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Vernunft

Kreis Coburg: Tausche Führerschein gegen Busfahrkarte

Wie lange sollte man Auto fahren? In Ahorn gibt es die Möglichkeit, der Führerschein gegen ein Busticket einzutauschen. Ingeborg Mehnert hat das genutzt.
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Senioren, die in der Gemeinde Ahorn ihren Führerschein dauerhaft abgeben, dürfen für ein halbes Jahr kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Ingeborg Mehmert ist die erste, die ihren Führerschein an Bürgermeister Martin Finzel aushändigte. Foto: Gabi Arnold
Senioren, die in der Gemeinde Ahorn ihren Führerschein dauerhaft abgeben, dürfen für ein halbes Jahr kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Ingeborg Mehmert ist die erste, die ihren Führerschein an Bürgermeister Martin Finzel aushändigte. Foto: Gabi Arnold
Mit zunehmendem Alter lässt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nach. Ältere Verkehrsteilnehmer gelten daher im Straßenverkehr als besonders gefährdet. In der Gemeinde Ahorn werden Senioren, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, nun finanziell gefördert. Die erste Ahorner Bürgerin hat dieses Ausweisdokument vor einigen Tagen an Bürgermeister Martin Finzel (parteilos) für immer übergeben.

Als bei dem Auto von Ingeborg Mehnert kürzlich der TÜV fällig wurde, überlegte sie, ob sie in ihr Auto überhaupt noch Geld investieren solle. "Ich bin jetzt 82 Jahre alt und fahre eigentlich schon länger nur noch kurze Strecken", sagt die Ahornerin. Doch genau diese kurze Strecken, sagt sie, könne sie auch problemlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Dank einer guten Anbindung der Gemeinde Ahorn seien Fahrten nach Coburg zum Einkaufen oder zum Arzt sehr gut möglich.


Finzel: Hohes Verantwortungsbewusstsein

Ingeborg Mehnert überlegte, ob sie nicht komplett auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen solle. "Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt noch Autofahren soll", sagt sie. Sie entschied schließlich, 50 Jahre, nachdem sie die Prüfung abgelegt hatte, den "Schein" für immer abzugeben. Bürgermeister Martin Finzel begrüßt diesen Entschluss ausdrücklich: "Es ist eine starke Entscheidung, wenn man erkennt, dass man zwar noch fahren könnte, aber nicht mehr müsste." Die Entscheidung der Rentnerin zeige hohes Verantwortungsbewusstsein für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Finzel nahm das amtliche Dokument entgegen und händigte der Seniorin stattdessen eine Gutschrift zur Fahrkostenerstattung für den öffentlichen Nahverkehr aus.

Dies, erklärte Finzel, gehe auf einen einstimmigen Gemeindebeschluss aus der Märzsitzung dieses Jahres zurück. Demnach hat der Ahorner Gemeinderat beschlossen, dass Bürger, die ihren Führerschein aus gesundheitlichen oder sicherheitsrelevanten Gründen dauerhaft abgeben, eine finanzielle Unterstützung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln bekommen sollen. Der Anstoß zu dieser Initiative sei von einer Ahornerin Bürgerin gekommen, so der Bürgermeister. Für Ingeborg Mehnert bedeutet dies, dass sie nun ein halbes Jahr das sogenannte grüne Abo im Wert von 159 Euro nutzen darf. Bei diesem Abo, erklärte Finzel, seien ab 9 Uhr am Morgen alle Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr möglich. Wie Finzel ausführte, habe es diese Idee in Ahorn bereits früher gegeben. "Ich bin umso erfreuter, dass wir diese Anregung nun wieder aufnehmen."


Etwa jährlich 30 Anträge in Coburg

Auch in der Stadt Coburg, weiß Finzel, werde die freiwillige Abgabe des Führerscheins unterstützt. Wie Finzel ausführte, gehen nach Rücksprache mit der Stadt Coburg etwa 30 Anträge im Jahr dort ein. Bei Abgabe des Führerscheins gewähre die Stadt Coburg ebenfalls eine Fahrkostenerstattung für sechs Monate.
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