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Neuses
Bebauung

Streit in Neuses: Landschaftsschutz oder Wohnungsbau?

Der Bürgerverein des Coburger Stadtteils Neuses wünscht sich neue Wohnhäuser am Fuße des Goldbergs und hofft auf den Zuzug junger Familien. Die Anwohner wollen die Landschaft erhalten.
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Es ist schön, in der Idylle am Goldberg zu wohnen. Der Bürgerverein aber fürchtet, dass Neuses zunehmend überaltert, wenn im Stadtteil nicht mehr Wohnraum angeboten wird. Wohnbebauung an dieser Stelle könnte seiner Ansicht nach die Lösung sein. Foto: Helke Renner
Es ist schön, in der Idylle am Goldberg zu wohnen. Der Bürgerverein aber fürchtet, dass Neuses zunehmend überaltert, wenn im Stadtteil nicht mehr Wohnraum angeboten wird. Wohnbebauung an dieser Stelle könnte seiner Ansicht nach die Lösung sein. Foto: Helke Renner
"Wir haben das Gefühl, dass der Stadtteil Neuses Stück für Stück in Vergessenheit gerät", sagt Michael Geyer. Er ist Vorsitzender des Elternbeirats der Grundschule in Neuses und erinnert sich noch gut an die Diskussion um den Erhalt der Bildungseinrichtung vor zwei Jahren. Nun geht es also um ein mögliches Baugebiet am Fuße des Goldbergs, vis-à-vis der Straße Am Steinicht. Der Bürgerverein und der Elternbeiratsvorsitzende wünschen sich, dass dort gebaut werden darf.

Die Anwohner wehren sich dagegen. Die Stadt hat bisher noch keine Entscheidung getroffen. Nur so viel: Die jüngste Version des Flächennutzungsplans (FNP) aus dem Jahr 2003 lässt Wohnbebauung zu. Stadträtin Petra Schneider (SPD) hatte 2012 den Antrag gestellt, das Gebiet in eine Grünfläche umzuwandeln. Dieser Antrag ruht, denn der FNP soll völlig neu aufgestellt werden.

Aus diesem Grund will sich der Bürgerverein schon einmal zu Wort melden. "Wir sind der Meinung, dass eine Wohnbebauung in dem besagten Gebiet gut für Neuses wäre. Denn der Stadtteil ist überaltert, die Schülerzahlen sind rückläufig. Und dass die Firma Schlücke schließen musste, war ein herber Rückschlag für uns", sagt Bürgervereins-Vorsitzender Manfred Meyer. Einem möglichen Vorwurf, er handle als Vertreter einer Bauträger-Firma in eigenem Interesse, stellt er dagegen: "Mir ist es gleich, wer da baut, Hauptsache, es wird gebaut." Das sei auch die Meinung der anderen Mitglieder des Bürgervereins. Bei einer Zusammenkunft Anfang Mai hatten sie festgehalten: Es besteht in Neuses ein erheblicher Bedarf an Wohnraum und dem könne durch Neubauten gegengesteuert werden.

Ideal für Familien mit Kindern

Dem stimmt auch Bianca Nestmann, Bewohnerin von Neuses und Kinderbeauftragte der Stadt, zu: "Es gibt hier viel Gewerbe, aber viel zu wenig Wohnraum. Die Nachfrage von außen ist jedoch riesig. Und gerade die Lage am Steinicht ist ideal für Familien mit Kindern."

Doch nicht alle Grundstückseigner der in Frage kommenden Flächen wollen ihr Land verkaufen. Für Manfred Meyer ist das kein Problem. Die Hälfte des Areals würde seiner Ansicht nach als Wohngebiet ausreichen. "Zehn bis zwölf Baurechte für Grundstücke mit einer Größe von 700 bis 750 Quadratmetern könnten vergeben werden. In anderen Stadtteilen werden viel mehr erteilt." Harald Griebel, Mitglied des Bürgervereins, weist noch einmal darauf hin, dass Neuses aus seiner Sicht ein vergessener Stadtteil ist: "Ich erinnere mich daran, dass Oberbürgermeister Norbert Kastner einst versprochen hat, dass am Neuseser Berg Wohnungen gebaut werden. Und wie sieht es heute damit aus?"

Langer Planungsprozess

Manfred Meyer setzt indessen auf eine Zusammenkunft der "Stadtspitzen", die es in der nächsten Woche geben soll und bei der wohl auch der Flächennutzungsplan thematisiert wird. Diese Erwartung muss Dritter Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann (CSB) enttäuschen. Er bestätigte zwar, dass es am Montag eine Referentenrunde gebe, aber da werde nicht über den FNP entschieden. "Die Ziele des Flächennutzungsplan legen doch nicht die Amtsleiter fest.

Das ist ein langer Prozess, der in der Regel zwei Jahre dauert." Ob die Fläche am Fuße des Goldbergs Bauerwartungsland, Baugebiet oder nichts von beidem wird, werde mit allen Beteiligten diskutiert - im Übrigen auch mit dem Bürgerverein. Vor dem nächsten Jahr sei damit aber nicht zu rechnen. Danach gehe das Thema durch alle Gremien, also die Senate, und schließlich in den Stadtrat. Am Ende müsse auch die Regierung von Oberfranken ihre Zustimmung geben. In die Bürgerbeteiligung einbezogen werden auch die Anwohner der Straße Am Steinicht. Und die wollen die Bebauung nicht. Deshalb hatten sie zu Beginn des Jahres eine Unterschriftensammlung initiiert und etwa 400 Unterzeichner zusammenbekommen.

"Wir haben dann abgebrochen, weil der Antrag auf den Bau der Wohnhäuser zurückgezogen wurde und weil uns der Dritte Bürgermeister mitgeteilt hat, dass der Flächennutzungsplan neu aufgestellt wird. Aber wir können zu jeder Zeit weitermachen", sagt einer der Anwohner, der ungenannt bleiben möchte.

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