Coburg
2. Handball-Bundesliga

Zu Weihnachten kommen die Besten nach Coburg

Für den HSC wird es rund um die Feiertage brisant. Am Freitag empfangen die Gorr-Schützlinge den Spitzenreiter Bergischen HC, am Dienstag kommt Lübeck.
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Romas Kirveliavicius (mit Ball) hat den Sprung in den 17-köpfigen österreichischen EM-Kader geschafft. Ob der Rückraumspieler heute und am Dienstag für den HSC 2000 Coburg spielen kann, ist aufgrund muskulärer Probleme noch fraglich.  Foto: Hagen Lehmann
Romas Kirveliavicius (mit Ball) hat den Sprung in den 17-köpfigen österreichischen EM-Kader geschafft. Ob der Rückraumspieler heute und am Dienstag für den HSC 2000 Coburg spielen kann, ist aufgrund muskulärer Probleme noch fraglich. Foto: Hagen Lehmann
Bergischer HC, VfL Lübeck-Schwartau, SG BBM Bietigheim - diese nächsten drei Spiele gegen die derzeitige Nummer 1, 3 und 2 der Liga werden eine Vorentscheidung bringen. Kann der HSC 2000 Coburg um die Vergabe der beiden Aufstiegsplätze mitreden oder bleibt der Mannschaft von Trainer Jan Gorr in der am Dienstag beginnenden Rückrunde nur die Zuschauerrolle?

Dabei hat der Spielplan ein ganz besonderes "Weihnachtsschmankerl" für die Fans in der Region Coburg parat: Am Freitagabend (Anwurf um 20 Uhr, HUK-Arena) gastiert mit dem BHC der souveräne Spitzenreiter (34:2 Punkte) in der Vestestadt, am 2. Weihnachtsfeiertag (Anwurf um 17 Uhr, HUK-Arena) kommt Lübeck (26:10 Punkte). Nach Bietigheim (27:9 Punkte) muss Coburg direkt im ersten Spiel nach der EM-Pause Anfang Februar.

Nach der, weil mit vielen Ausfällen behafteten, durchwachsenen Hinrunde scheint der Bergische HC für die Coburger aktuell ein übermächtiger Gegner zu sein. Zumal noch nicht klar ist, ob Tobias Varvne und Romas Kirveliavicius nach ihrem Fehlen in Emsdetten aufgrund von muskulären Problemen diesmal zur Verfügung stehen werden. Doch die Mannschaft hat zuletzt gezeigt, dass sie beißen kann.

Beim Bergischen HC deutet alles darauf hin, dass der "Betriebsunfall" Abstieg sofort wieder wettgemacht wird. Nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber Gummersbach mussten die Bergischen Löwen nach einer tollen Rückrunde und vier Jahren im Oberhaus wieder in Liga 2. Bereits 2012/13 gelang der sofortige Wiederaufstieg. Mit acht Punkten Abstand auf einen Nichtaufstiegsplatz ist der BHC drauf und dran, dies zu wiederholen. In knappen Spielen, gerade zu Saisonbeginn, als sich die Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze erst noch finden musste, kam neben dem Können auch das nötige Glück hinzu. Zum Erfolg trägt außerdem noch bei, dass der BHC im Trainingsablauf und Umfeld den gleichen Aufwand betreibt wie in der ersten Liga, beispielsweise bei weiten Auswärtsfahrten schon am Vortag anreist.

Dazu spricht die Qualität für den Absteiger - vor allem die namhaften Verpflichtungen von Erstligaspielern mit Bastian Rutschmann (aus Göppingen) im Tor, Csaba Szücs auf der Mittelposition von Hannover-Burgdorf und weitere Neuzugänge mit internationaler Erfahrung, dazu gesellt sich der Stamm aus dem vergangenen Jahr. Somit stellt sich derzeit wohl nicht Frage, ob die Bergischen Löwen aufsteigen, sondern nur wann.


Oliver Milde überragt bei Lübeck

Der VfL Lübeck-Schwartau, das einzige Team, das den Bergischen HC bislang bezwingen konnte, liegt mit Platz 3 in dem Bereich, in dem sie sich erwartet haben. Für den HSC wird es darauf ankommen, die Kreise von Oliver Milde im Rückraum einzuschränken, um sich für die 22:25-Hinspielniederlage zu revanchieren. Im Spitzenspiel vor zwei Wochen in Bietigheim gelangen Milde 14 der 28 Lübecker Treffer - trotzdem zu wenig für einen Erfolg. Das bestätigt die These von Trainer Torge Greve: "So ein bisschen fehlt uns noch die Konstanz, die Schwankungen sind einfach zu groß." Dies war aber auch beim HSC der Fall - oftmals jedoch ausfallbedingt.

Auch in den letzten Spielen des Jahres wird mit Torhüter Oliver Krechel ein wichtiger Akteur fehlen. Ob Varvne und Kirveliavicius zurückkehren, entscheidet sich kurzfristig. "Aufgrund der Zeitschiene ist damit eher am Dienstag als am Freitag zu rechnen, aber Stand heute, Mittwoch, ist alles offen", so Gorr. Dieser wird sein Team aber auf jeden Fall darauf eingestellt haben, dass Lübeck gerne mit dem siebten Feldspieler agiert. Denn diese taktische Variante war die Basis für den Sieg über den Bergischen HC.


Die Aufgebote:


HSC 2000 Coburg -
Bergischer HC
Freitag, 20 Uhr, HUK-Arena


HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Patryk Foluszny; Philipp Barsties, Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß, Dominic Kelm, Petr Linhart, Sebastian Weber, Stefan Lex, Benedikt Kellner, Florian Billek, Till Riehn, Marko Neloski, Tobias Varvne (?), Romas Kirveliavicius (?)

Trainer:
Jan Gorr
Bergischer HC: Christopher Rudeck, Bastian Rutschmann, Janis Boieck; Maximilian-Leon Bettin, Max Darj, Leos Petrovsky, Arnor Thor Gunnarsson, Kristian Nippes, Maciej Majdzinski, Milan Kotrc, Jan Artmann, Tomas Babak, Csaba Szücs, Fabian Gutbrod, Linus Arnesson, Bogdan Andre Criciotoiu

Trainer:
Sebastian Hinze

Schiedsrichter: Michael Kilp / Christoph Maier

HSC 2000 Coburg -
VfL Lübeck-Schwartau
Dienstag, 17 Uhr, HUK-Arena

VfL Lübeck-Schwartau: Marino Mallwitz, Dennis Klockmann; Thees Glabisch, Oliver Milde, Julian Lauenroth, Toni Podpolinski, Rickard Akerman, Markus Hansen, Fynn Ranke, Martin Waschul, Jan Schult, Sebastian Damm, Steffen Köhler, Tim Claasen, Christoph Schlichting, Jasper Bruhn.
Trainer: Torge Greve
SR: S. Heine / S. Standke



Vor dem Doppelspieltag gegen den Bergischen HC und Lübeck: Alle drei Trainer im Interview

Im Vorfeld der "Weihnachtsspiele" hat inFranken.de die bei den Spielen in Coburg beteiligten Trainer, Sebastian Hinze für den Bergischen HC, Torge Greve für den VfL Lübeck-Schwartau, und HSC-Trainer Jan Gorr befragt.

Wie schätzen Sie die Situation vor den Partien ein?
Sebastian Hinze (Trainer Bergischer HC): Es wird auf jeden Fall eine schwere Partie. Coburg ist nach den vielen Verletzungen wieder ein Stück weit vorangekommen und verfügt über personell hohe Qualität. Sie sind von ihrer Struktur her sehr unangenehm zu spielen. Das bezeugen auch die Ergebnisse gegen Nordhorn-Lingen und Balingen.

Torge Greve (Trainer VfL Lübeck-S.):
Coburg hat sich von einer Schwächephase stabilisiert. Es ist auch eine andere Situation als im Hinspiel, wo wir einen schönen Auftakt hatten, nur sind die Vorzeichen diesmal anders. Denn durch die beiden Auswärtsspiele sind die Reisestrapazen für uns schon enorm und wir müssen sehen, inwieweit wir die gut überstehen. Letztes Jahr hatten wir Glück mit der Einteilung. Dieses Mal müssen wir zu Weihnachten zweimal reisen. Das muss man so hinnehmen.

Jan Gorr (Trainer HSC):
Man muss sich nur die Lage anschauen. Es sind zwei der drei besten Hinrunden-Teams in dieser Liga und somit eine sportlich hohe Herausforderung. Es ist aber die Gelegenheit für uns, zu beweisen, dass wir auch in der Lage sind, diese Topteams zu schlagen. Viel wird auf die Tagesform ankommen und ob es uns gelingt, die Arena mit unseren Fans wieder zum Kochen zu bringen.


Kann der Bergische HC noch abgefangen werden?
Hinze: Klar, rechnerisch ist das natürlich noch möglich, und wir sind noch lange nicht am Ende. Uns erwartet noch harte Arbeit und ein langer Weg. Aber wir sind gut vorangekommen, haben uns mit den acht Neuzugängen sehr gut entwickelt. Enorm wichtig war, dass wir bis auf Csaba Szücs in der Vorbereitungsphase von Verletzungen weitgehend verschont blieben.

Greve:
Der BHC wird sicherlich nicht mehr abgefangen. Auch wenn wir ihnen die bislang einzige Saisonniederlage beigebracht haben. Da war aber auch das Momentum bei uns, da sie direkt davor Bietigheim klar geschlagen hatten, was die Mannschaft im Spiel gegen uns sichtbar belastet hat. Sie kamen damals nie richtig in Fahrt. Aber es gibt kein Team, das so breit und stabil aufgestellt ist. Die wird keiner mehr stoppen.

Gorr:
Der BHC hat seine Ausnahmestellung, was ich vor der Runde schon vermutet habe, souverän bestätigt. Er steht individuell über den Dingen und hat mit den Spielleistungen gezeigt, dass sie auch völlig zu Recht dort an der Tabellenspitze sind. Es würde mich überraschen, wenn es noch einem Team gelänge, die Mannschaft abzufangen. Aber dann ist ja auch noch der zweite Aufstiegsplatz zu vergeben.


Sind Sie mit der derzeitigen Bilanz zufrieden?
Hinze: Natürlich sind wir mit dem derzeitigen Ergebnis sehr zufrieden. Wir hatten viel Respekt vor dieser 2. Liga.

Greve:
Mit dem Tabellenplatz und den Punkten bin ich sehr zufrieden. Es waren ein paar Überraschungen, wie der Sieg gegen Coburg, Balingen und das Unentschieden gegen Nordhorn dabei. Allerdings auch schmerzliche Punktverluste gegen Saarlouis und Emsdetten.

Gorr:
Wir haben uns unsere Punktebilanz vor der Saison anders vorgestellt. Unter der Betrachtung, was an Belastungen und Hypotheken durch die Personalausfälle im Laufe der Vorrunde auf uns zukam, können wir allerdings froh sein, dass wir noch annähernd in Schlagdistanz sind. Woche für Woche war es mehr greifbar, was das Team trotz allem geleistet hat. Es wäre jetzt toll, wenn wir punktemäßig aus den beiden Spielen noch so viel wie möglich mitnehmen und diese Hinrundenbilanz aufpolieren könnten.


Haben Sie mit der jetzigen Platzierung vor Saisonbeginn gerechnet?
Hinze: Natürlich war unser Ziel wieder aufzusteigen. Aber derartige Ziele können schon einmal sehr schwer umsetzbar sein.

Greve:
Nachdem wir letztes Jahr Platz sechs erreicht haben, hatten wir für diese Saison Platz 1 bis 7 vorgegeben. Wir bewegen uns in diesem Korridor und das zeigt, dass die letztjährige Platzierung keine Eintagsfliege war. Wir wollen uns aber noch mal weiterentwickeln, da bei uns die Qualität der einzelnen Leute doch etwas fehlt.

Gorr:
Ich persönlich habe mir ein besseres Ergebnis gewünscht. Allerdings bin ich da von einer besseren personellen Situation ausgegangen. So können wir festhalten, trotz allem nicht den Anschluss verloren zu haben.


Bleibt der Anwärterkreis auf die Aufstiegsplätze weiter so groß?
Hinze: Die Liga verfügt gerade in diesem Jahr über eine unheimlich dichte Qualität der Mannschaften und ist sehr ausgeglichen. Aber am stärksten von den Mitkonkurrenten schätze ich Balingen ein.

Greve:
Ich denke, dass sich der Kreis der Aufstiegsanwärter reduziert. Der BHC ist raus, so dass es nur noch um einen weiteren Aufstiegsplatz geht. Dafür werden schlussendlich fünf bis sechs in Frage kommen, zu denen ich Rimpar, Hamm, Bietigheim, Coburg und Balingen zähle. Gerade in Balingen bürgt der Trainerwechsel auf Jens Bürkle für mehr Konstanz, so dass ich sie als größten Anwärter auf den zweiten Platz einschätze.

Gorr:
Das ist schwer zu prognostizieren. Es wird wohl weiter so sein, dass viele sich gegenseitig schlagen. Allerdings rechne ich damit, dass sich der Anwärterkreis nach und nach etwas reduziert und nicht ganz so groß bleiben wird, wie er derzeit ist.


Worauf liegt Ihr Hauptaugenmerk während der EM-Pause?
Hinze: Wir wollen die Mannschaft weiterentwickeln, sind allerdings noch nicht ganz so weit, wie wir sie gerne hätten. Uns fehlt die Stabilität beim Wechsel unserer Angriffs- und Abwehrsysteme, da haben wir noch Probleme bei der Umstellung, die wir nach und nach beseitigen wollen.

Greve:
Wir müssen in der Pause unsere Kräfte sammeln. Zunächst hat die Mannschaft zwei Wochen frei und dann werden wir uns im Detail versuchen, zu verbessern. Wir wollen in der Breite des Kaders ein höheres Niveau erreichen, um auch Wechsel während der Partie problemloser zu überstehen.

Gorr:
Zunächst zählen diese beiden Topspiele, darauf liegt der absolute Fokus und wir werden alles reinpacken. Im Januar ziehen wir dann Bilanz und formulieren unsere Ziele für die Rückrunde. Da werden wir die Verletzungssorgen aufarbeiten und daran arbeiten, wieder eine eingespielte und eingeschworene Einheit auf die Platte zu bringen. Und das dann hoffentlich auch in einem personell größeren Kreis, denn das ist uns in der Vorrunde komplett abgegangen.
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