Coburg

Turnier in Coburg: Mann gegen Mann zu Pferd

Zeitreise auf der Veste Coburg: Ab Mittwoch, 9. August, gibt es viermal einen echt mittelalterlichen Tjost - einen Reiterkampf mit Lanzen.
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Bei der Vorführung von "Un Paso Honroso" auf der Veste steht die ritterliche Kampf- und Reitkunst im Mittelpunkt.  Foto: Stadt Sankt Wendel
Bei der Vorführung von "Un Paso Honroso" auf der Veste steht die ritterliche Kampf- und Reitkunst im Mittelpunkt. Foto: Stadt Sankt Wendel
"So ein Ritterturnier war ein Event am Ort", sagt Alfred Geibig. Der Kurator der Kunstsammlungen der Veste Coburg (Waffen, Wagen und Schlitten, Orden, Medaillen und Münzen) organisiert alle zwei Jahre die "Zeitreise" auf der Veste, mit mittelalterlichem Lagerleben und Waffenvorführungen. In diesem Jahr findet die "Zeitreise" etwas später statt als sonst - und viel aufwendiger: Auf dem Programm steht ein Ritterturnier, so, wie es vor rund 500 Jahren tatsächlich hätte stattfinden können.

Wer nun aber schimmernde Rüstungen, klirrende Schwerter und viel Action erwartet, liegt falsch, warnt Geibig: "Das lief sehr regelhaft und rituell ab, und das wird bei uns gezeigt. Wer vor allem den Ritterkampf sehen will, muss Geduld haben." Denn dem Kampf voraus geht das höfische Ritual. Der fahrende Ritter erreicht die Burg, es werden die zeremoniellen Forderungen ausgesprochen, es gibt ein Bankett, es wird über die Regeln verhandelt, und erst relativ spät, wenn auch klar ist, wer gegen wen wie kämpft, geht es tatsächlich los. Dann kam aber auch im Mittelalter das Volk zum Zuschauen - ein Turnier gab es ja nicht alle Tage. "Was wir auf der Veste machen, passiert das erste Mal in Deutschland in dieser Form", beteuert Geibig.


Lanzenkampf zu Pferd

Die Männer, die sich als Ritter in den "ehrenvollen Gang" ("Un Paso Honroso", so der Titel der Vorführung) begeben, machen das allerdings beruflich. Der Niederländer Arne Koets hat seinen ersten Tjost (Lanzenkampf zu Pferd) 2002 absolviert und seither an über 1500 reiterlichen Veranstaltungen teilgenommen, der Australier Phillip Leitch ist als "Berufsritter" in Australien, Europa und Amerika unterwegs. Hinzu gesellen sich Mike Canfor (Großbritannien), Bertus Brokamp und André Görlach. "Das sind alles Hochleistungssportler und experimentelle Historiker", sagt Geibig über die Kämpfer. "Das ist die Oberklasse." Auch, was die Ausrüstung anbelangt, sagt er: Allein für Waffen, Rüstung und Sattel müsse man 30 000 bis 40 000 Euro rechnen, das Pferd und all den Zeitaufwand für das Training von Ross und Reiter noch nicht eingerechnet.

Die Zuschauer werden die Kämpfe von den Tribünen im westlichen Burghof aus verfolgen können. Aber auch drumherum gibt es einiges zu sehen: Mehrere Gruppen, die sich der "Living History" verschrieben haben, zeigen, wie mittelalterliches Lagerleben ausgesehen haben dürfte. Die Gruppe "Lebendige Schwertkunst" zum Beispiel zeigt verschiedene historische Kampftechniken. Sie orientieren sich an Originalbeschreibungen des Mittelalters und der Renaissance. "Aber bei ihnen fechten viele Frauen mit", sagt Geibig. "Das ist nicht ganz authentisch. Aber ansonsten sind die ziemlich gut."

Auch die Söldnergruppe vom Verein Mercenarius aus Horb am Neckar bemüht sich, möglichst so aufzutreten wie ein spätmittelalterlicher Landsknechtstrupp. Die "Condottieri Mauriziani" aus Villach stellen ebenfalls die Zeit zwischen 1460 und 1490 dar, als im nördlichen Italien und im südlichen Österreich die Renaissance einsetzte. Als "Söldner des Heiligen Mauritius" passen sie zu Coburg, schließlich ist der Mauritius der Stadtpatron. Die kurfürstlich-sächsischen Kriegsknechte 1475 haben sogar historischen Bezug zu Coburg: Sie stellen eine militärische Einheit in der Regierungszeit der Brüder Ernst und Albrecht von Sachsen dar. Kurfürst Ernst ist der Stammvater der ernestinischen Linie der Wettiner, die bis 1918 in Coburg regierte. Die "Societa Nobile" befasst sich mit Waffen und dem Bürgerlichen Leben.

Einen ganz besonderen Farbtupfer setzen die Männer und Frauen der Sbandieratori e musici Contrada Monticelli: Sie zeigen die Kunst des Fahnenschwenkens, begleitet von Trommeln und Fanfaren. Sie sind übrigens nicht nur auf der Veste zu erleben: Wenn auf der Burg spielfrei ist, am Freitag, 11. August, 15 Uhr, ziehen sie fahnenschwenkend vom Spitaltor zum Marktplatz.


Termine, Tickets, Hinweise


Ort Westlicher Burghof der Veste Coburg, nummerierte Sitzplätze auf den Tribünen.

Termine Mittwoch, 9., Donnerstag, 10., Samstag, 12., Sonntag, 13. August, jeweils ab 16 Uhr (Einlass ab 15.30 Uhr, Ende gegen 20 Uhr).

Tickets Es gibt für die Vorführungen auf der Veste nur Platzkarten. Sie kosten regulär 15 Euro (12 Euro für Behinderte und Studierende); Kinder und Schüler bis 18 Jahre zahlen 8 Euro, Kinder unter zwei Jahren haben freien Eintritt, erhalten aber keinen eigenen Sitzplatz.

Vorverkauf Tourist-Info, Herrngasse 4, Coburg, Telefon 09561/89-8000, Montag bis Freitag 9.30 bis 17.30 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr. Kunstsammlungen der Veste Coburg, Telefon 09561/879-19.

Einschränkungen Die Landesausstellung im Fürstenbau (östlicher Hof der Veste) ist wie gewohnt von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Herzoginbau am westlichen Burghof mit den Dauerausstellungen Waffen und Kutschen schließt an den Vorführungstagen bereits um 15 Uhr.

Mehr Informationen über die teilnehmenden Reiter und Pferde, die Gruppen und alles übrige haben die Kunstsammlungen unter mittelalter-in-coburg.de zusammengestellt.

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