Coburg
Gastspiel

Umjubeltes Coburg-Debüt: Auf den Spuren von James Bond

Wie der Coburger "Verein" seine diesjährige Saison mit einem phänomenalen Konzert beendete. Zu Gast war das Rastrelli Cello Quartett aus St. Petersburg.
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Umjubeltes Coburg-Gastspiel: Das Rastrelli Cello-Quartett konzertierte beim "Verein".Foto: Jochen Berger
Umjubeltes Coburg-Gastspiel: Das Rastrelli Cello-Quartett konzertierte beim "Verein".Foto: Jochen Berger
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Nach dem genialen italienischen Architekten Bartolomeo Rastrelli, dem Erbauer ihrer Vaterstadt, benennt sich das Cello-Quartett mit Kira Kraftzoff, Mischa Degtjareff, Kirill Timofeef und Sergio Drabkin. Der große Tonumfang des Cellos ermöglicht einen breit gefächerten Klang und kann durchaus ein übliches Streichquartett simulieren.

Wirkungsvolle Arrangements

Trotzdem sind die "Rastrellis" das einzige Ensemble in dieser Besetzung, das ständig zusammen musiziert. Verständlicherweise gibt es hierfür auch keine Literatur. Sie wurde durch das Können des Quartett-Mitglieds Sergio Drabkin geschaffen, dem es gelang, wirkungsvolle, stilistisch vielfältige Arrangements für das Ensemble anzufertigen.

Umfangreiches Potpourri

Der kurzweilige Abend stand unter dem Motto "From Russia with Love" oder "James Bond in a Cellocase", weil Städte und Länder, in denen James-Bond-Filme gedreht wurden, zum Ausgangspunkt der musikalischen Ausflüge dienten. Themen und Melodien aus verschiedenen Bond-Filmen erklangen dann auch zu Beginn in einem umfangreichen Potpourri, in dem sich das Quartett sogleich aufs Beste präsentierte.

Brillante Soli

Souveräne Technik, lupenreine Intonation, große dynamische Bandbreite, abwechselnde Führung sowie Expressivität und Virtuosität waren die hervorstechenden Merkmale ihres Musizierens, das immer gelöst und überlegen wirkte. Für launige Moderation und einige brillante Soli sorgte der Leiter des Quartetts Kira Kraftzoff.

Arie aus "Tosca"

Die eigentliche Weltreise begann in Bregenz, wo auf der Seebühne gerade die berühmte Arie des Cavaradossi aus Puccinis "Tosca" erklang, die nun mit ausdrucksvollem Schmelz auf vier Celli ertönte.

Frappierende Technik

In Wien lebte der berühmte Cellist David Popper, dessen Virtuosenstück "Tarantella" von Kira Kraftzoff mir frappierender Finger- und Bogentechnik wiedergegeben wurde. Aus der Lagunenstadt hörte man beschwingt die Ouvertüre zu "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß. Ob die St. Petersburger wussten, dass sie sich gerade in der deutschen Johann-Strauß-Stadt befanden?

Jazz-Anklänge

Hohe Piano-Kultur erlebte man in "Modinha" von Heitor Villa-Lobos, fesselnde Rhythmik in "One note samba" von Carlos Jobim, beides Brasilianer. Ein ausgelassenes "Vegas Weekend" mit Jazz-Anklängen von Antone S. Walloch beendete den ersten Teil.

Russische Volkslieder

New Orleans und New York waren nach der Pause weitere Stationen mit Kompositionen von Leroy Anderson und Juday Bowman, Filmmusik von John Barry aus der Schweiz und zwei gegensätzlichen russischen Volksliedern.

Beatles-Medley

Eine umfangreiche jazzige Eigenkomposition von Sergio Drabkin mit dem Titel "Swing, swing, swing" und ein ausgedehntes Beatles-Medley beendeten den kurzweiligen, vom Publikum mit viel Beifall bedachten Abend. Beim der Zugabe "Hey Jude" wurden die Zuhörer mit Mitsingen und -klatschen animiert. "Wenn etwas die Welt retten kann, dann ist es die Musik" meinte der Moderator und der Applaus gab ihm Recht.

Zu Gast beim Coburger "Verein"

Das Rastrelli Cello-Quartett spielt ausschließlich Arrangements. Sämtliche Arrangements stammen von dem Quartett-Mitglied Sergio Drabkin. Seine raffinierten Kompositionen führen das Cello-Quartett auf ein bis dahin völlig unbekanntes musikalisches Terrain. Geleitet wird das "Rastrelli Quartett" von Kira Kraftzoff, der für sein extrem ausdrucksstarkes und wandlungsfähiges Spiel bekannt ist. Komplettiert wird es durch seine ehemaligen Schüler Mischa Degtjareff und Kirill Timofeev. Der Name des italienischen Architekten Bartholomeo Rastrelli, der im 18. Jahrhundert die neue Hauptstadt Russlands erbauen sollte, steht Pate für das Rastrelli Cello-Quartett, das sich seiner Heimatstadt St. Petersburg sehr verbunden fühlt.

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