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Coburg
Geldfrage

Suche nach bezahlbaren Parkplätzen in Coburg wird immer schwieriger

Wer von außerhalb in die Stadt zum Arbeiten kommt und sein Auto nicht auf einen Firmenparkplatz stellen kann, hat ein Problem. Gebührenfrei geht fast nichts mehr. Das macht es für Wenigverdiener schwierig.
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Weniger Autos als früher stehen heute auf dem kostenpflichtigen Badparkplatz. Foto: Helke Renner
Weniger Autos als früher stehen heute auf dem kostenpflichtigen Badparkplatz. Foto: Helke Renner
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Sie sehen ja ein, dass die Stadt angesichts klammer Kassen nach neuen Einnahmemöglichkeiten sucht und wollen auch nicht rumjammern, "weil es schon irgendwie geht". Aber die Fr auen, die in der Stadt in Dienstleistungsunternehmen oder im Handel tätig sind, aus der Coburger Region oder den Nachbarlandkreisen kommen und vergleichsweise wenig verdienen, haben ein Parkplatzproblem. Seit Anger und Badparkplatz nach Stadtratsbeschluss kostenpflichtig geworden sind und die Gebühren in den Parkhäusern erhöht wurden, hat sich die Situation für sie verschärft. Und weil sie keine Lobby haben, wie sie glauben, spricht nun Christine Ruckdeschel für sie das Thema an. "Früher war ich der Meinung und naiv genug zu glauben, eine Stadtverwaltung, die Stadträte und nicht zuletzt ein Oberbürgermeister seien für die Bürger und deren Wohlbefinden da. Das Gegenteil ist der Fall", schimpft sie.

"Ich bin der Überzeugung, dass die Parkplatzverknappung bewusst herbeigeführt wurde. Unsere Stadt braucht Geld, viel Geld." Und das wolle sie eben auch von den Autofahrern haben, die für jedes Parken und kurzfristiges Falschparken zahlen müssten. Aber: "Nicht jeder, der mal eben kurz einen Schuh zur Reparatur bringen oder ein Brötchen besorgen muss, will dafür in das Parkhaus fahren - von vielen älteren Menschen, die Angst haben, sich in die super engen Parkbuchten zu zwängen, mal abgesehen."

Gebühren sind zu hoch

Auch die Nöte der in der Stadt arbeitenden Menschen spricht Christine Ruckdeschel an: "Für die einfachen Leute, sprich Verkäuferinnen, kleine Angestellte und so weiter, die nicht mit einem städtischen oder Beamtenparkplatz gesegnet sind, für Menschen also, die oft von weit her berufsbedingt nach Coburg pendeln, sind auch 2,50 Euro pro Tag viel Geld." Das bestätigt Anja Lüddicke. Sie arbeitet in einem Kosmetikstudio. "Fünf Jahre lang haben wir unsere Autos ins Parkhaus Post gestellt. Wir hatten Parkkarten, die aber nur von Montag bis Freitagmittag galten. Es war schwierig, das mit unseren Öffnungszeiten zu vereinbaren." Und die Dauerplätze seien alle belegt und teuer.

Auszug aus dem Parkhaus

Als 2011 die Gebühren in den Parkhäusern erhöht wurden, mussten die jungen Frauen passen. "Das können wir uns nicht mehr leisten." Bei privaten Anbietern einen Ersatz zu bekommen, sei schwierig. Doch Anja Lüddicke und ihre Kolleginnen hatten Glück. Sie haben in der Wiesenstraße etwas gefunden. Dort zahlen sie 32 Euro im Monat, was gerade noch verkraftbar sei.
Auch eine Verkäuferin, die aus Sonneberg kommt und anonym bleiben möchte, konnte zumindest vorübergehend einen neuen Stellplatz mieten. 15 Jahre lang hatte sie ihr Auto auf dem Badparkplatz stehen. Aber 2,50 Euro Gebühren pro Tag seien zu viel für sie. Jetzt parkt sie auf dem Brockardt-Gelände in der Scharnhorststraße für 20 Euro monatlich. "Im Winter will ich mich dort aber nicht hinstellen. Da ist es dunkel, wenn ich zum Auto gehe", sagt sie.
Und es handelt sich sowieso um eine temporäre Lösung, wie Anette Acker von der Kanzlei Linse, der Insolvenzverwalterin für das ehemalige Firmengrundstück, bestätigt. "Sobald wir einen Investor finden, können wir die Parkplätze nicht mehr anbieten. Vielleicht tut's ja der neue Besitzer." Derzeit stehen 300 Parkplätze zur Verfügung. "Wir verkaufen nicht mehr als 300 Chips, sonst wird es zu voll." Interessenten gebe es jedoch mehr.
Das weiß auch Michael Sagasser. Er vermietet auf dem Firmengrundstück in der Callenberger Straße Parkflächen. "Wir haben eine lange Warteliste", sagt der Sagasser-Geschäftsführer. Zwischen 25 und 30 Euro kostet bei ihm die Parkfläche. Ein Wermutstropfen für alle, die das Glück hatten, in der Callenberger Straße günstig einen Parkplatz mieten zu können: In absehbarer Zeit wird dort ein Umbau beginnen. Geplant ist ein Nahversorgungszentrum. "Unter Umständen legen wir noch Ende dieses Jahres los, auf jeden Fall aber Anfang 2015", erläutert Michael Sagasser. Dann ist wieder eine Reihe von Dauerparkern auf der Suche nach Stellflächen - nicht, weil sie ihre Freizeit in Coburg verbringen, sondern weil sie hier arbeiten und damit auch etwas für die Stadt tun.

Was sagen die Stadträte?

Der Stadtrat hat die gebührenpflichtige Nutzung der beiden Großparkplätze und die Preiserhöhung in den Parkhäusern beschlossen. Was sagen die Fraktionsvorsitzenden dazu, dass diese Entscheidung nun vor allem geringfügig oder schlecht bezahlte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trifft?
Thomas Nowak (SPD) räumt ein: "Wir wussten, dass es schwierig wird. Aber uns ging es prinzipiell um die Parkplatzbewirtschaftung." Eine bewusste Verknappung, wie Christine Ruckdeschel sie sieht, gebe es definitiv nicht. Seiner Ansicht nach sollten die Arbeitgeber Verantwortung übernehmen und für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Parkflächen schaffen. Dass große Handelsketten sich darum oft nicht scherten, ist seiner Ansicht nach ein Fehler im System, für den die Stadt nicht einspringen könnte.
Ähnlich äußert sich Christian Müller (CSB). "Ich habe für meine Mitarbeiterinnen extra eine Fläche angemietet", sagt er. Auch Brose zum Beispiel habe sofort reagiert, als der Anger kostenpflichtig wurde. "Parkflächen anzubieten, ist keine öffentliche Aufgabe. Das kostet Geld, mit dem wir sparsam umgehen müssen." Im Übrigen sei beim Badparkplatz eine Entscheidung überfällig gewesen. "Dort war im Sommer oft alles überfüllt und Badegäste haben keinen Platz mehr gefunden."
Das ist auch für Hans-Herbert Hartan (CSU) der Hauptgrund für die Einführung von Gebühren auf dem Badparkplatz. "Es ging uns dort nicht vordergründig ums Geldverdienen." Ähnlich beim Anger: "Der war schon vor Geschäftsbeginn zugeparkt." Nachdenken könne man seiner Ansicht nach aber darüber, für Verkäuferinnen, die auch am Samstag arbeiten müssten, die Monatskarten bis dahin zu verlängern, damit sie nicht zusätzlich zahlen müssten.
Wolf-Rüdiger Benzel (Grüne) denkt an die finanzielle Situation der Stadt. "Sparen tut auch mal weh. Wir wussten, dass es Härtefälle geben wird", erläutert er und sieht im weiteren Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs eine Chance, die Situation der Arbeitnehmer zu verbessern. Unter Umständen könnte man auch über ein Park-and-Ride-Angebot an der Peripherie nachdenken.
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