Coburg

Unterer Bürglaß in Coburg: "Am Dienstag war hier Chaos"

Seit Baufahrzeuge das Umfeld des Naturkostladens am Unteren Bürglaß bestimmen, muss der Inhaber Gunter Knoch mit 20 Prozess Verlust leben. Mit der Totalsperrung in dieser Woche hatte er aber nicht gerechnet.
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Gunter Knoch hofft, dass die Sperrgitter am Freitag wieder verschwinden und der Weg für die Kunden frei wird. Foto: Helke Renner
Gunter Knoch hofft, dass die Sperrgitter am Freitag wieder verschwinden und der Weg für die Kunden frei wird. Foto: Helke Renner
Gunter Knoch, den Inhaber des Naturkostladens "Wegwarte", Unterer Bürglaß 1, kennen seine Kunden als ruhigen, sehr freundlichen Mann. Doch am Dienstag war es mit seiner Gelassenheit vorbei. Die Zufahrt zu seinem Geschäft und auch zum Gemüsemarkt wurde komplett gesperrt - es kommt Asphalt drauf. Voraussichtlich bis zum Freitag bleiben die Absperrgitter stehen. Nicht dass Gunter Knoch kein Verständnis für die Baumaßnahme am Oberen Bürglaß und die damit einhergehenden Behinderungen und Einschränkungen hätte, aber: "Wenn die Information über die komplette Sperrung etwas eher bei uns angekommen wäre, hätten wir in dieser Zeit einfach Urlaub gemacht." Am Dienstag sei es das reinste Chaos gewesen.

Es sei schon schwierig genug, seit quasi vor der Ladentür gebaggert, gegraben, asphaltiert wird und große Baufahrzeuge rangieren. "Neulich ist ein Lkw auf den Pkw eines meiner Kunden gefahren. Das Auto war im Eimer und der Mann ist wochenlang nicht mehr gekommen", erzählt Gunter Knoch. Rund 20 Prozent Verlust musste der Geschäftsmann seit Beginn der Bauarbeiten bereits in Kauf nehmen, mit der Totalsperrung seit Anfang der Woche sind es etwa 50 Prozent. Das sei zu viel für einen kleinen Laden wie seinen, findet Gunter Knoch.

Frischware muss schnell raus

Dreimal in der Woche wird er mit rund 980 Kilogramm Waren beliefert. "Die Hälfte ist Frischware, die ich so schnell wie möglich verkaufen muss." Wenn aber weniger Kunden kommen, dann werde das zum Problem. "Geht es um die Feste in Coburg, dann werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Auf der anderen Seite bleiben die Innenstadthändler aber oft auf der Strecke", beklagt Gunter Knoch die Situation.

In diesem Zusammenhang ist der Wegwarte-Inhaber aber auch dankbar, dass die Stadt auf die vorübergehende Schließung des Parkhauses Mauer und des Angerparkplatzes so rasch reagiert und den Schlossplatz geöffnet hat. "Das ist toll. Nur dass man dort nur bis 18 Uhr parken kann, ist nicht besonders sinnvoll."

Nun hofft Gunter Knoch, dass die Totalsperrung vor seinem Laden am Freitag wieder aufgehoben wird. "Das wird sie definitiv, vielleicht sogar schon eher", sagt Gerhard Knoch, Abteilungsleiter beim Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB). Ab Montag soll mit dem dritten Bauabschnitt begonnen werden. Im Übrigen sei von Anfang an klar gewesen, dass es eine komplette Sperrung geben wird, wenn die Einmündung Unterer Bürglaß und die Zufahrt zum Gemüsemarkt asphaltiert werden .

Hilfe vom Oberbürgermeister

Als Gunter Knoch im Jahr 1978 zusammen mit Ehefrau Christine den Naturkostladen am Unteren Bürglaß eröffnet hat, gab es nur 100 gleich gelagerte Geschäfte in Deutschland. "Die ganze Familie, die Kinder und die Enkel sind durch den Laden gelaufen." Am Anfang lief alles gut. Den ersten Einbruch erlebten die Knochs, als der Untere Bürglaß zur Fußgängerzone erklärt wurde. Plötzlich konnten die Kunden nicht mehr mit dem Auto kommen - was für ein Lebensmittelgeschäft kaum zu kompensieren sei. Er habe sich an den damaligen Oberbürgermeister Norbert Kastner gewandt und gebeten, die Fußgängerzone ein wenig in Richtung Steinweg zu verlegen. "Er hat uns den Wunsch erfüllt. Das war eine kleine Lösung mit großer Wirkung", sagt Gunter Knoch.

Und dann verweist er noch auf den Namen seines Naturkostladens: Wegwarte. Zum einen gehe er zurück auf ein Märchen, zum anderen aber auch auf den blauen Korbblütler, der aufrecht am Wegesrand steht und als ausgesprochen ausdauernd gilt.

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