Coburg
Ausstand

Streik legt Stadtbusverkehr in Coburg lahm

Um die Forderung nach mehr Lohn zu unterstreichen legte am Freitag ein Großteil der SÜC-Busfahrer in Coburg die Arbeit nieder.
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Die streikenden Busfahrer haben sich an der Zufahrt zum SÜC-Werksgelände in der Uferstraße postiert.  Foto: Ulrike Nauer
Die streikenden Busfahrer haben sich an der Zufahrt zum SÜC-Werksgelände in der Uferstraße postiert. Foto: Ulrike Nauer
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Dort, wo die Stadtbushaltestellen mit digitalen Anzeigetafeln bestückt sind, wird gut sichtbar darauf hingewiesen, dass an diesem Freitag kein Linienbus fahren wird. An den übrigen Bushaltestellen im Einzugsgebiet warten vereinzelt Menschen auf den Bus - vergebens. Dass die Gewerkschaft Verdi die Busfahrer, die nach dem Tarif des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) bezahlt werden, für diesen 28. Juli kurzfristig zum Warnstreik aufgefordert hat, ist trotz Zeitungsberichten, Internet- und Radiomeldungen nicht überall angekommen.
"Wir haben gut 300 Haltestellen im Netz", sagt der Leiter der SÜC-Verkehrsbetriebe, Raimund Angermüller dem Tageblatt. Es sei personell nicht möglich gewesen, an all diesen Haltestellen Hinweise anzubringen. Von den 75 Busfahrern, die bei den SÜC arbeiten (zwei Drittel werden nach LBO-Tarif bezahlt), sind am Freitagmorgen gerademal 14 zum Dienst erschienen. "Dazu haben wir auch noch Urlaubszeit und ein paar kranke Kollegen, das ist heute alles sehr eng."
Den Schulbusverkehr am letzten Schultag vor den großen Ferien wickelten die verbliebenen Fahrer noch ab, so gut es ging. Nach der Mittagszeit wurde der Linienverkehr komplett eingestellt. "Wir bedauern, dass es zu dem Streik gekommen ist", sagt Angermüller. Beschwerden habe es am Vormittag kaum gegeben, eher Informationsbedarf. Am heutigen Samstag werde voraussichtlich alles wieder normal laufen, so der Betriebsleiter.


Trillerpfeifen und Transparente

Auch Gewerkschaftssekretärin Tina Krause bedauert, dass der Streik ausgerechnet die Fahrgäste trifft. "Das tut uns leid, aber wir haben keine andere Möglichkeit." Seit dem frühen Morgen befinden sich die Busfahrer im Ausstand, machen vor dem SÜC-Werkseingang in der Uferstraße ihrem Ärger Luft - mit Trillerpfeifen und Transparenten. "Privatisierungspolitik - wir zahlen die Zeche", steht da zum Beispiel - oder: "Leistung kostet - Sparen mindert Qualität". An einigen Bushaltestellen in der Stadt hat Verdi als "Fahrgast-Information" Handzettel angebracht: Unter der Überschrift "Weißt Du eigentlich, wie viel ein Busfahrer verdient?" wird vorgerechnet, wie sich der Bruttolohn von 2117,56 Euro für einen neu eingestellten Busfahrer, beziehungsweise 2313,44 Euro für einen "Erfahrenen" errechnet (siehe auch Infokasten rechts unten).
Die Forderung von Verdi, den LBO-Fahrern jährlich einen Euro mehr pro Stunde auf den Grundlohn zu zahlen, klingt da vielleicht nicht viel, "ist aber dramatisch wichtig", betont Tina Krause. Das jüngste Angebot des LBO liege deutlich unter dieser Forderung: für Fahrer im ersten Beschäftigungsjahr zum Beispiel bei 1,16 Euro - allerdings gestückelt auf 39 Monate. "Bedenken Sie, welch wichtigen Dienst Busfahrer leisten. Man hat ja heute in Coburg gesehen, was passiert, wenn die Busse nicht fahren", sagt die Gewerkschaftssekretärin.
"Der eine Euro ist sehr wichtig für die Kollegen - Essen, Wohnung, alles wird immer teurer. Da muss der Lohn auch steigen!" Der Grundlohn eines Busfahrers im LBO sei wesentlich niedriger als im öffentlichen Dienst, betont Krause. Je nach Gehaltsgruppe bedeute das bis zu 400 Euro Unterschied. "Das heißt, in Coburg sind Busfahrer unterwegs, die 400 Euro weniger verdienen als ihre Kollegen." Man könne sich denken, dass sich das nicht eben positiv auf die Motivation auswirke, sagt Krause. "Man muss schauen, dass die Leute den Lohnanschluss halten. Wir können nur an die Solidarität der Menschen appellieren, die jeden Tag Bus fahren wollen." Streik sei ein Grundrecht, das müsse man den Arbeitgebern imer wieder klar machen - aber auch den Wartenden an den Bushaltestellen.

Darum geht es

Tarifkonflikt Die SÜC-Busfahrer werden nach zwei unterschiedlichen Tarifverträgen entlohnt. Wer schon vor 1999 bei den SÜC beschäftigt war, zu Zeiten des städtischen Verkehrsbetriebes, wird nach dem Tarifwerk TV-N im öffentlichen Dienst bezahlt. Rund 50 der 75 Busfahrer werden aber nach dem ungünstigeren Tarifvertrag des Landesverbandes bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) bezahlt, da sie beim Eigenbetrieb SÜC angestellt sind.

Forderung Bei der Tarifverhandlung über die Löhne im privaten Omnibusgewerbe in Bayern hat Verdi einen Euro pro Stunde mehr Grundlohn mit einer Laufzeit von zwölf Monaten, die Erhöhung der Sonderzuwendung um 250 Euro und die Anerkennung der Berufsjahre im Fahrdienst gefordert.

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