Berlin

Til Schweiger als böser, böser Bösewicht

Jetzt hat die Berlinale wenigstens ihren ersten Streitfall. Was ist nun "The necessary death of Charlie Countryman"? Ein inhaltsschwacher Action s treifen, der in einem Wettbewerb nichts zu suchen hat? Oder eine durchgedrehte Räuberpistole, die sich erfreulich von all den schweren Themen des Festivalprogramms abhebt? Es wird heftig diskutiert - und zumindest darüber darf man sich bei einem Film-Fest doch immer freuen.
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Mit einem markanten Kurzauftritt punktet der deutsche Mime Til Schweiger in "The necessary death of Charlie Countryman". Foto: Verleih
Mit einem markanten Kurzauftritt punktet der deutsche Mime Til Schweiger in "The necessary death of Charlie Countryman". Foto: Verleih
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Egal, welche Meinung man vertritt: "Charlie Countryman" liefert mit die schrägsten Szenen, die man in diesem Jahr in Berlin zu sehen bekam. Für die deutschen Zuschauer gehört sicher der Kurzauftritt von Til Schweiger dazu, der als Darko (gefühlt mit mindestens vier "r" ausgesprochen) einen richtig bösen, bösen Bösewicht spielen darf. Das macht man in Hollywood ja gern, die Schurkenrollen mit Deutschen zu besetzen. Und wer Til Schweiger gesehen hat, der weiß, warum dies so ist.

Liebesabenteuer in Bukarest

Zugegeben, man merkt "The necessary death of Charlie Countryman" an, dass sein Regisseur Fredrik Bond bisher sein Geld hauptsächlich mit Werbe-Videoclips verdiente. In einem wilden Tempo rauscht der arme Charlie Countryman (Shia LaBeouf) durch ein völlig unrealistisches Liebesabenteuer in der rumänischen Hauptstadt Bukarest.

Dass er sich dort auf den ersten Blick in die Braut eines Gangsterbosses (noch fieser als einst im Bond-Film "Casino Royal": Mads Mikkelsen) verliebt, bringt ihm mehr Probleme ein, als ein Mensch eigentlich lösen kann. Aber sehr zur Freude des Publikums lässt sich Charlie von all dem Ärger nicht aufhalten und durchlebt, für den Zuschauer höchst unterhaltsame, 107 Kinominuten. Angesichts seiner guten Besetzung könnte "The necessary death of Charlie Countryman" durchaus Chancen haben, irgendwann einmal in den deutschen Kinos aufzuschlagen.
Über den "Countryman" hinaus ging es im 63. Berlinale-Wettbewerb aber eher beschaulich, insgesamt schon ein bisschen langatmig zu. Dabei waren die Ausgangsstoffe nicht schlecht. "Die Nonne" zum Beispiel erzählt nach dem gleichnamigen Roman von Denis Diderot die Geschichte der jungen Suzanne, die von ihren Eltern gegen ihren Willen in ein Kloster gesteckt wird.
Doch so sehr das Mädchen von ihren Glaubens-Schwestern und Oberinnen auch gequält und unter Druck gesetzt wird - Suzanne lässt von ihren Drang nach Freiheit nicht ab. Mit fast zwei Stunden ist der Film zwar ein bisschen lang geraten, aber insgesamt doch recht sehenswert. Auch wenn er der katholischen Kirche sicher nicht gefallen wird.

Abstruser Showdown

Im kanadischen Wettbewerbsbeitrag "Vic + Flo haben einen Bären gesehen" passiert auch lange nichts. Ganz lange, ehe zum Schluss zum zweiten Mal nach "Gold" zwei Bärenfallen eine ganz entscheidende und blutige Rolle spielen. Darin endet nämlich die Geschichte von "Vic + Flo" tödlich.
Das "Warum" interessierte Regisseur und Drehbuchautor Denis Cote offensichtlich nicht. Dass "Vic + Flo" bis zum abstrusen Showdown eigentlich gar keinen interessanten Moment erleben, kann man dagegen ausgiebig verfolgen.
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