Seßlach
Porträt

Stimmkreis Coburg: Martin Mittag will das Direktmandat für die CSU

Der 36 Jahre alte Martin Mittag geht als Nachfolger von Jürgen W. Heike für die CSU ins Rennen.
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Ein Vertreter der jungen Generation, aber auch mit politischer Erfahrung:  Der Seßlacher Bürgermeister Martin Mittag sitzt seit  2008 im Coburger Kreistag und ist seit 2015 Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Coburg-Land.Berthold Köhler
Ein Vertreter der jungen Generation, aber auch mit politischer Erfahrung: Der Seßlacher Bürgermeister Martin Mittag sitzt seit 2008 im Coburger Kreistag und ist seit 2015 Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Coburg-Land.Berthold Köhler

Martin Mittag gibt sich keinen großen Illusionen hin. Für ihn ist im Gegensatz zu nahezu allen CSU-Erststimmenkandidaten in Bayern der Einzug in den bayerischen Landtag kein Selbstläufer. "Der Kampf ums Coburger Direktmandat", sagt der Seßlacher Bürgermeister, "ist nicht vergleichbar mit dem Rest von Bayern." Mittag kann sich jedenfalls nicht vorstellen, dass das Rennen irgendwo so eng ist wie im Coburger Land.

Deshalb hat Martin Mittag in den vergangenen Wochen an seinem Bekanntheitsgrad gearbeitet. Klar kennt in Seßlach und Umgebung den Sprössling aus dem Reinwand-Wirtshaus schon lange jeder, in Neustadt sieht das aber anders aus. Seit der Faschingszeit ist der CSU-Kandidat deshalb im Landkreis unterwegs gewesen, weil er weiß: "Es ist das A und das O, dass die Leute wissen, wen sie wählen." Am Ende des Wahlkampfes will der 36-Jährige in jeder Landkreiskommune mindestens einmal bei einer Wahlveranstaltung zu Gast gewesen sein. Das bedeutet in der Praxis: Fast jeden Tag eine Veranstaltung im Wahlkampfendspurt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand noch mehr unterwegs ist", sagt Mittag voller Überzeugung.

Keine leichte Entscheidung

Natürlich bringt die Kombination aus Bürgermeisterjob und Landtagskandidatur Stress mit sich. Aber unter einen Hut bringen lassen sich beide Herausforderungen, versichert Martin Mittag mit einem fast entspannten Grinsen: "Man muss halt früh nur eher anfangen und abends später aufhören." Ein gehöriger Teil des Jahresurlaubs geht in der heißen Wahlkampfphase natürlich flöten, denn eine Sache versteht sich für Mittag von selbst: "Das Amt des Bürgermeisters und den Wahlkampf muss man strikt trennen."

Natürlich kommt der CSU-Kandidat um eine Antwort nicht herum: Warum zieht es ihn nach vier Jahren im Amt des Bürgermeisters nach München? Leicht, sagt Mittag sofort, sei ihm die Entscheidung zur Kandidatur nicht gefallen: "Es ist ja nicht so, dass ich froh bin, aus Seßlach wegzukommen." Aber die Chance, einen Vertreter der jungen Generation in den Landtag zu entsenden sei halt einmalig - nicht nur für ihn, sondern für die gesamte Region. Es sei der richtige Zeitpunkt für einen Generationswechsel bei der Landkreis-CSU, sagt der seit 2014 amtierende Bürgermeister. Und er legt Wert auf die Feststellung, dass der Übergang innerhalb der Partei reibungslos verlief: "Jürgen W. Heike hat den Generationswechsel persönlich eingeleitet. Seine Unterstützung ist groß. Das gibt Auftrieb."

Infrastruktur, der Erhalt der kleineren Schulstandorte, Digitalisierung oder die hausärztliche Versorgung - Martin Mittag nennt schnell viele Themenfelder, die er als Abgeordneter beackern will. Ganz oben auf der Liste steht für den 36-Jährigen der ländliche Raum. In München neige man nämlich parteiübergreifend schon gerne dazu, die Bedeutung der Kommunen im Norden des Landes zu unterschätzen. "Dabei", betont Martin Mittag, "gibt es ein erfolgreiches Bayern nur mit dem ländlichen Raum." Da wolle er eine Stimme sein, die das immer wieder mal laut sage.

Auch wenn sich Mittag seit gut 20 Jahren für die (Junge) Union engagiert, findet er derzeit nicht alles gut, was da in München und noch mehr in Berlin läuft. "Definitiv ein Problem" ist es für den CSU-Spitzenkandidaten aus dem Coburger Land, dass die Bundespolitik derzeit stark in den Landtagswahlkampf wirkt. Da brauche es Überzeugungsarbeit beim Wähler, sagt Mittag: "Denn Bayern ist zurecht der Spitzenreiter unter den Bundesländern."

Eine Wahl, fünf Themenfelder - und was sagt Martin Mittag dazu?

Welche Ideen haben Sie, um Wohnen für alle in Bayern bezahlbar zu machen? - Die Schaffung von neuen Sozialwohnungen, besonders auch in Bestandsgebäuden muss angegangen werden. Aber auch auf Seiten der Vermietung muss sich etwas tun: Vereinfachte und reduzierte Auflagen für Vermieter im Bereich der Leerstände und Zuschüsse im Rahmen einer Wohnbausanierung sind ein guter Anfang, durch den die Mietpreise im Rahmen gehalten werden können.

FWie wollen Sie Eltern bei der Kinderbetreuung unterstützen/entlasten? - Eltern müssen für ihre Kinder und Familien frei entscheiden können, wie und ab wann Betreuung durch Kitas stattfinden soll. Eine flexible Einteilung der Betreuung muss einfacher möglich sein, die Suche nach einem Betreuungsplatz muss durch Schaffung weiterer Einrichtungen bzw. durch Erweiterung bestehender Institutionen erleichtert werden. Auch finanziell bedarf es Unterstützung: Das Familiengeld darf nicht auf weitere Leistungen angerechnet werden.

Welche Maßnahmen können Sie sich gegen die zunehmenden Flächenversiegelung in Bayern vorstellen? - Auf jeden Fall müssen die Ausgleichsflächenregelungen überprüft werden. Fördermittel, die sich auf die Devise "Innen vor Außen" stützen müssen ausgebaut und leichter zugänglich gemacht werden. Auch sollte man über die Mehrfachnutzung bei Neubauten nachdenken, z.B.: Ein Ärztehaus mit integrierter Apotheke, einem Café und Wohnraum.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf, um das Coburger Land als Wirtschaftsregion zu stärken? - Sowohl im Bereich der Digitalisierung und der Verbesserung der Infrastruktur, als auch bei der Förderung innovativer Wirtschaftsideen dürfen wir im Coburger Land nicht stehen bleiben. Auch müssen wir unsere Jugendlichen von der tragenden Rolle der Wirtschaftsregion Coburg überzeugen: Die Zusammenarbeit mit den Schulen, eine starke Ausbildungsquote und zukunftsträchtige Berufe sichern uns den zukunftsweisenden Rohstoff: Bildung.

Der Ton in der Politik ist rauer geworden: Was wollen Sie für mehr "Anstand" unternehmen? - Anstand in der Politik

Der Ton wird von den Menschen gemacht - und wie heißt es so schön: "Wie man in den Wald schreit..." Nur wer mit gutem Beispiel voran geht, wird auch etwas daran ändern können. Mit Nachdruck argumentieren - ja, mit lautstarken Anfeindungen - nein. In der Politik sollte es um die Sache gehen und nicht um persönliche Befindlichkeiten.

Foto: Berthold Köhler



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