Coburg

Umweltminister Thorsten Glauber sieht Umweltthemen als "Gewinnerthemen"

Umweltminister Glauber besuchte die Region Coburg. Baumaßnahmen im Einklang mit der Natur, Wasserknappheit und regenerative Energien standen im Mittelpunkt.
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Ortstermin im Itztal: Eine bessere Radwege-Verbindung zwischen Coburg und Rödental war Thema beim Besuch von Umweltminister Thorsten Glauber (links). Foto: Bettina Knauth
Ortstermin im Itztal: Eine bessere Radwege-Verbindung zwischen Coburg und Rödental war Thema beim Besuch von Umweltminister Thorsten Glauber (links). Foto: Bettina Knauth

Wie kann der Radweg von Cortendorf nach Rödental umweltgerecht und sicher ausgebaut werden? Das war ein Thema, dem sich der bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber (Freie Wähler), am Sonntag vor Ort widmete. Auf Einladung des FW-Kreisvorsitzenden Christian Gunsenheimer begab sich der Minister auf eine kleine Rundreise durch den Landkreis Coburg, um seine Parteifreunde im Kommunalwahlkampf zu unterstützen.

"Trasse nicht optimal"

Der Rödentaler Bürgermeister Marco Steiner zeigte dem oberfränkischen Minister, warum die jetzige Trasse nicht optimal ist: An vielen Stellen müssen Radfahrer auf viel befahrene Straßen ausweichen. Ein neuer Radweg abseits der Hauptstraße würde Abhilfe schaffen.

Mit der Bitte um Unterstützung hatte Steiner den 49-Jährigen angeschrieben. "Diese Unterstützung bekräftigte der Minister bei dem Ortstermin erneut", freute sich Steiner.

Um den nötigen Grunderwerb will sich der Bürgermeister selbst kümmern. Der Umweltminister sagte seinerseits zu, bei den Voraussetzungen für den Bau wie etwa in Sachen Wasserwirtschaft zu helfen. Die angedachte Strecke würde an der Itz entlang führen.

Verdichtung von Ortskernen

Um das Thema "Nachhaltigkeit" ging es gleich mehrmals bei den weiteren Stationen: Im Untersiemauer Gewerbegebiet wurden Möglichkeiten erörtert, wie neue Baugebiete umwelt- und flächenschonend angelegt werden können. Die Freien Wähler in der Gemeinde setzen sich dafür ein, die Verdichtung von Ortskernen der Ausweisung neuer Baugebiete vorzuziehen. Falls neue Gebiete erschlossen werden, sollten diese energie-autark konzipiert werden, schilderten sie dem studierten Architekten Glauber.

Frischen Wind in die Kommunalpolitik möchte der erst 18-jährige Jonas Budewig aus Haarth bringen, der auf Listenplatz 8 kandidiert. Eine seiner Ideen ist ein Jugendgemeinderat. Auch Kindern möchte der Marketing-Student eine Stimme verleihen.

Der Minister zeigte sich beeindruckt. "Ein Kinder- und Jugendparlament muss aber auch Rede- und Vorschlagsrecht im Gemeinderat haben, sonst handelt es sich um ein reines Alibiparlament", gab der 49-Jährige zu bedenken.

Auch in Großheirath ging es um die ökologische Gestaltung von Baugebieten und die naturnahe Kompensation von Flächenversiegelungen. Bürgermeisterkandidat Andreas Lorenz möchte die Bürger bei der Flächenausbauplanung beteiligen. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit den Bürgern soll der Einsatz erneuerbarer Energien wie der Windkraft ausgelotet werden. "Bei allen Vorhaben ist es mir besonders wichtig, nichts über die Köpfe der Bürger hinweg zu entscheiden, sondern sie mit ins Boot zu holen", sagte Lorenz.

Regenwasser-Management

Glauber pflichtete ihm bei und schlug konkrete Umsetzungsmöglichkeiten vor. "Das war eine gewinnbringende Gesprächsrunde", freute sich der Kandidat anschließend.

Weiter ging es nach Weitramsdorf. Dort standen das Regenwasser-Management und der ökologische Waldumbau im Mittelpunkt: Was können Kommunen tun, damit Starkregenereignisse nicht zu Schäden führen? Darüber sprach Glauber mit Bürgermeister-Kandidat Max Kräußlich und Gemeinderatskandidaten am Weidacher Rückhaltebecken, das von den Einheimischen "Zürdeltalsperre" genannt wird.

Rund ein Drittel seines Budgets von 1,2 Milliarden Euro sei für Hochwasserschutz bestimmt, sagte Glauber. Diesem Thema messe München einen hohen Stellenwert zu.

Grundwasser- und Naturschutz

Angesichts der Wasserknappheit in der Region wurden auch Möglichkeiten erörtert, wie Niederschläge dem Grundwasser zugeführt werden können. Trockenheit bereitet Landwirten wie Waldbauern große Probleme. In dezentraler Regenwasserversickerung, sparsamer Grundwassernutzung und der Rücknahme von Flächenversiegelungen sieht der Minister sinnvolle Wege für Grundwasser- und Naturschutz. "Um eine klimaangepasste Land- und Waldwirtschaft wird niemand herumkommen."

Gerade der Wald bereitet den Weitramsdorfern Sorge. Betroffene berichteten Glauber, wie sehr sie unter dem Überangebot von eingeschlagenem Holz und den ins Bodenlose fallenden Preisen leiden. Der Staat wisse um die Probleme und werde mehr unternehmen, um Holz als Brenn- und Baustoff wieder attraktiver zu machen, versprach der Minister.

Den Landverbrauch durch immer mehr Solaranlagen prangerte ein Landwirt an. Um Wiesen und Ackerland zu schonen, möchte auch Glauber verstärkt auf Photovoltaik auf Dachflächen setzen.

Stadt Seßlach als Vorbild

Abschließend besichtigte der einzige Ingenieur am Kabinettstisch ein "Best practice"-Beispiel, wie Kommunen durch den Einsatz regenerativer Energien unabhängig von fossilen Brennstoffen werden können: Öffentliche Gebäude und private Haushalte werden in Seßlach seit 2006 mit Fernwärme beheizt. 120 Abnehmer versorgt das sechs Kilometer lange Fernwärmenetz inzwischen mit einer Heizform, bei der wesentlich weniger CO2 freigesetzt wird als bei herkömmlichen Öl- oder Gasheizungen.

"Man lebt aktiven Klimaschutz. Außerdem spart man im Eigenheim Platz und zahlt weniger Betriebs- und Unterhaltskosten", umriss Bürgermeister Maximilian Neeb die Vorteile. Albert Sebald, zuständig für den technischen Betrieb, verwies auf die fehlenden Wärmeverluste: "Es wird nur die tatsächliche abgenommene Wärme berechnet."

Vorbildlich fand Glauber das, was in Seßlach längst praktiziert, aber anderswo erst angedacht ist. Ein Beispiel, das er zur Nachahmung empfahl: "In Zukunft wird man darüber diskutieren müssen, ob neu zu erschließende Baugebiete mit einer solchen Anlage ausgestattet werden."

"Umweltthemen sind Gewinnerthemen" - mit diesem Worten machte der Fachminister seinen Parteifreunden im Coburger Land Mut, den Umwelt- und Naturschutz im Wahlkampf zum Thema zu machen.

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