Herreth
Kreiserntedankfest

Und die Bauern feiern trotzdem

Der Abschluss des Bauernjahres wurde dieses Jahr mit einer Mischung aus Tradition und Neuem begangen. Dabei feierten die Landwirte in der Kirche, auf der Flur und im Festzelt.
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Bei der ersten Station am Dorfbrunnen verteilten Helferinnen und Helfer ein Glas Wasser an jeden Besucher und der Landfrauenchor sang "Vöglein in hohem Baum". Foto: Nelly Ritz
Bei der ersten Station am Dorfbrunnen verteilten Helferinnen und Helfer ein Glas Wasser an jeden Besucher und der Landfrauenchor sang "Vöglein in hohem Baum". Foto: Nelly Ritz
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Wer nach all den Nachrichten über die Trockenheit, die Hitze und die strapazierten Bauern meine, die Landsleute hätten nichts zu feiern, der liegt damit falsch. Denn am Samstagabend wurde in Herreth Erntedank gefeiert, bei dem die Gaben der Natur und die Dankbarkeit dafür im Vordergrund standen. "Hitze gehört zur Landwirtschaft dazu, doch gerade deshalb müssen wir dankbar sein, für das was noch wächst und ist", betonte Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bauernverbands in Coburg und Lichtenfels. "Gerade nach den Auswirkungen eines trockenen oder nassen Jahres wissen wir Bauern dieses Fest sehr zu schätzen. Dafür hat man selten Verständnis, wenn man sein Essen nur im Supermarkt holt."

Man wirtschafte eben mit und in der Natur, so Rebelein. Um das Bewusstsein dafür zu stärken, hatte Pfarrer Matthias Hagen eine ganz besondere Idee: einen Gottesdienst, der verschiedene Stationen durchläuft, überall dort, wo Landwirtschaft passiert. "Dort, wo es danach riecht, wofür wir danken wollen", so der Pfarrer. In Natur, neben Äckern, beim Backhaus, beim Brunnen, auf dem Spielplatz und in der Kirche wurde der Erntedankgottesdienst gefeiert.

Großer Besucherandrang

Bis vor die kleine Jakobuskirche in Herreth standen die vielen Besucher um 19 Uhr, als Pfarrer Hagen seine ersten Worte darin sprach. Einige von ihnen kamen in Tracht, Groß und Klein nahm am Fest teil. Er kenne das aus tiefer Dankbarkeit entspringende "Trotzdem" in der Landwirtschaft, so der Pfarrer. Trotz des schwierigen Erntejahres kamen die Menschen an diesem Samstag zusammen - um "nach aufregenden, sorgenvollen und stressigen Wochen einmal durchzuatmen, froh zu werden und Gott zu danken", sprach Hagen.

Im Laufe des Gottesdienstes führte der Pfarrer die Besucher an die verschiedenen Stationen, wo die Schöpfung gesehen, gerochen, gegessen, gespürt und gefühlt werden konnte. An der ersten Station am Brunnen stand beispielsweise ein Glas Wasser für jeden bereit. Bei der zweiten Station am Dorfbackofen durfte jeder Anwesende ein Stück Brot kosten. "Wer weiß oder ahnt heute noch, wie viele Sorgen und wie viel Mühe nötig ist, damit aus einem und dann vielen Körnern ein Brot entsteht?", fragte Matthias Hagen dort. Stellvertretende Kreisbäuerin Dagmar Hartleb, Kreisobmann Martin Flohrschütz und der Herrether Kirchenvorstand Harald Reblitz beteiligten sich mit zum Thema passenden Lesungen und Gebeten an dem Gottesdienst. Für die musikalische Untermalung sorgte der Landfrauenchor.

Mit der Dämmerung neigte sich auch die Andacht dem Ende zu. Kerzen erhellten den Spielplatz, der als dritte Station die Landwirte daran erinnern sollte, auch einmal innezuhalten und Kraft zu tanken. "Immer wieder nehme ich wahr, wie viele in der Landwirtschaft beschäftigte nicht nur an, sondern über die Grenzen ihrer Kräfte gehen", mahnte Matthias Hagen. Doch an diesem Abend schafften es die Besucher, Ruhe in die Hektik des Alltags zu bringen. Mit dem Sonnenuntergang endete auch der Gottesdienst an der Linde in der Flur, den Blick auf die Eierberge und das davorliegende Land gerichtet. "Wo Generationen von Menschen ihr Zuhause, ihre Bleibe, Heimat und Nahrung gefunden und angebaut haben", fasste der Pfarrer zusammen.

Positive Resonanz

Davon durften sich alle Feiernden anschließend selbst überzeugen: ein Buffet mit selbstgemachter Wurst, Zwiebelkuchen, Käseplatten, Kuchen und vielem mehr erwartete die Gäste in der Festhalle am Draisdorfer Weg. "Die Vorbereitung war viel Aufwand. Wir haben die Halle herrichten müssen und jeder hat zuhause oder im Dorfbackofen gebacken. Umso besser, dass jetzt fast alles weg ist", freute sich Helferin Christiane Hauck aus Herreth. Seit Mittwochabend liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, gerechnet wurde mit 120 bis 150 Personen. Chef der Organisation Harald Reblitz schätze die Besucherzahl jedoch auf mindestens 250. "Dass so viele Leute gekommen sind, hat alles übertroffen", resümierte Sebastian Porzelt, Ortsobmann von Herreth-Merkendorf. Einnahmen wurden mit dem Abend nicht erzielt, denn der übrige Erlös der Spenden soll dem bäuerlichen Hilfsdienst zugutekommen.

Bis in die Nacht tanzten, schunkelten, sangen, aßen und tranken die Besucher und Gäste im Festzelt. Die Band Gaudi-Buam mit Mario Bamberger sorgte für die passende Stimmung und spielte auch auf den Tischen. Draußen war es schon längst dunkel, doch die Bauern feierten trotzdem - in Dankbarkeit für die eingefahrene Ernte und in Hoffnung auf ein ertragreiches nächstes Erntejahr mit "normalem Wetter", so Hans-Jürgen Rebelein.

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