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Coburg
Mindestlohn

Taxifahren wird auch in Coburg teurer

Taxifahrer haben bislang eine 50- bis 55-Stunden-Woche und arbeiten in Schichten. Dass sie nun auch 8,50 Euro Stundenlohn bekommen, erscheint gerecht und logisch. Die Unternehmen müssen das mit höheren Tarifen kompensieren.
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Taxifahren ist für Toni Walther ein Hobby. Trotzdem findet er, dass der Mindestlohn in der Branche eine gute Sache ist. Foto: Helke Renner
Taxifahren ist für Toni Walther ein Hobby. Trotzdem findet er, dass der Mindestlohn in der Branche eine gute Sache ist. Foto: Helke Renner
Bis Ende September hatten die Taxiunternehmer noch gehofft, dass es für ihre Branche eine schrittweise Anpassung an den Mindestlohn geben wird - 2016 eine Erhöhung des Stundenlohns auf 7,50 Euro und 2017 dann auf 8,50 Euro. Doch die Verhandlungen der Taxiverbände sind gescheitert. "Wir haben zwar damit gerechnet, waren dann aber doch enttäuscht", sagt Enrico Gabriel. Zusammen mit Karin Olm und Michael Höllein nimmt er die Aufgaben des Obmanns für die Taxiunternehmen wahr, nachdem Michael Möller das Amt im vergangenen Jahr abgegeben hatte. Um rund 35 Prozent werden die Lohnkosten jetzt ansteigen. "Wir brauchen eine Tariferhöhung um etwa zehn Prozent, sonst bleibt für die Unternehmen nichts übrig." Er selbst habe schon Stundenkonten eingerichtet und flexible Arbeitszeiten für seine Fahrer eingeführt, erläutert Enrico Gabriel.

"Die Standzeiten sind unser größtes Problem." Zwar müssten die auch
abgedeckt werden, aber wenn gar nichts laufe, schicke er seine Fahrer jetzt auch mal nach Hause. "Es kann also passieren, dass sie fünf Stunden arbeiten, eine längere Pause machen und dann noch einmal vier Stunden unterwegs sind", erzählt der Taxiunternehmer. In der Regel haben seine Fahrer zehn Stunden am Tag gearbeitet, aber es konnten auch mal elf bis zwölf Stunden werden.

"Mit der Einführung des Mindestlohns verringere ich die Arbeitszeit auf neun Stunden." Für die Angestellten seiner Firma heißt das: weniger Wochenarbeitszeit, mehr Lohn. "Wir wollen einen Jobverlust vermeiden. Wenn aber die Standzeiten noch größer werden, dann kommen wir nicht umhin, die Zahl der Fahrer zu reduzieren. Wir müssen ja auch wirtschaftlich arbeiten." Für ihn sei Entlassung aber die letzte Lösung, betont Enrico Gabriel.

Durchschnittlich elf Prozent mehr

Bereits Ende Oktober haben die einheimischen Taxiunternehmen einen Antrag auf Tariferhöhung bei der Stadt und beim Landkreis gestellt. Denn eine Entscheidung muss dort getroffen werden. "Dafür ist ein Anhörungsverfahren vorgeschrieben, in das unter anderem die IHK und die Taxiverbände einbezogen werden." Für die Stadt muss zunächst der Verwaltungssenat sein Okay geben.

Kommt das, dann hat der S tadtrat das letzte Wort - wahrscheinlich in der Sitzung am 22. Januar. Enrico Gabriel ist zuversichtlich, dass den Taxiunternehmen die Tariferhöhung gestattet wird. Anfang/Mitte Februar könnten dann die Taxameter umgestellt werden. Das besorgen Fachfirmen. Anschließend müssen die Preiserfassungsgeräte noch geeicht werden. "Das tun wir sowieso jedes Jahr - zum Schutz der Verbraucher."

Was kommt nun aber auf die Kunden zu? "Wir werden die Grundgebühr und die Gebühr für die Standzeiten nicht erhöhen. Auf den Kurzstrecken bis zu drei Kilometern kommen auf die Kunden Mehrkosten in Höhe von rund acht Prozent zu." Zwischen vier und 20 Kilometern wären es 15 Prozent, bei 20 bis 30 Kilometern etwa neun Prozent. "Durchschnittlich gibt es also bei Strecken zwischen einem und 30 Kilometern eine Preiserhöhung von etwa elf Prozent."

Einmal pro Woche mit dem Taxi

Annemarie Sommer (67) aus Coburg fährt momentan jede Woche mindestens einmal mit dem Taxi, zum Beispiel zum Arzt. Sie findet die Einführung des Mindestlohns grundsätzlich richtig. "Schließlich müssen die Taxifahrer, genau wie jeder andere auch, mit steigenden Preisen in anderen Bereichen zurechtkommen. Der einzige Nachteil ist, dass durch den Mindestlohn das Taxifahren vielleicht etwas teurer wird. Aber ich werde trotzdem weiterhin das Taxi nehmen. Das ist für mich immer noch billiger als in meinem Alter noch den Führerschein zu machen."

Wie Annemarie Sommer denken offenbar viele Coburger. Der Taxifahrer Toni Walther hatte am Freitag nach Neujahr gut zu tun. "Von sieben Uhr an war ich ununterbrochen unterwegs", sagt er am Nachmittag gegen 15.30 Uhr. Das ist nicht immer so, sondern vor allem den vorangegangenen Feiertagen geschuldet. Es können auch schon mal Wartezeiten von bis zu einer Stunde anfallen.

Bei seinen Fahrgästen sei der Mindestlohn bisher kein Thema gewesen, stellt Toni Walther fest. Am Freitagabend werde er seine Arbeitszeit aber schon mit 8,50 Euro pro Stunde abrechnen.

Seit drei bis vier Jahren fährt der Rentner jetzt Taxi - tageweise. Auf den Mindestlohn ist der frühere Abteilungsleiter einer Kaufhauskette nicht angewiesen, aber er findet es gut, dass der jetzt gezahlt wird. "Wenn man davon leben muss, ist das schon eine wichtige Entscheidung", findet er.

Toni Walther fährt einfach gern Taxi. Vom Direktor bis zum Hartz-IV-Empfänger steigen die unterschiedlichsten Leute bei ihm ein. "Da wird viel erzählt, manchmal komme ich mir vor wie in einem Beichtstuhl", erzählt er lachend. Und dann steht auch schon der nächste Fahrgast vor der Tür. Viel Standzeit hat es für Toni Walther nicht gegeben. Er hat es nicht einmal ganz geschafft, sein Frühstücksbrot aufzuessen. Aber er bittet den Fahrgast trotzdem freundlich herein.

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