Coburg
Interview

Tango-Klänge kommen in die Coburger Morizkirche

Wie sich der Chor Unerhört auf die Coburger Erstaufführung der "Misa Tango" von Martin Palmeri vorbereitet.
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Antoinetta Bafas bei der Probenarbeit mit dem Chor Unerhört: am 9. Juni diigiert sie die Coburger Erstaufführung  der "Misa Tango" in St. Moriz.Foto: Archiv/Jochen Berger
Antoinetta Bafas bei der Probenarbeit mit dem Chor Unerhört: am 9. Juni diigiert sie die Coburger Erstaufführung der "Misa Tango" in St. Moriz.Foto: Archiv/Jochen Berger
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Der Coburger Chor Unerhört unter seeiner Gründerin und LEiterin Antouinetta Bafas ist bekannt für seine unkonventionellen Programme. Das gilt auch in diesem JAhr für das Konzert, das am 9. Juni in der Morizkirche stattfinden wird. Geplant ist die Cobuger Erstaufführung der "Miasa Tango" des argentinischen Komponisten Martin Palmeri. Was diese WEerkauswahl für den Chor bedeutet, verrät Antoinetta Bafas im Interview.


Wie oder wo wurden Sie auf Martin Palmeris "Misa Tango" aufmerksam?
Antoinetta Bafas: Nach den Aufführungen von Werken wie Misa Criolla, Navidad Nuestra oder Sacred Concert, nach unseren verrückten Projekten mit Blaskapelle, Bigband oder im letzten Jahr mit den preisgekrönten "Klazzbrothers and Cubapercussion" hatte ich wieder mal nach etwas gesucht, was eine neue Nuance in die ohnehin bunten Palette unseres Repertoires bringt. Nach langer Recherche im Netz fand ich in der "Misa Tango" oder "Misa des Buenos Aires" von Martin Palmeri die perfekte Mischung von all den Einflüssen, die mich persönlich begeistern, nämlich der klassischen Messe, gepaart mit den argentinischen Tango Rhythmen und den jazzigen Harmonien.

Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, das Werk für den "Chor Unerhört" auszuwählen?
Ich versuche grundsätzlich mit dem Chor "Unerhört" neue Wege zu gehen, um die Menschen, die mit solcher Begeisterung dort singen, sowohl neugierig zu halten, als auch immer aufs neue zu fordern. Ich glaube, dass sowohl ich als auch der Chor diese Herausforderungen liebt. Und ganz sicher sind wir bei diesem Werk alle gut mit Herausforderungen bedient!

Wie ordnen Sie diese Tango-Messe stilistisch ein?
Formal orientiert sich Misa Tango an der klassischen Messe, gesungen in lateinischer Sprache. Musikalisch orientiert sich das Werk am Tango Nuevo, das ist jene kunstvolle und virtuose Form des argentinischen Tango, die vor allem durch Astor Piazollas Werk diesen leidenschaftlichen Tanz konzertfähig gemacht hat. Auch die Orchestrierung ist entsprechend klassisch, neben einem Streichquintett und Klavier fungiert das leidenschaftliche Bandoleon als der wahre Vertreter des Tango - in ständigem Dialog mit Chor und Solistin.

Wie passen Tango-Rhythmen und sakraler Rahmen zusammen?
Diese Frage stelle ich mir die ganze Zeit, denn die Tango Musik ist extrem erotisch, der Tango ist ein Liebestanz, fast ein Liebesakt. Dann singen wir die ganze Zeit von der Liebe zum Gott. Aber ist die Liebe nicht einfach Liebe?

Wo liegen die Herausforderungen bei der Probenarbeit? Seit wann proben Sie an diesem Werk?
Die größte Herausforderung ist der Rhythmus, in Kombination mit für westeuropäische Ohren völlig unerwarteten Melodien und Harmonien. An all dem proben wir seit Anfang des Jahres ziemlich intensiv, gerade eben ein ganzes Wochenende!

Wie hat sich Ihr Blick auf das Werk bei der Einstudierung eventuell verändert?
Nicht nur mein Blick, sondern viel mehr der des Chores hat sich total verändert, denn während der Einstudierung haben alle die immense innere Schönheit des Werkes mehr und mehr entdeckt und bewundert, die aus dem Kontrast zwischen wunderschönen Melodien und komplexen Harmonien und Rhythmen entsteht, die eine Art den ewigen Kampf vom Guten und Bösem darstellt, hoch emotional.

Wie hat der Chor auf die Wahl dieser Messe reagiert?
Gemischt - wie oft sonst. Denn sie ist außergewöhnlich! Die erste Frage war: Werden wir das schaffen? Natürlich habe ich die Frage positiv geantwortet, aber fragen Sie mich nicht ob ich schlaflose Nächte hatte? Nur eines können Sie mir glauben, die meistens gehen nach der Probe mir einem oder andrem Ohrwurm ins Bett!

Wo siedeln Sie das Werk vom Schwierigkeitsgrad her an im Vergleich zu den Werken, die Sie bisher mit dem "Chor Unerhört" aufgeführt haben?
Es ist mit Sicherheit eines der anspruchsvollen Werke, die wir einstudiert haben. Und sicher eines der schönsten!




Rund um die "Misa Tango" in Coburg

Konzert-Tipp Martin Palmeri "Misa Tango", Samstag, 9. Juni, 19.30 Uhr, St. Moriz Coburg (Einlass ab 19 Uhr)

Vorprogramm Ergänzt wird die Erstaufführung der "Misa Tango" durch ein instrumentales Vorprogramm, gestaltet von einem Tangoensemble mit Musikern von Landestheaters unter der Leitung von Dietmar Engels, mit Solisten Joana Tautu, Gesang und Alexander Pankov, Bandoleon. Es erklingen Teile aus "María de Buenos Aires", in denen Piazzolla und der Textdichter Horacio Ferrer urbane Mythen der Stadt Buenos Aires in das argentinische Tangoidiom eingebunden hat. Dazu erklingen die fünf "Tango Sensations" von Piazzolla. Außerdem singt der Chor Unerhört Lieder nach Texten prominenter Poeten wie Mario Trejo und Horacio Ferrer.

Mitwirkende Chor Unerhört, Leitung: Antoinetta Bafas; Alexander Pankov (Bandoneon), Ioana Tautu (Gesang), Tangoensemble, Leitung Dietmar Engels, Instrumentalensemble aus Mitgliedern des Philharmonischen Orchester Landestheaters Coburg

Eintrittskarten im Vorverkauf zu 15 Euro (Erwachsene) und zehn Euro (Schüler, Studenten) bei der Buchhandlung Riemann, in der Konditorei Feyler und bei Le Futon. Tickets an der Abendkasse jeweils mit drei Euro Aufpreis.

Chor Unerhört Gegründet 2006 von Antoinetta Bafas. 2009 erstes eigenes Musical "Oliver". Als Themen-Konzerte wurden die Misa Criolla von Ariel Ramírez, Carl Orffs "Carmina burana", Duke Ellingtons "Sacred Concert", "Navidad Nuestra" und "Christmas meets Cuba" gegeben.

"Misa Tango" Martin Palmeri komponierte seine "Misa Tango" in der Zeit von September 195 und April 1996. Uraufgeführt wurde das Werk im August 1996 im Teatro Broadway in Buenos Aires. Inhaltlich und formal folgt das Werk dem tradierten Messordinarium mit den Teilen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.
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