Coburg
Attacke

Tödliche Bisse in Coburg: Besitzer von Schafherde ist geschockt

Wer hat die im Coburger Hofgarten grasende Schafherde in Panik versetzt und ein Tier sogar getötet? Besitzer Detlef Heß hat ein paar Vermutungen.
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Idylle pur im Coburger Hofgarten: Die Schafherde vom Hessenhof in Großwalbur umfasst rund 50 Tiere, darunter auch viele Lämmer. Foto: Oliver Schmidt
Idylle pur im Coburger Hofgarten: Die Schafherde vom Hessenhof in Großwalbur umfasst rund 50 Tiere, darunter auch viele Lämmer. Foto: Oliver Schmidt
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Es herrscht eigentlich Idylle pur an diesem Samstagvormittag im Coburger Hofgarten: Wer seinen Blick über den grünen Hang des oberen Veilchentals schweifen lässt, kann bereits sehen, wie die imposante Veste in den strahlend blauen Himmel ragt, während im Vordergrund eine Schafherde grast - niedliche Lämmer inklusive. Doch die Idylle trügt. Denn wenige Stunde zuvor hat sich hier ein tödlicher Vorfall ereignet.

Detlef Heß vom Hessenhof in Großwalbur, dem die Schafherde gehört, kann es immer noch nicht glauben. Er kniet neben einem Schaf, das tot am Boden liegt: Das Fell des Tieres ist an vielen Stellen blutüberströmt. "Wer macht so etwas?", fragt sich Detlef Heß. Beziehungsweise: "Wer lässt so etwas zu?" Denn seiner Meinung nach gibt es viele Indizien, die dafür sprechen, dass ein Hund - und zwar ein sehr großer Hund - ganz gezielt auf die Herde gehetzt worden sein könnte.

Aber der Reihe nach: Am Samstagmorgen, kurz vor 8 Uhr, hatte sich die Polizei bei Detlef Heß gemeldet. Denn auf der Festungsstraße war eine ausgerissene Schafherde gesichtet worden. Der Verdacht lag nahe, dass es sich um die rund 50 Tiere handelt, die im Auftrag der Stadt Coburg den angrenzenden Hofgarten beweiden und dort vor allem an den vielen steilen Hängen als sehr praktische, "lebende Rasenmäher" fungieren.

,"Uns ist es nach und nach gelungen, die Tiere wieder einzufangen und zurückzutreiben", erzählt Detlef Heß, der dabei von seinem Schäfer Christoph Kühner und einem weiteren Helfer unterstützt wurde.


Besonders zahme Tiere

Bereits während des Zurücktreibens fiel den Dreien auf, dass mehrere Tiere Bisswunden hatten, die zum Teil noch bluteten. Zurück im oberen Veilchental wurde dann das ganze Ausmaß klar: Auf der Wiese lag ein totes Schaf; in seinem Genick klaffte eine riesige Bisswunde.
Die Bisswunde lässt nach Ansicht von Detlef Heß auf einen großen Hund schließen - "größer als ein Schäferhund". Außerdem hat Detlef Heß den umgerissenen Elektrozaun analysiert: "Er war stark verzerrt und gleich von beiden Seiten eingedrückt." Deshalb vermutet er, dass die 50 Schafe mehrmals in Panik hin- und hergerannt sind, ehe sie schließlich auf die benachbarte Straße flüchteten.

"Die Schafe, die wir im Hofgarten grasen lassen, sind besonders zahm", erklärt Detlef Heß, "da muss schon etwas Besonders passieren, um sie in Panik zu versetzen." Seine Vermutung: "Das war keiner der Hunde, die hier ganz normal Gassi geführt werden. Das muss ein abgerichteter Hund gewesen sein."


Drei Lämmer verschwunden

Dem Schafbesitzer fällt auch auf, dass sich der Angreifer ein besonders schwaches und somit langsames Tier als sein Hauptopfer ausgesucht hat: Das getötete Schaf war ein hochträchtiges Mutterschaf, das ein bis zwei Lämmer im Bauch trug.

Doch die Schadens- und Schreckensbilanz fällt noch größer aus: "Insgesamt wurden acht Schafe gebissen", zählt Detlef Heß auf, "eines davon tödlich." Drei kleine Lämmer, die erst vor wenigen Tagen geboren wurden, werden noch vermisst.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Auch wenn es sich um Lebewesen handelt, ist ganz formal von einem "Sachschaden" die Rede. Detlef Heß beziffert ihn auf etwa 2500 Euro.
Alle Tiere der Hessenhof-Herde sind reine Zuchtschafe, die ausschließlich für die Landschaftspflege eingesetzt werden. Im Frühjahr beginnen sie ihren "Mäh-Einsatz" am Beerhügel bei Cortendorf und arbeiten sich im Laufe der Monate über den Hofgarten bis zum Probstgrund vor. "In der Regel schaffen sie zwei dieser Durchgänge pro Jahr", erzählt Detlef Heß.

Im Probstgrund gab es übrigens vor zwei Jahren schon einmal einen tödlichen Vorfall, wie sich Detlef Heß erinnert. Damals konnte der beißende Täter - ein Dobermann - ausfindig gemacht werden.


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