Coburg
Klartext

Stuhlkreis im Alexandrinum mit Vertretern des ÖPNV

Im Rahmen unseres Zeitungsprojekts schrieben die 5.-Klässler am Alexandrinum Leserbriefe. Vertreter des ÖPNV stellen sich jetzt den Fragen der Schüler.
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Machten ihrem Ärger über den öffentlichen Nahverkehr Luft: Die Schüler der Klasse 5ce am Alexandrinum. Jetzt kamen Vertreter des ÖPNV in die Klasse und diskutierten mit den Jugendlichen.Klasse 5ce
Machten ihrem Ärger über den öffentlichen Nahverkehr Luft: Die Schüler der Klasse 5ce am Alexandrinum. Jetzt kamen Vertreter des ÖPNV in die Klasse und diskutierten mit den Jugendlichen.Klasse 5ce
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Was Meinungsfreiheit und Demokratieverständnis bedeutet, haben die Fünftklässler der 5ce am Alexandrinum erfahren dürfen. Der Frust über die Schulbussituation und Zugverbindungen hatten sie dazu veranlasst, im Rahmen unseres Zeitungsprojekts Klartext, eine Reihe von Leserbriefen zu formulieren, in denen sie ihrem Ärger Luft machten.
Beklagt wurden die engen Verhältnisse in den Bussen, die oftmals aufgeladene Atmosphäre, das Fahrverhalten mancher Busfahrer und die schlechten Verbindungen.

Die massiven Vorwürfe der Schüler nahmen sich die Verantwortlichen für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu Herzen und wandten sich an die Klassenlehrerin Heike Dorn. Sie boten an, ein Gespräch mit den Schülern zu führen und sich die Probleme aus erster Hand anzuhören. "Natürlich nehmen wir die Sorgen der Kinder ernst", sagte Frank Schäfer, zuständig für die Arbeitsgemeinschaft ÖPNV im Landratsamt Coburg, gegenüber dem Tageblatt.

Gesagt, getan. Zusammen mit Michael Bartl und Günter Engelhardt vom Omnibusverkehr Franken (OVF) besuchte er die 26 Fünftklässler in einer Unterrichtsstunde. Im Stuhlkreis stellten sie sich den Fragen der Schüler. Dabei erfuhren die Schüler von den Problemen der Verkehrsplaner, wurden informiert über Dienstpläne, Auslastung der Busse, Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer. "Es dauert 30 Minuten bis bei einem Ausfall ein Ersatzbus fahrbereit ist. Das war mir so nicht klar", sagt ein Schüler danach. Auch, dass ein Fahrer Rüpel im Bus nicht einfach rausschmeißen kann, sondern gegebenenfalls die Polizei rufen muss, war den Kindern so nicht klar.

Angesprochen wurde auch das Problem des Schienenersatzverkehrs. Die Schüler ihrerseits fragten eifrig nach und brachten konkrete Missstände aus ihrem Alltag vor, die sich die Planer auch notierten.
"Aus meiner Sicht fand die Frage- und Antwortrunde in einer sehr entspannten Atmosphäre statt. Die Schüler haben sich mit vielen Einzelfragen beteiligt, haben immer wieder noch einmal nachgefragt, so dass am Ende die Lehrerin sogar die Fragen begrenzen musste", sagt Frank Schäfer im Nachhinein.
Bei den Fragen ging es nur zu etwa 30 Prozent um Busse der OVF und die Zuständigkeit des Landratsamtes. Die restlichen Fragen drehten sich um Themen zu den Bahnstrecken der DB und der agilis GmbH sowie zu den Stadtbussen der SÜC. "Wir konnten, so glaube ich, viel Verständnis für bestimmte Probleme im ÖPNV erreichen und haben versprochen, die Fragen zu SÜC und Bahn, die wir nicht beantworten konnten, an die zuständigen Stellen weiterzugeben", betont Schäfer im Namen seiner Kollegen.

"Es wurde deutlich, dass sie die Beschwerden der Kinder nicht einfach abtaten, sondern bemüht waren einerseits Verständnis für die Schwierigkeiten der Verkehrsplanung zu erreichen und andererseits Abhilfe, wo es möglich ist, zu schaffen", freute sich Heike Dorn. Die ÖPNV-Vertreter forderten die Schüler auf, Ausfälle und Missstände im Busverkehr des Landkreises möglichst zeitnah an Frank Schäfer zu melden.
"Eine Anfrage zu einem überfüllten Bus (Linie 8319) werden wir im Nachhinein noch prüfen.
Ich denke, dass es sinnvoll ist, solch eine Unterrichtsveranstaltung öfter zu wiederholen - natürlich nicht zwingend im Alexandrinum, es gibt ja auch noch weitere Schulen in Stadt und Landkreis Coburg, deren Schüler den ÖPNV nutzen", bot Schäfer an. Möglicherweise werde von den Schulen auch eine Art Schulung für das Verhalten an Haltestellen und der Nutzung von Bussen (selbstverständlich mit einem Bus an einer üblichen Haltestelle) gewünscht.

"Sollte ein Bus einmal länger als eine halbe Stunde auf sich warten lassen, können Schüler oder Eltern im Landratsamt unter der Nummer 09561 514-326 Bescheid geben. Der Landkreis übernimmt dann sogar die Benzinkosten der Eltern oder die Taxikosten für den Transport der Kinder in die Schule", sicherte Frank Schäfer zu.

KOMMENTAR
von Christiane Lehmann
Note "Sehr gut"
Ein Paradebeispiel für praxisorientierten Unterricht lieferte jetzt Heike Dorn mit ihren Fünftklässlern der 5ec. Drei Wochen lang haben die Schüler das Coburger Tageblatt gelesen, sich mit den Themen der Region auseinandergesetzt, um schließlich selbst zum Stift zu greifen und eine ganze Reihe von Leserbriefen zu formulieren. Die Situation in den Schulbussen und Zügen hatte ihnen gewaltig gestunken. Ihre Wut und ihren Frust haben sie formuliert - und begründet. Ihre Meinung frei äußern zu können, die Möglichkeit zu haben, dies öffentlich in der Zeitung zu tun, hat die Kinder in ihrem Anliegen bestärkt: Sie wollten auf Missstände aufmerksam machen. Und prompt reagierten die Verantwortlichen des ÖPNV mit dem Angebot eines Runden Tisches. Den Worten folgten Taten und es dauerte nicht lange, da saßen die 26 Schüler zusammen mit drei Vertretern des Öffentlichen Personennahverkehrs im Stuhlkreis. Eine konstruktive Diskussion entbrannte. Die Kinder trugen ihre Erfahrungen vor, stellten Fragen und hörten sich die Erklärungen und Antworten an. Am Ende nahmen die ÖPNV-Männer einen Block voller Notizen mit. Sie versprachen sich zu kümmern und machten Angebote, wohin sich die Schüler bei Problemen wenden können. Was will man mehr?
Die Lehrerin hat alles richtig gemacht: Schüler motiviert und bestärkt. Die Kinder wissen jetzt, dass ihre Meinung wichtig ist und ernst genommen wird. Sie haben ganz bewusst eine Schnupperstunde in gelebter Demokratie erhalten. Frau Dorn, Sie haben einen guten Job gemacht. Genießen Sie Ihre Ferien!
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