Coburg
Stadtmarketing

"Trüffelschweine aus Coburg"

Zwischen Picknickwiese, Märchenumzug und Abnehm-Aktion behauptet sich der Coburger "Weihnachtsbaum für die Queen".
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Haben gut lachen: Michael Selzer und Michael Böhm (von links) haben mit ihrer Aktion "Weihnachtsbaum für die Queen" den Stadtmarketingpreis 2018 für Coburg geholt. Foto: Simone Bastian
Haben gut lachen: Michael Selzer und Michael Böhm (von links) haben mit ihrer Aktion "Weihnachtsbaum für die Queen" den Stadtmarketingpreis 2018 für Coburg geholt. Foto: Simone Bastian
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Vier Preiskategorien, zwölf Städte in der Endauswahl bei 37 Bewerbungen: Das ist die Ausgangslage am frühen Donnerstagabend im bayerischen Wirtschaftsministerium. Erstmals ist es Minister Franz-Josef Pschierer (CSU), der den Stadtmarketingpreis vergibt. Es ist die neunte Preisverleihung insgesamt. 2005 lief der Wettbewerb zum ersten Mal, seit 2010 wird er nur noch alle zwei Jahre ausgelobt. 2016 hieß der Sieger in der Kategorie "Städte zwischen 40 000 und 100 000 Einwohner" Coburg, Mitbewerber waren damals Neumarkt und Weiden.
Diesmal ist die Konkurrenz eine andere: Coburg ist bei den Städten "über 40 000 Einwohner" dabei. Nominiert sind für den Stadtmarketingpreis in dieser Kategorie neben dem "Weihnachtsbaum für die Queen" aus Coburg auch der "Super Shopping Friday" in Würzburg und der Rosenheimer Adventsbus. Während die Coburger Weihnachtsbaum-Aktion darauf abzielte, Coburg mit einem ungewöhnlichen (und positiven) Thema in die Medien zu bringen, geht es bei den Initiativen in Würzburg und Rosenheim darum, Kunden in die Innenstädte zu locken.
Das scheint das Anliegen des Stadtmarketingpreises an sich zu sein, zumindest den einführenden Reden nach. Wirtschaftsminister Franz-Josef Pschierer spricht davon, dass der stationäre Einzelhandel durchs Stadtmarketing unterstützt werden müsse. Wolfgang Puff, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern, fordert schlicht mehr verkaufsoffene Sonntage ohne Anlass. "Das ist klassisches Citymanagement", murmelt Michael Selzer. Er und Michael Böhm vertreten den Coburger Wettbewerbsbeitrag, denn sie haben sich Anfang 2016 die Aktion "Weihnachtsbaum für die Queen" ausgedacht. Damals war Böhm noch Coburger Stadtmarketing-Koordinator; eine Funktion, die derzeit Selzer kommissarisch übernommen hat. Denn Böhm hat in Coburg gekündigt. Er macht nun unter anderem Quartiersmanagement für Bad Staffelstein und ist daneben freiberuflich tätig.
Die Prämierung erfolgt nach Städtegröße. Der Römersommer Obernburg gewinnt vor der Sommerhäuser Sommerakademie, das Innovationsquartier Murnau vor der Ochsenfurter Picknickwiese und der Altöttinger Abspeckaktion. Als mit Donauwörth der Sieger unter den Städten bis 40 000 Einwohner verkündet wird, ertönen erstmals Jubelschreie. Das Publikum besteht aus Vertretern des Ministeriums, der unterstützenden Firmen und den Teilnehmerdelegationen. Die Coburger wird verstärkt durch Thüringen - denn die Berufsfachschule Glas in Lauscha lieferte die Kugeln für den königlichen Baum.
Vorab hat Roland Wölfel die Erwartungen gedämpft. Der Geschäftsführer der Cima Beratung + Management GmbH kennt Coburg gut. Es sei aber "schwierig", derselben Stadt den Preis gleich zweimal hintereinander zu geben, sagt er kurz vor der Veranstaltung.
Schwierig - aber nicht unmöglich. Wölfel hält die Laudatio für Coburg: "Ein genialer Einfall wurde konsequent umgesetzt. Wie Historie modern vermarktet wird, zeigen die Coburger in mit einer von Anfang bis Ende durchgestylten Marketingmaßnahme, die europaweites Echo hervorrief."
Die Idee lautete schlicht: Wenn die Queen, wie in ihrer Weihnachtsansprache 2015 geschehen, schon darauf hinweist, dass ihr Urururgroßvater Prinzgemahl Albert die gemeinsame Feier unterm Weihnachtsbaum im englischen Königshaus eingeführt hat, dann schickt Alberts Heimatstadt Coburg 2016 einen Weihnachtsbaum für die Queen. Dass das gelang, war etlichen Partnern und Sponsoren zu verdanken: Die Berufsfachschule Glas in Lauscha fertigte und spendierte die Glaskugeln, der Baum wurde im Callenberger Forst der Herzoglichen Familie geschlagen, Mercedes stellte einen extra beschrifteten Lkw für den Transport zur Verfügung, und die Coburger Firma Hellum die Lichterkette.
Schon die Baumfällung lockte mehrere Kamerateams in den Callenberger Forst, der Lkw auf Tour erregte Aufmerksamkeit nicht nur in Coburgs Partnerstadt Oudenaarde. Die Coburger brachten den Baum nach Windsor (wo die königliche Familie während der Weihnachtszeit lebt), stellten ihn auf und schmückten ihn. Coburgs Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) durfte den Knopf drücken und die Lichter flammten auf. Das sei für sie der bislang bewegendste Moment als Bürgermeisterin gewesen, sagt sie nach der Preisverleihung.
Ganz optimistisch hatte sie eine der Glaskugeln aus Lauscha nach München mitgebracht. Die erhielt der Minister im Austausch gegen den Stadtmarketingpreis.


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