Coburg
Jubiläum

THW Coburg: Helfer mit schwerem Gerät

Eine Hochwasserkatastrophe in Holland war vor 60 jahren der Anlass für die Gründung des Technischen Hilfswerks (THW) in Coburg. Heute ist er längst fester Bestandteil der örtlichen Rettungskräfte-Kulisse.
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Deutlich wurde das beim Großbrand in der Coburger Altstadt an Pfingsten 2012: Damals wurde René Göbel kurzerhand zum Gesamteinsatzleiter bestimmt. "Die Feuerwehr war mit der Brandbekämpfung beschäftigt und sollte nicht zusätzlich belastet werden", erzählt Göbel. Denn es ging um Unterbringung der plötzlich obdachlos Gewordenen, die Versorgung der Opfer und der Rettungskräfte sowie die Koordination der verschiedenen Hilfsorganisationen und Behörden. Göbel übernahm damals die erste Schicht in der Einsatzleitung, sein THW-Kollege Karsten Herold die dritte. "Wir verstehen uns gut in der Stadt. Das ist eine große Familie, organisationsübergreifend", erzählt Göbel.

Diese Einschätzung teilt Frank Heublein, der Ortsbeauftragte. Woanders hieße er Vorsitzender. "Dass das THW einen Einsatzleiter stellt, ist schon außergewöhnlich", sagt er.
Nicht überall funktioniere die Zusammenarbeit mit andern Organisationen so gut, und das THW sei "relativ unbekannt". Anders als die Feuerwehren, die örtlichen Selbsthilfeorganisationen, ist das THW eine Bundesanstalt. Gegründet wurde es 1950 als Einheit des Zivilschutzes im Kriegsfall. Eine Bundeswehr gab es damals noch nicht. Doch die Ortsverbände können sich in die örtliche Gefahrenabwehr und den Katastrophenschutz einbinden lassen.

Der Coburger Ortsverband hat damit schon früh begonnen. Anlass für seine Gründung war die Flutkatastrophe in Holland mit 140 Toten im Februar 1953: Damals suchte die THW-Geschäftsstelle Bamberg Freiwillige für den Hilfseinsatz, gleichzeitig der erste Auslandseinsatz des THW. Dafür meldete sich in Coburg zwar niemand, doch schon kurz darauf wurde der THW-Ortsverband Coburg aus der Taufe gehoben.

Schon im März 1956 hatte die junge Gruppe ihren ersten Großeinsatz in Coburg: Hochwasser und Eisgang auf der Itz. Das Eis wurde teilweise gesprengt. 1963 der erste Hilfseinsatz im Ausland: in Skopje (damals Jugoslawien, heute Mazedonien) hatte die Erde gebebt. Coburger halfen beim Bergen, unter ihnen Georg Debus. Zwei Jahre zuvor war der heute 79-Jährige dem THW beigetreten - allerdings war das nicht offiziell registriert worden, wie sich bei der Fahrt nach Jugoslawien herausstellte. Auch Debus arbeitete noch viel mit Sprengstoff.

"Damals gab es noch keine Betonkettensägen", erläutert Thomas Ebert, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit. An Verschüttete mussten sich die Helfer heransprengen. Debus legte auch mehrere Schornsteine in der Coburger Umgebung ein - und er plante die Großübungen zusammen mit den Feuerwehren.

Einsatz in zweiter Reihe

"Die Feuerwehren sind im Schnellangriff gut und auf Brände spezialisiert", erläutert Thomas Ebert die wesentlichen Unterschiede. "Aber wenn es an Abstützarbeiten geht oder die Beleuchtung, sind wir dabei." Das THW Coburg verfügt über zwei Bergungszüge als Basiseinheiten. Hinzu kommen zwei Fachgruppen. Die Coburger sind aufs Räumen und den Aufbau von Infrastruktur spezialisiert: Mit Radladern und Kippern können sie Schutt und Dreck wegräumen, mit der Ausstattung ihrer Spezialfahrzeuge provisorische Wasser- und Stromleitungen verlegen.

Solche Leistungen werden bei Katastrophen meist erst "in der zweiten Runde" gebraucht, sagt Thomas Ebert. Deshalb kommt das THW seltener zum Einsatz als Feuerwehren und Rettungsdienste. Teilweise fehle es auch an Information darüber, was das THW leisten kann, sagt Ortsbeauftragter Frank Heublein. Anders in Coburg: "Hier kennt man uns und weiß, was wir haben. Dann heißt es: ,Schön, dass ihr da seid und Licht macht!'"

Wie andere Hilfsorganisationen lebt das THW vom Ehrenamt. Hauptamtliche Mitarbeiter gibt es kaum: Nur ein Prozent der bundesweit rund 80.000 Helfer ist festangestellt, obwohl das THW direkt dem Bundesinnenministerium unterstellt ist. Von dort werden die Fahrzeuge zugeteilt. Vor einigen Jahren noch wurden auch die Ortsbeauftragten von oben bestimmt, erinnert sich Frank Heublein. Inzwischen dürfen aber die Führungskräfte vor Ort mitbestimmen, wer an der Spitze steht.

Jubiläumsveranstaltungen

Am Freitag feiert das THW Coburg mit einem Festkommers sein 60-jähriges Bestehen. Erwartet wird zu der Feier im Rathaus auch der THW-Landesbeauftragte Fritz-Helge Voss. Was das THW alles leisten kann, wird es beim Tag der offenen Tür in der Industriestraße 4a in Dörfles-Esbach am Samstag, 25. Mai, zeigen. Informationen über den Ortsverband Coburg sind außerdem im Internet unterwww.thw-coburg.de zu finden.
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