Coburg
Medizin

Studieren in Split, praktizieren in Coburg: Erfolgsrezept für künftige Ärzte?

Die Medical School Regiomed soll dabei helfen, die medizinische Versorgung im Coburger Land langfristig zu sichern. Eine Studierende erzählt von den Vorteilen des Programms und von ihren spannenden Erfahrungen in Kroatien.
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Der weiße Arztkittel steht ihr bereits gut: Doch bevor sie als Medizinerin tätig werden kann (natürlich im Coburger Land!) nimmt Amelie Schwerdt den Umweg über Split.Foto: privat
Der weiße Arztkittel steht ihr bereits gut: Doch bevor sie als Medizinerin tätig werden kann (natürlich im Coburger Land!) nimmt Amelie Schwerdt den Umweg über Split.Foto: privat
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Amelie Schwerdt ist eine junge Frau mit klaren Zielen: "Ich will mit Herz und Leidenschaft Ärztin werden!" Das wisse sie spätestens seit ihrem Weltfreiwilligendienst, bei dem sie ein Jahr lang in einer Krankenstation in Tansania arbeitete. "Diese Zeit hat mich geprägt", erzählt die 21-jährige Coburgerin. Denn dort habe sie gelernt, welch gutes Gefühl es ist, kranken Mitmenschen zu helfen.

So vorbildlich dieser Gedankengang von Amelie Schwerdt allerdings auch sein mag: Ihr Notendurchschnitt von 1,9, den sie 2017 bei ihrem Abitur am Alexandrinum erreichte, liegt nicht im Numerus-Clausus-Bereich, um in Deutschland eine reelle Chance auf einen Medizinstudienplatz zu haben.Doch Amelie Schwerdt hat nicht nur bereits Einblicke bekommen, wie anderen Menschen geholfen werden kann: Sie ist in diesem Fall auch in der Lage gewesen, sich selbst zu helfen. Sie stieß auf die Medical School von Regiomed. "Das fand ich sehr interessant", sagt Amelie Schwerdt und meint damit zum einen die Zulassungsvoraussetzungen: Der Notendurchschnitt ist dort nämlich nicht vorrangig, um aufgenommen zu werden, sondern es zählen auch das soziale Engagement sowie bisherige Praktika und Auslandserfahrungen.

Drei Jahre theoretischer Teil

Zum anderen fand Amelie Schwerdt aber auch die Struktur eines Studiums an der Medical School reizvoll: Der theoretische Teil der medizinischen Ausbildung erfolgt drei Jahre lang an der Universität in Split. Wer jetzt aber unterstellt, dass Studierende in Kroatien vor allem das schöne Wetter genießen, der irrt (siehe dazu Interview unten) - genauso wäre es falsch zu glauben, dass es Amelie Schwerdt immer nur in die Ferne zieht. Genau das Gegenteil ist der Fall. Denn sie will eines Tages als Ärztin in ihrer Heimat tätig sein, im Coburger Land. Sie hat sich sogar dazu verpflichtet - und hatte dadurch auch das Glück, in den Genuss eines Stipendiums durch die HUK-Coburg zu kommen. "Die HUK möchte damit einen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Coburger Land leisten", erklärt Thomas von Mallinckrodt, Leiter der Unternehmenskommunikation. Denn die HUK habe ja ein großes Interesse daran, dass der Standort Coburg - auch für ihre Mitarbeiter - attraktiv bleibt.

Klare Ziele vor Augen

Attraktiver Standort? Da nickt Amelie Schwerdt. Wie sehr ihr Herz am Coburger Land liegt, sei ihr vor allem nach der Rückkehr aus Tansania bewusst geworden. "Als ich bei Kloster Banz und Vierzehnheiligen durch den Gottesgarten fuhr und dann kurz später auch noch die Veste gesehen habe, sind in mir richtige Heimatgefühle hochgekommen!" Sie möge ohnehin keine Großstädte, sagt sie. "Coburg hat eine schöne Zwischengröße!"

Bei der Frage, ob sie in Split manchmal Heimweh bekommt und zum Beispiel die Coburger Bratwurst vermisse, muss Amelie Schwerdt lachen: "Ich bin Vegetarier!" Aber sie sagt: "Den Geruch der Bratwurst und vor allem auch das Flair auf dem Coburger Marktplatz fehlt mir manchmal schon!" Gleichzeitig gibt sie offen zu, dass ihr gerade in der Anfangszeit in Split sehr wohl auch mal Zweifel gekommen seien, ob sie das Richtige macht. Doch inzwischen kann sie das mit einem entschiedenen "Ja" beantworten und hat auch weiterhin klare Ziele vor Augen: Nach den drei Jahren in Split folgt der - ebenfalls dreijährige - medizinische Ausbildungsteil in Coburg. Anschließend wird sich Amelie Schwerdt bereits Assistenzärztin nennen dürfen. Nach weiteren fünf Jahren Fachausbildung könnte dann entweder eine Arzt-Tätigkeit bei Regiomed beginnen oder aber der Traum von einer eigenen Arztpraxis wahr werden. Natürlich im Coburger Land.

INTERVIEW

In diesen Tagen beginnt für Amelie Schwerdt das zweite von insgesamt drei Jahren an der Universität in Split. Im Interview erzählt sie, wie es sich in Kroatien - übrigens komplett auf Englisch - studieren lässt. Coburger Tageblatt:

Wie gefällt es Ihnen in Split?

Amelie Schwerdt: Split ist eine wunderschöne Stadt. Aber außer dem südländischen Flair gefällt mir vor allem, dass die Menschen unfassbar offen sind. Alles ist auch deutlich entschleunigter als in Deutschland.

Entschleunigt - gilt das auch fürs Studium?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Druck ist deutlich höher. So gilt zum Beispiel bei sehr vielen Vorlesungen eine Anwesenheitspflicht. Aber auch strukturell ist das System anders als an den meisten Unis in Deutschland, an der Uni Split wird im Blocksystem gelehrt. Das bedeutet: Mehrere Wochen beziehungsweise Monate lang wird ein Fach ganz intensiv behandelt. Dadurch, dass es an der Medical School pro Jahrgang nur 60 Studierende sind - 30 aus Deutschland über Regiomed sowie 30 Internationale - ist außerdem eine sehr gute, individuelle Förderung jedes Einzelnen möglich.

Und wie sieht es mit dem klassischen Studentenleben aus?

Auch völlig anders! Wenn ich höre, was mir meiner Freunde erzählen, dann habe ich das Gefühl, die meisten Studierenden in Deutschland haben neben der Uni etwas mehr Zeit für Sport, einen Studentenjob oder zum Eintauchen in die Stadt, in der man lebt. Hier hingegen liegt der Fokus sehr stark auf dem Lernen.

Aber ein bisschen Geselligkeit gibt's hoffentlich trotzdem?

Wir haben hier eine sehr schöne Gemeinschaft, weil ja zum Beispiel von der Medical School niemand einfach mal am Wochenende schnell nach Hause fahren kann (Anmerkung der Redaktion: Mit dem Auto dauert es von Coburg nach Split zwischen 12 und 14 Stunden). Die Semesterferien im Frühjahr fallen in Split ebenfalls weg - insgesamt haben wir im Jahr dreieinhalb Monate frei, in denen wir Zeit in unserer Heimat verbringen können.

Gibt es eine spezielle Fachrichtung, für die Sie sich interessieren?

Eigentlich wollte ich immer in Richtung Gynäkologie gehen. Inzwischen finde ich allerdings auch die Neurologie sehr spannend. Zunächst einmal konzentriere ich mich aber sowieso auf die Allgemeinmedizin und werde dann nach dem medizinischen Teil der Ausbildung sowohl Erfahrungen im Krankenhaus als auch in Praxen sammeln.

Am Montag kommen die ersten Split-Absolventen nach Coburg zurück

Hintergrund Mit allerhand Maßnahmen wird von Seiten der Kommunen im Coburger Land versucht, eine gute medizinische Versorgung in der Region auch langfristig sicherzustellen. Ein wichtiger Baustein ist die 2016 gegründete Medical School von Regiomed. Dabei handelt es sich um ein sechsjähriges Studienprogramm in Kooperation mit der Universität im kroatischen Split. Die ersten drei Jahre verbringen die Studierenden an der Universität Split und erwerben dort die vorklinischen Grundlagen, bevor sie für die drei weiteren Studienjahre an die Regiomed-Kliniken nach Oberfranken und Südthüringen zurückkehren, um dort den klinischen Abschnitt abzuschließen. Eine enge Bindung an die Kliniken der Region soll dafür sorgen, dass sich am Ende der Studienzeit möglichst viele Absolventen für eine Anstellung bei Regiomed entscheiden. Unter den Studierenden sind auch Stipendiaten, bei denen eine anschließende Tätigkeit im Coburger Land sogar die Grundvoraussetzung für die Übernahme der Studiumskosten sind. Weitere Infos gibt es unter www.regiomed-kliniken.de/studieren-bei-regiomed Abschied und Begrüßung 2019 startet die Medical School in das viertt Jahr ihres Bestehens. In der vergangenen Wochen wurden 30 junge Frauen und Männer, die in das Programm aufgenommen wurden, von Coburg aus nach Split verabschiedet. Gleichzeitig ist vor wenigen Wochen für den ersten Jahrgang der theoretische Ausbildungsteil zu Ende gegangen. Sie werden am kommenden Montag offiziell bei Regiomed begrüßt, wo sich nun der klinische Ausbildungsteil anschließt.

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