Laden...
Lautertal
Generalsanierung

Start für Millionenprojekt in Neukirchen

Die Jugendbildungsstätte in Neukirchen stand kurz vor dem Aus. Mit einer neuen Trägerschaft kommt frisches Geld – das ist dringend nötig. Die Einrichtung ist in die Jahre gekommen und soll nun generalsaniert werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Arche vor der Jugendbildungsstätte Neukirchen steht für Modernität und Nachhaltigkeit. Beides fehlt dem Hauptgebäude (hinten rechts) - das wollen die Verantwortlichen im Laufe der nächsten Jahre ändern.  Foto: Berthold Köhler
Die Arche vor der Jugendbildungsstätte Neukirchen steht für Modernität und Nachhaltigkeit. Beides fehlt dem Hauptgebäude (hinten rechts) - das wollen die Verantwortlichen im Laufe der nächsten Jahre ändern. Foto: Berthold Köhler
+2 Bilder

"Als ich mit 13 Jahren als Konfirmandin hier war, sah es genauso aus wie jetzt. Das Gebäude passt einfach nicht mehr in die Zeit – als wäre es eingefroren." Wenn Anja Keyser über ihren Arbeitsort spricht, schwingt gelegentlich etwas Resignation mit.

Die 34-jährige ist leitende Pädagogin an der Jugendbildungsstätte Neukirchen und beklagt den Renovierungsrückstand des Gebäudes – nach der Erbauung im Jahr 1976 habe keine größere Maßnahme stattgefunden. Das soll sich nun ändern: Mit Beginn dieses Jahres übernahm die Evangelische Landeskirche in Bayern (ELKB) die Trägerschaft der Einrichtung und plant nun eine Generalsanierung – die ist auch aus Sicht Keysers dringend notwendig: "Man sieht an allen Ecken und Enden, dass etwas geschehen muss – das merken manchmal auch die Gäste."

Nadja Häupl, Bauherrenvertretung der ELKB teilt diese Meinung: "Das Gebäude ist komplett abgelebt." Die Architektin weist jedoch auch darauf hin, dass zum Bauzeitpunkt sehr solide gearbeitet worden sei. Das alte Tragwerk könne deshalb für die Sanierung verwendet werden.

Hohe Investitionen

Ansonsten gebe es viel zu tun – das erfordere einen großen Kostenaufwand: "Stand jetzt liegen die geplanten Baukosten - inklusive Nebenkosten – bei knapp zehn Millionen Euro", teilt Häupl mit. Davon werde ein Teil des Dachs erneuert – eine Photovoltaikanlage soll drauf Platz finden. Die Leistung von 30 Kilowatt sei nur für den Eigengebrauch vorgesehen – eine Rückspeisung ins Netz werde nicht geplant. "Die gesamte Haustechnik wird zudem modernisiert", führt Häupl weiter aus. Auch die Außenhülle werde runderneuert. Auf die Dämmung mit Mineralwolle komme eine naturbelassene Holzverschalung. "So wird das Gebäude optisch zu einem Teil der Landschaft – die Energieeffizienz gebietet die Nachhaltigkeit."

Letztere wird bei dem Projekt generell groß geschrieben: "Wir wollen den Jugendlichen ein gutes Beispiel geben, wie man im Einklang mit der Umwelt leben kann", sagt Keyser. Deshalb werde künftig auch nur noch mit Hackschnitzeln geheizt. Dafür sei ein Hackschnitzellager mit zwei Kesseln abseits des Gebäudes geplant. Das werde künftig mit Abfallholz aus den umliegenden Wäldern gespeist.

Auf dem "Fußabdruck" des ursprünglichen Objekts – so verhindern die Verantwortlichen eine weitere Flächenversiegelung – sollen zudem weitere Stockwerke hinzukommen. Zum einen würden die Büroflächen ausgebaut. Zum anderen seien zusätzliche Übernachtungszimmer geplant. Damit könne die bisherige Bettenanzahl (82) gehalten werden: Jedes Zimmer werde um ein Bad mit Toilette ergänzt – das verringere die Schlafmöglichkeiten pro Raum.

Schadstoffbekämpfung

Die Oberflächen innerhalb der Jugendbildungsstätte werde ebenfalls ausgetauscht – die asbestbelasteten Fugen zwischen den Fließen würden so beseitigt werden. "Asbest war in den 1970ern das gängige Dichtungsmittel. Es ist nur dann gefährlich, wenn daran rumgekratzt wird. Das passiert normalerweise nicht", erläutert Häupl. Auch Teile des Dachs seien mit Gefahren verbunden: Die einst verwendeten Holzschutzmittel Lindan und PCP sind krebserregend – eine Gefährdung für Besucher der Jugendstätte in Neukirchen habe allerdings nie bestanden. Erst durch die Arbeiten am Material entstehe ein Risiko. Die Einrichtung müsse also während der Sanierung geschlossen bleiben.Vorübergehend werde das Pädagogenteam um Keyser also auf alternative Standorte ausweichen. Ein Teil der erlebnispädagogischen Ansätze sei jedoch, nach Angaben der Pädagogin, an die Einrichtung in Neukirchen gebunden.

Moderne Pädagogikansätze

Dort bestünden mit einem Hochseilgarten, einem Sportgelände – das werde in die Sanierung miteinbezogen – gute Bedingungen für die fortschrittliche Jugendarbeit.

Nach erfolgtem Umbau könnten vor Ort also wieder vielfältige Möglichkeiten für Heranwachsende angeboten werden. Teambuilding im Klettergarten, GPS-Touren zu unterschiedlichen Themen oder Bogenschießen sind nur ein paar der vielen Aktivitäten, die Keyser aufzählt. "Was wir tun, dreht sich eigentlich ausnahmslos um Jugendliche. Wir bieten Schulungen für Jugendbetreuer an, veranstalten Besinnungstage oder fördern interkulturelle Begegnung." Daran werde sich auch unter der neuen Trägerschaft nichts ändern. Mit dem einzigen Unterschied, dass sich das Einzugsgebiet der Einrichtung auf ganz Bayern vergrößere. Auch durch die Fördergelder des Bayerischen Jugendrings sei die Schaffung von Kapazitäten hierfür möglich.

"Unsere Methoden sind modern, das Gebäude ist es nicht – das soll sich nun ändern", erklärt Keyser und fügt hinzu: "Wir packen alles an - aber das geht nur Schritt für Schritt." Der erste Schritt werde die Errichtung der Hackschnitzellagers sein – das Ausschreibungsverfahren hierfür soll im Frühjahr kommen. Für November dieses Jahres seien die Hauptarbeiten geplant. Wie lange die dauern werden, ist noch nicht absehbar.