Coburg
Begegnung

Ulrich Wagner in Coburg: Alltägliches in Kunst verwandeln

Ulrich Wagner präsentiert im Kunstverein Coburg präsentiert er ab Samstag Plastiken und Zeichnungen.
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Ulrich Wagner stellt ab Samstag "Gebilde im Prozess" im Kunstverein Coburg aus.  Zu sehen gibt es sowohl Zeichnungen von flüssiger Kreide und Kohle auf Papier, als auch farbig gefasste, gefaltete Karton-Plastiken.Foto: Marieke Fiala
Ulrich Wagner stellt ab Samstag "Gebilde im Prozess" im Kunstverein Coburg aus. Zu sehen gibt es sowohl Zeichnungen von flüssiger Kreide und Kohle auf Papier, als auch farbig gefasste, gefaltete Karton-Plastiken.Foto: Marieke Fiala
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"Ich zerschneide Karton, baue auf, zerstöre, verändere, bis sich eine Möglichkeitsform herauskristallisiert", erklärt Ulrich Wagner. Dunkle Plastiken, intensive Zeichnungen und Skizzen umgeben den Künstler. Was seine Kunst darstellen soll? Darauf kommt es nicht an. Das Entscheidende für ihn ist: Der Prozess.

"Alles, was ich alltäglich wahrnehme, wird gefiltert und fixiert", sagt Wagner. Die Ausgangslage könne oft ganz simpel sein, ein Kleidungsstück auf dem Boden zum Beispiel. Besonders interessant seien dabei die Faltungen und Stapelungen. Diese spiegeln sich auch in seinen Arbeiten wieder. Bei genauer Betrachtung erkennt man hier und da die Ansätze eines Glockenrocks, Konturen eines Lendenschurzes.

Symbol für das Nicht-Anwesende

Eine klare Darstellung der beobachteten Gegenstände ist jedoch nicht Wagners Ziel. "Ich will nicht illustrieren", sagt er. Es gehe nicht darum, einen Pullover mit Ärmeln darzustellen. Was der Betrachter am Ende erkenne, sei nicht wichtig: "Kunst darf nicht verstanden werden. Kunst ist etwas, das Rätsel in sich trägt und Fragen aufwirft."

Liegengelassene Kleidung - ein Symbol für das Verlassen eines Momentes, hin zum nächsten Moment. "Eine Bedeutung hat es nur, wenn ich eine Bedeutung projiziere", erklärt der Künstler. Über alle seinen Werken schwebt der Begriff der Hinterlassenschaften - temporäre und endgültige.

Inspiration aus Coburg

Wagner setzte sich im Vorfeld mit den Werken des "Meisters der Coburger Rundblätter" auseinander. Auch als "Meister der Gewandstudien" bekannt, beschäftigte sich dieser Ende des 15. Jahrhunderts ebenfalls mit dem Faltenwurf in Gewändern.

Ein weiterer faszinierender Punkt für Wagner sei dessen Darstellung von Hüllen. "Das Weglassen von Körperlichkeit lässt nur noch eine Hülle der Illusion übrig", erläutert er, "wo das, was man eigentlich sucht, gar nicht vorhanden ist."

Doch Wagners Werke sollen niemals bloß nachbildend sein, betont er. Die Gebilde sollen für sich autonom wirken und seien nicht nur Adaptionen "irgendwelcher spätgotischer Vorbilder" - diese seien nur Quellen.

Die Plastiken aus gefaltetem Karton stehen oft in einer Wechselbeziehung zu den Zeichnung des Künstlers. Als Fixierung, als Gedankenstütze, fertigt Wagner oft Skizzen an. Darauf aufbauend könne später zum Beispiel eine größere Zeichnung entstehen - oder eben auch nicht.

Wie bei all seinen Arbeiten konzentriert sich Wagner auf das Prozesshafte. Mit flüssiger Kreide bearbeitet er Papier, Rinnsale und Tropfen bilden sich, mit dicken Kohlestiften setzt er die Arbeit fort. "Irgendwann kommt der Punkt, das Wissen, sich nicht mehr steigern zu können. Das ist der richtige Moment, um aufzuhören."

Symbolhafte Ausstellung: Zeichnungen und Plastiken

Gebilde im Prozess Malerei, Zeichnung, Objekt - Ulrich Wagner (Eröffnung: Samstag, 7. September, 16 Uhr; bis 6. Oktober). Grundlage seien die Arbeiten des "Meisters der Coburger Rundblätter" (um 1500), dessen Werke auch auf der Veste zu finden sind. Öffnungszeiten Ausstellungspavillon Kunstverein Coburg - Dienstag bis Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr (Eintritt frei am Sonntag).

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