vanessa Mai bei ihrem Konzert beim HUK-Coburg-Open-Air-Sommer im Tambacher Schlosshof.Foto: Oliver Schmidt
Vanessa Mai bei ihrem Konzert beim HUK-Coburg-Open-Air-Sommer im Tambacher Schlosshof.Foto: Oliver Schmidt
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In der Schlager-Branche wird bereits gelästert: Vanessa Mai, die vor ein paar Jahren noch als "neue Helene Fischer" gefeiert wurde, steckt angeblich in einer Krise. Die für den kommenden Herbst geplante Tournee wurde nämlich auf unbestimmte Zeit verschoben. Offiziell heißt es, die Sängerin befinde sich in einem "wahnsinnig kreativen Schaffensprozess" und wolle erst noch weitere Songs produzieren - inoffiziell wird gemunkelt, dass der schlechte Kartenvorverkauf der wahre Grund ist. Die wenigen Konzerte, die Vanessa Mai während der Sommermonate gibt, finden - wie die Zeitschrift "Intouch" spöttisch schrieb - nicht in den großen deutschen Metropolen statt, sondern in "eher beschaulichen Städtchen wie Andernach, Wingst und Löffingen". Zugegeben: Das kleine und bundesweit (noch) nicht ganz so bekannte Tambach hätte bei dieser Aufzählung auch dabei sein können.

Aber: Ausgerechnet das Konzert, das die 27-Jährige am Sonntagabend beim HUK-Coburg-Open-Air-Sommer gab, könnte vielleicht ein Anfang gewesen sein, um die vermeintliche Krise zu überwinden. So durfte Vanessa Mai stolz darauf sein, dass trotz der kräftigen Regenschauer, die noch unmittelbar vor Konzertbeginn niedergingen, knapp 1500 Zuschauer kamen. Was aber noch viel wichtiger war: Die Menschen feierten die Sängerin, zeigten sich bemerkenswert textsicher und tanzten auch ausgelassen mit.

Lob von Nini und Rolf Beyersdorf

Vanessa Mai bezeichnete die Stimmung im Schlosshof als "echt mega" und schwärmte, dass das Konzert den Charakter von einem "Happening" habe: "Alle tanzen, alle haben Spaß!" Und Vanessa Mai verriet: "Am Freitag haben wir bei 45 Grad gespielt - aber so geschwitzt wie heute hier mit euch habe ich da nicht!" Dazu muss man wissen: Vanessa Mai ist ein Wirbelwind. Während ihrer Show turnt sie geradezu über die Bühne, steht praktisch nie still und lässt sich vom Jubel der Fans zu immer neuen Verrenkungen antreiben. "Sie tanzt wirklich sehr gut", urteilte mit Nini Beyersdorf (Terra Brazil, Ninis Tanzfabrik) eine echte Expertin dieses Fachs. "Sie gibt echt Vollgas", ergänzte Ehemann Rolf Beyersdorf, der außerdem feststellte: "Das ist aber doch gar kein Schlager, den sie singt." Stimmt. Aber was ist es dann? So etwas wie eine aufgemotzte Mischung aus Schlager und Pop. Auch Rap-Elemente sind Vanessa Mai nicht fremd. Und zwischen so manchem eigenen Hit ("Wolke 7", "Regenbogen", "Mein Herz schlägt Schlager") wagt sie sich auch - durchaus mit Erfolg - an eine Coverversion von Nenas "Irgendwie Irgendwo Irgendwann".

Fitnessstunde auf der Bühne

Diese Frau, so scheint es, ist gar nicht so richtig zu fassen - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn kaum hat sie kurz zum Publikum gesprochen, hüpft und springt und verbiegt sie sich auch schon wieder auf der Bühne. "Das ist für Vanessa Mai ja mehr eine Fitnessstunde als ein Konzert", meinte eine Zuschauerin aus Coburg.

Kurz inne hielt die Sängerin, als ihr ein kleines Mädchen einen Brief auf die Bühne reichte. Sichtlich gerührt las Vanessa Mai die ersten Zeilen vor: "Vanessa, Du machst mich jeden Tag stärker, denn Du machst die Erde wärmer!" Vanessa Mai gab das Kompliment aber sozusagen an die Musik weiter. Denn: "Schlager ist toll - alle sind eins, alle sind glücklich."

Nicht ganz so glücklich waren manche Zuschauer, die die Musik zwar gut, aber leider auch als etwas zu laut empfanden. Mehr als ein Trostpflaster war an diesem Abend aber das Glück mit dem Wetter: Für exakt 85 Minuten legte der Regen eine Pause ein - auch ihren bislang größten Hit ("Ich sterb für Dich") konnte Vanessa Mai als Zugabe noch im Trockenen singen. Aber dann ging's wieder los mit einem Wolkenbruch, und die ersten Besucher stürmten in Richtung Parkplatz. Wer trotzdem noch da blieb, wurde mit einer zweiten Zugabe belohnt, die gleich aus mehreren Gründen besonders war: Vanessa Mai setzte sich tatsächlich hin und sang ohne jegliche Tanzbewegung die Ballade "In allen Deinen Farben" - und dazu prasselte der Regen auf die treuen Fans.

"Wir fahren jetzt glücklich nach Hause!", rief Vanessa Mai am Ende dem Publikum zu. Und, wer weiß, vielleicht kann sie ja bald auch mal wieder vom Konzert aus einer deutschen Metropole nach Hause fahren.

Hintergrund: Was Vanessa Mai mit der Schlagerkönigin Andrea Berg verbindet

Hintergrund Vanessa Mai wurde 1992 im baden-württembergischen Aspach geboren. Die Gemeinde ist vor allem für das Hotel Sonnenhof in Kleinaspach bekannt, in dem regelmäßig Musikveranstaltungen stattfinden. Der Inhaber des Hotels, Uli Ferber, ist seit 2007 mit der Schlagersängerin Andrea Berg verheiratet. Außerdem hat sich aus Uli Ferbers einstiger Stammtischmannschaft der Fußballclub FC Sonnenhof entwickelt, der später mit dem Verein aus dem benachbarten Großaspach fusionierte und heute als SG Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga spielt. In jenem Sonnenhof kam es 2012 zu einer schicksalhaften Begegnung: Die Schlagerband "Wolkenfrei" gab ein Konzert - und im Publikum saß Vanessa Mai. Die Band war gerade auf der Suche nach einer neuen Sängerin - und entschied sich tatsächlich für Vanessa Mai. Das erste gemeinsame Lied hieß "Jeans, T-Shirt und Freiheit", das Mai jetzt auch in Tambach sang. Ab 2015 fiel die Band auseinander und bestand ausschließlich noch aus Vanessa Mai, weshalb 2016 der Entschluss fiel, sich nicht mehr "Wolkenfrei" zu nennen. Ebenfalls 2016 gewann Vanessa Mai den Musikpreis "Echo" in der Kategorie "Schlager" und saß neben Dieter Bohlen in der Jury der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar". 2017 wurde sie Zweite in der Tanzshow "Let"s dance" - außerdem läuteten die Hochzeitsglocken: Vanessa Mai heiratete Andreas Ferber - den Sohn von "Sonnenhof"-Chef Uli Ferber.

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