Coburg
Albertsplatz

Stimmen Sie ab! Bratwurstbude - ja oder nein?

Zwei CSU-Stadträte haben beantragt, dass es künftig wieder eine Bratwurstbude auf dem Coburger Albertsplatz geben soll - viele finden diesen Vorstoß gut, inzwischen melden sich aber auch schon Kritiker zu Wort.
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So könnte nach den Vorstellungen des Vereins der Altstadtfreunde eine neue Bratwurstbude für den Coburger Albertsplatz aussehen.
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Die Ketschenvorstadt wird saniert - und liefert dabei immer neuen Diskussionsstoff. Nachdem es im vergangen Jahr vor allem darum ging, ob das Ketschentor baulich verändert werden soll oder nicht, ist in den vergangenen Tagen der Albertsplatz und das Thema Bratwurstbude (wieder) aufgekommen.

Die Ausgangslage ist klar: Seit zig Jahren gab es auf dem Albertsplatz eine Bratwurstbude. Doch während der Bauarbeiten musste sie umziehen - auf den Anger, vor die dortige Dreifachturnhalle. Weil demnächst erneut die Ketschengasse gesperrt werden muss, ist eine Rückkehr der Bude frühestens für 2013 angedacht - wenn überhaupt.

Friederike Werobél und Jürgen Oehm (beide CSU) haben vergangene Woche einen Stadtratsantrag eingebracht, wonach es künftig auf jeden Fall wieder eine Bratwurstbude auf dem Albertsplatz geben soll. Eine Bude, die als Treffpunkt dient und zur Belebung des Platzes beiträgt.

Am Wochenende nun meldete sich aber auch die Gegenseite zu Wort, in Person des Hausbesitzers Werner Weiß. Er gibt zu bedenken, dass er die Fassade seines denkmalgeschützten Hauses Albertsplatz 5/5a vor allem auch deshalb aufwändig saniert habe, weil ihm zugesichert worden sei, dass es künftig keine Bratwurstbude mehr auf dem Albertsplatz gibt. Um so mehr hat ihn der CSU-Antrag aufgeschreckt. In einem Leserbrief, den das Tageblatt am Samstag abgedruckt hat, verwies Weiß auf das Bundesimmissionsschutzgesetz und fürchtet, dass ihm eine Bratwurstbude in Bezug auf Fett, Ruß, Rauch und Feinstaub die schön sanierte Fassade zerstört.

Den Befürwortern einer Bratwurstbude ist die Feststellung wichtig, dass keinesfalls die "alte", sprich die bisherige Bratwurstbude wieder aufgestellt werden soll. Wünschenswert sei vielmehr eine optisch ansprechende Lösung, etwa im Stil des Münchner Viktualienmarkts.
Die Gegner einer Bratwurstbude räumen ein, dass sie die Coburger Spezialität ja nicht komplett vom Albertsplatz verbannen wollen. Denkbar wäre etwa, in einem Haus eine Bratwurstbraterei zu integrieren.

Wir wollen jetzt Ihre Meinung wissen:




Der CSU-Antrag im Wortlaut:

"Betr.: Errichtung eines für Coburg typischen Bratwurststandes am Albertsplatz
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, zur kommenden Stadtratsitzung bitten wir, über folgenden Antrag durch den Stadtrat zu beschließen: Die Verwaltung wird beauftragt, die organisatorischen und finanziellen Bedingungen für die Aufstellung und Betrieb eines Bratwurststandes am Albertsplatz zu prüfen und dem Stadtrat zur weiteren Entscheidung vorzulegen.
Begründung: Für viele Coburger Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste Coburgs wird es den Albertsplatz mehr beleben, wenn dort wieder eine Bratwurstbude betrieben wird.
Die Coburger haben mit ihrem Wunsch - mehrere tausende Unterschriften - den Ruf nach Wiederaufstellung der Bratwurstbude untermauert.
Wir bitten Sie sehr, diesem Wunsch stattzugeben."

Der Leserbrief von Werner Weiß im Wortlaut:

"Die Koinzidenz von Faschingszeit und dem CSU-Antrag auf Reinstallation der Bratwurstbude am Albertsplatz ließe auf einen verspäteten Faschingsscherz schließen, wenn nicht dem Antrag eine gewisse Ernsthaftigkeit innezuwohnen schiene. Vorsorglich trete ich im Konsens mit Anwohnern und unmittelbar betroffenen Geschäftsleuten diesem populistischen Schaufenster-Antrag mit aller Entschiedenheit entgegen.
Obwohl sich besonnene CSU-Stadträte von dem anachronistischen Wunschdenken distanzieren, nämlich auf dem modern gestalteten Platz wieder einen Fremdkörper "Bratwurstbude" (in welchem Design auch immer!), zu etablieren, tanzen die zwei Antragsteller, Frau Werobél und Herr Oehm, auf Wählerstimmen schielend aus der Reihe. Sie wecken bei den nur noch wenigen Bratwurstbuden-Befürwortern bewusst (?) nicht erfüllbare Erwartungen. Denn zumindest die Juristen in ihren Reihen müssten wissen, dass der Betrieb des fest installierten Bratwurststandes eindeutig gegen das BImSchG (Bundesimmissionsschutzgesetz) und dessen neuer Verordnung verstößt. Beide lassen weder ein Gewohnheitsrecht noch eine andere Extrawurst für die zur Tradition hochstilisierten Bratwurstbude zu. Dass die illegale, den restriktiven EG-Normen und den Umweltschutz- Richtlinien widersprechende Wurstbraterei jahrzehntelang (klaglos!) hingenommen worden war, ist nur der - allerdings arg strapazierten - Toleranz bisher nicht Klage führender Anwohner geschuldet.
Nur im festen Vertrauen auf die Zusage der Stadt, dass die Bude nach der Neugestaltung des Albertsplatzes endgültig der Vergangenheit angehört, wurde der Verbleib der Bude seitens der Anwohner bis zur Umgestaltung des Platzes toleriert, wurden die (trotz Filter!) durch die Immissionen (Fett, Ruß, Rauch, Feinstaub) stark in Mitleidenschaft gezogenen Fassaden der Häuser Albertsplatz 5/5a mit weit über 100 000 Euro aufwendig restauriert, und ist in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg zur Attraktivierung des Platzes die Einrichtung eines Cafés im Haus Albertsplatz 5a beschlossen worden.
Es wäre ratsam, wenn die Antragsteller - um den rein populistischen Stallgeruch abzustreifen - genau so öffentlich wie Sie mit ihrem unbedachten Antrag vorgeprescht sind, sich ebenso öffentlich eingestehen würden, dass die Reinstallation der Bratwurstbude am Albertsplatz weder rechtlich noch politisch durchsetzbar ist.
Im übrigen bin ich in diesem Fall mit OB Kastner einig, wenn "die Bratwurstbude nur über seine Leiche" am Albertsplatz wieder aufersteht und bin mir sicher, dass uns kein gemeinsamer Exitus Richtung Glockenberg ereilen wird.
Übrigens: Die Gemeinschaft Stadtbild Coburg hält eine freistehende Bude am Albertsplatz untere anderem aus städtebaulich-gestalterischen Gründen ebenfalls für nicht mehr vertretbar."
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