Coburg
Fussball-WM

WM-K.o. soll ein heilsamer Schock sein

Das sagen Coburger Promis zum Aus der deutschen Nationalelf in Russland.
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Die Südkoreaner haben Manuel Neuer & Co. ein dickes Ei ins Nest gelegt. Am historischen WM-K.o. wird der deutsche Fußball jedenfalls einige Zeit zu knabbern haben.  Foto: Frank Augstein/dpa
Die Südkoreaner haben Manuel Neuer & Co. ein dickes Ei ins Nest gelegt. Am historischen WM-K.o. wird der deutsche Fußball jedenfalls einige Zeit zu knabbern haben. Foto: Frank Augstein/dpa
Was sagen Prominente aus Coburg zur historischen Fußball-Blamage? Das Tageblatt hat sich umgehört und interessante Statements gesammelt. Der Stachel der Enttäuschung sitzt zwar bei vielen tief, doch das erstmalige Ausscheiden einer deutschen Mannschaft schon nach der WM-Gruppenphase sieht nicht nur Norbert Kastner als Chance für einen Neubeginn.
In der Kritik steht vor allem Joachim Löw. Michael Stoschek geht mit dem Nationaltrainer hart ins Gericht. Auf dem langen Weg zwischen Rio de Janeiro und Watutinki ist Löw und seinen Spielern wohl der Titelhunger abhandengekommen. Gierig auf einen weiteren Pott waren viele der nominierten Spieler nach Überzeugung der Befragten jedenfalls nicht.
Wolfgang Gremmelmaier hat die Personalpolitik Löws überhaupt nicht gefallen: Der Coach hielt an zu vielen Heroen fest, die ihn 2014 zum Weltmeistertrainer gemacht haben. Das war falsch und ging gründlich daneben. Dazu kamen während der Vorrunde schwer nachvollziehbare Personalrochaden - mit Ausnahme von Ginter und den beiden Ersatzkeepern setzte der Bundestrainer alle Spieler ein.
Ein solches Wechsel-Wirrwarr ist das beste Indiz dafür, dass der 58-Jährige - auch wenn er das vehement bestreitet - erstmals in seiner (zu) langen Amtszeit keinen wirklichen Plan hatte.


Löw-Vertrag eine Zumutung

Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose Unternehmensgruppe und Aufsichtsratsvorsitzender der Bamberger Basketball GmbH:
"Der WM-Auftritt unserer Nationalmannschaft in Russland war nicht anders als man es nach den Vorbereitungsspielen erwarten musste. Schon da ist es dem Bundestrainer nicht gelungen, ein abgestimmtes und druckvolles Mannschaftsspiel zu organisieren. Dass er nun den ungenügenden Einsatz seiner Spieler kritisiert, ohne zu erkennen, dass es doch seine elementare Aufgabe ist, die Spieler zu Leistung zu motivieren und ihnen Selbstvertrauen und Leidenschaft zu vermitteln, zeigt ein falsches Rollenverständnis.
Spielermaterial stand Löw ja genügend zur Verfügung, aber die zum Teil eigenartigen Aufstellungen und die mangelnde Einsatzfreude muss er sich nun selbst anrechnen. Dass das DFB-Präsidium unmittelbar vor der Weltmeisterschaft Löws Vertrag - der mit 3,8 Millionen Euro jährlich an der Spitze aller WM-Trainer liegt - bis 2022 und sogar 2024 verlängert hat, ist eine Zumutung im Umgang mit dem Geld seiner Mitglieder. Selbst wenn er jetzt aufhört, wird das richtig teuer."


Weiterkommen nicht verdient

Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der Versicherungsgruppe HUK-Coburg und Mitglied des Aufsichtsrates beim Fußball-Landesligisten FC Coburg:
"Natürlich bin ich enttäuscht, dass die deutsche Mannschaft ausgeschieden ist, aber ein Weiterkommen wäre bei der Leistung nicht verdient gewesen."


Kein Mut und falsche Signale

Wolfgang Gremmelmaier, langjähriger Vorstand der VR-Bank Coburg, Vorsitzender des Landesligisten FC Coburg und Berater des BBC Coburg:
"Tja, Herr Löw, alles falsch gemacht! Einen Torhüter spielen lassen, der zehn Monate nicht spielte - falsches Signal! Sané daheim gelassen - falsche Entscheidung!
Boateng aus Reha, Khedira aus Reha, Hummels nicht bei 100 Prozent. Festhalten an Lieblingen (Özil, Müller, Khedira). Kein Mut - Brandt nicht gebracht! Und vieles mehr! Ballbesitz-Fußball mit 1000 Querpässen! Kein Druck!"


Richtige Konsequenzen ziehen

Norbert Kastner, Coburgs ehemaliger Oberbürgermeister, Ex-Präsident des HSC 2000 Coburg und Vorsitzender des TV Ketschendorf:
"Einmal ist immer das erste Mal! Und dass wir uns als Weltmeister mit dem Vorrunden-Aus in guter Gesellschaft mit anderen großen Fußballnationen wie Italien oder Spanien befinden, ist nur ein schwacher Trost. Aber sind wir doch einmal ehrlich: Wann gab es den letzten überzeugenden Auftritt unserer Nationalmannschaft? Spätestens in den teils blamablen Testspielen war erkennbar, dass etwas nicht mehr rund läuft.
Und wenn der Schock vom Mittwochnachmittag dazu beiträgt, die sich abzeichnende Entwicklung offen und selbstkritisch zu hinterfragen und auch die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen, dann kann das am Ende heilsamer sein als sich ins Viertel- oder Halbfinale zu stolpern. Also: Mund abputzen. Wir wissen, wir können es besser!"


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