Witzmannsberg
Naturschauspiel

Staunen im Kreis Coburg: Da wurde mächtig Staub aufgewirbelt

Ein mehrere Hundert Meter hoher Luftwirbel sorgte am Freitag für offene Münder in Witzmannsberg. Drei Minuten tanzte er über die Flur.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Staubteufel rast über Felder bei Witzmannsberg. Foto: Jessica Bohlein
Der Staubteufel rast über Felder bei Witzmannsberg. Foto: Jessica Bohlein
+2 Bilder

Die Feiergesellschaft - Familie, Freunde und Handwerker - war auf den Bierbänken im Rohbau gerade enger zusammengerückt, da war die Freude über die Fortschritte am Eigenheim, die beim Richtfest gewürdigt wurden, plötzlich nur noch Nebensache. Ein Blick aus dem Panoramafenster des künftigen Wohnzimmers sorgte bei Bauherr Patrick Griebel, seiner Frau Julia und den anderen Festgästen für Sprachlosigkeit.

Nicht die Aussicht, die an guten Tagen bis zum Staffelberg und darüber hinaus reicht, war es, die den Anwesenden den Atem raubte, sondern ein riesiger Luftwirbel, der sich von Watzendorf aus über die Felder seinen Weg Richtung Witzmannsberg bahnte. "Zuerst haben wir uns nichts dabei gedacht, weil einige Landwirte unterwegs waren und gegrubbert haben. Das hat auch viel Staub aufgewirbelt. Aber dann wurde die Wolke immer größer und nach oben gesogen. Da war uns klar, dass das nicht von den Bauern kommen kann", berichtet Julia Griebel. "Und plötzlich war dieses Ding da, echt krass", ergänzt Festgast Jessica Bohlein, die geistesgegenwärtig das Smartphone zückte und das Schauspiel im Foto festhielt.

Eher fasziniert als nervös

Drei bis vier Minuten habe sich die Verwirbelung behäbig über die Flur bewegt, "dann hat sie sich bei einer Baumgruppe wieder aufgelöst", sagt Patrick Griebel, der - wie die restliche Richtfest-Gesellschaft - eher fasziniert als nervös war, aber wissen will, um was es sich gehandelt hat.

Von herumfliegenden Landmaschinen, wie sie Hollywood bei Tornado-Filmen bildgewaltig in Szene setzt, waren die Witzmannsberger - so viel sei verraten - weit entfernt. "Bei dem beobachteten Wirbelwind handelt es sich um einen so genannten Staubteufel", erklärt Meteorologe Stefan Ochs aus Herzogenaurach. In der Fachsprache ist die Rede von einer Kleintrombe - ein Tornado wäre eine Großtrombe -, die bei einer bodennahen Überhitzung der Atmosphäre entstehen kann.

Kann Orkanstärke erreichen

Wie bei Wikipedia nachzulesen ist, lösen sich dabei Thermikblasen vom Boden ab, welche beim raschen Aufsteigen eine vorhandene schwache Rotation der Luft durch Streckung des Wirbels konzentrieren können. Aufgrund der Drehimpulserhaltung nimmt dabei die Windgeschwindigkeit durch den Pirouetteneffekt rasch zu.

In Extremfällen kann ein Staubteufel demnach also auch Orkanstärke erreichen und damit Sach- oder Personenschäden zur Folge haben. Die Ausdehnung einer Kleintrombe ist sehr unterschiedlich - von 50 Zentimetern Durchmesser bis hin zu rund 200 Metern Breite und mehreren Hundert Metern Höhe sind sämtliche Größenordnungen möglich. Die Lebensdauer liegt laut Wikipedia zwischen wenigen Sekunden und rund einer halben Stunde.

Kleintromben treten dort am häufigsten auf, wo durch starke Sonneneinstrahlung trockenlabile Bedingungen erreicht werden, vor allem in Wüstengebieten. In den mittleren Breiten sind sie am ehesten in der warmen Jahreszeit über offenen Landflächen (unbewachsene Äcker, abgemähte Wiesen, Sportplätze oder Ödland) anzutreffen.

Bei der Ortsbegehung auf der Flur rund um den Ulrichsstock wird deutlich, dass der von den Griebels und ihren Gästen beobachtete Wirbelwind eine harmlose Erscheinung war, tatsächlich hat er auf den Feldern zwischen Watzendorf und Witzmannsberg nur eine Menge Staub aufgewirbelt. Bei näherer Betrachtung könnte sich der Staubteufel in der Nähe des Teufelssteins bei Watzendorf gebildet haben. Zufall?



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren