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Aktion

TSV Scherneck radelt zum Club: Ein unvergesslicher Trip

Der TSV Scherneck besuchte bereits 18 Bundesliga-Stadien. Als 19. Station wurde das Max-Morlock-Stadion in Nürnberg auserkoren. Die rund 120 Kilometer dorthin legten 15 Abenteuerlustige mit dem Rad zurück.
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Endstation Max-Morlock-Stadion: Trotz Regenwetters war die Vorfreude des Schernecker Trosses auf die Bundesligapartie zwischen dem Club und Gladbach riesig.  Fotos: Christian Dreßel
Endstation Max-Morlock-Stadion: Trotz Regenwetters war die Vorfreude des Schernecker Trosses auf die Bundesligapartie zwischen dem Club und Gladbach riesig. Fotos: Christian Dreßel
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Scherneck/Nürnberg"Wir sind größtenteils ehemalige Kicker und wollen mal wieder sportlich aktiv werden", so fiel im April die Antwort von Sven Siegel auf die Frage aus, warum die Schernecker denn ausgerechnet mit dem Fahrrad zum Club nach Nürnberg zum Bundesliga-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach wollten (das Tageblatt berichtete).

"Sportlich aktiv werden" kann in diesem Zusammenhang getrost als Untertreibung betrachtet werden: denn Scherneck und das Max-Morlock-Stadion trennen weit über 100 Kilometer Fahrradstrecke voneinander. Doch Siegel und Andreas Wedel, die zusammen die Bundesligafahrten des TSV Scherneck organisieren, setzten sich die Radtour in den Kopf und konnten immerhin 13 Mitreisende von ihrer Idee überzeugen.

Bunte Fankultur

So begann das sportliche Abenteuer für die Reisegruppe im Alter von elf bis 57 Jahren am Freitagmorgen am Sportheim des TSV mit viel Euphorie. Bei kühlem Wetter machten sich die Radfahrer auf den Weg entlang der Itz gen Bamberg, ein angemessenes Tempo für alle musste aber noch gefunden werden. An den Pausenorten in Kaltenbrunn, Freudeneck, Bamberg und Buttenheim wurde darüber diskutiert, welche Geschwindigkeit denn letztlich die richtige sei - aber natürlich auch über Fußball.

Dabei zeigte sich die bunte Fankultur, die bei den Stadionfahrten des TSV laut Wedel die Regel ist. Nürnberger, Gladbacher, ein HSV-Fan, sogar ein Bochumer scherzten über die Eigenheiten des jeweils anderen Vereins und Fanlagers, traten dann aber wieder gemeinsam in die Pedale. Getreu dem Motto: in den Farben getrennt, in der Sache vereint.

Durch die Zwischenstopps, bei denen der Energiehaushalt auf Vordermann gebracht wurde, ließ sich die Strecke für alle gut bewältigen. Nur in Buttenheim, als auf dem Weg zum Biergarten ein Berganstieg bewältigt werden musste, waren plötzlich zwei Mitstreiter abhandengekommen. Andreas Wedel und Martin Kaiser, der Pressewart der Schernecker Bundesligafahrten, haben innerorts den Anschluss an die Gruppe und damit ebenfalls die Orientierung verloren. Nach kurzer telefonischer Absprache fanden die beiden aber schnell wieder die richtige Route.

Bierfranken als Motivation

Rund um Buttenheim lag auch einer der schönsten Abschnitte der Strecke, entlang der Regnitz zeigte sich zudem strahlender Sonnenschein. Angetrieben von der malerischen Landschaft und gestärkt durch die Aufenthalte in den Biergärten konnte der letzte Abschnitt des Tages in Angriff genommen werden.

Das überwiegend flache Streckenprofil entlang der fränkischen Flüsse wurde nämlich noch einmal von einem Anstieg hinauf zur Unterkunft nach Serlbach bei Forchheim unterbrochen. Nach den Reisestrapazen freute sich Gruppe über drei Dinge: nach 75 Kilometern den Radsattel zu verlassen, eine erfrischende Dusche in der Pension zu nehmen und auf den Schnitzelabend in der integrierten Gastwirtschaft. In geselliger Runde ließen die Schernecker dann den Abend ausklingen, die Wirtsfamilie erlaubte hierfür sogar einen Kasten Bier mit aufs Zimmer zu nehmen.

Allzu lang durfte der Abend allerdings nicht werden, denn am nächsten Tag stand noch die zweite Etappe über rund 50 Kilometer nach Nürnberg an und die Abfahrt war auf 8 Uhr festgelegt worden. Hierfür musste Siegel alle Radfahrer beim gemeinsamen Frühstück einschwören: "Die kulinarischen Highlights hatten wir bereits gestern und das Regenwetter wird uns heute begleiten. Doch wir haben ja alle ein Ziel!" Kurz vor der Abfahrt gab es allerdings einen Schockmoment für die Radler: Ein Reifen verlor Luft und war platt.

Doch die Ausrüstung und das technische Know-how stimmten, Fabian Reißenweber nahm sich der Sache an und brachte das Rad im Handumdrehen wieder auf Vordermann. So konnte die Reise Richtung Fußballstadion mit kurzer Verzögerung in Angriff genommen werden.

Bei Nieselregeln hieß das erste Zwischenziel Erlangen, welches auch relativ zügig erreicht werden konnte. Doch auf dem Martin-Luther-Platz dann der zweite Schock des Tages: Ein Gruppenmitglied fehlte. Martin Kaiser war allem Anschein nach einmal falsch abgebogen und hatte den Anschluss an den Rest verloren. Unverzüglich teilte man ihm den Standort des Hauptfeldes mit und versuchte ihn telefonisch zu erreichen, zunächst ergebnislos.

Kaiser versuchte sich auf eigene Faust durchzuschlagen und kam auch wieder in die Nähe des richtigen Weges. Als Kaiser kurze Zeit später sein klingelndes Telefon bemerkte, konnte die Vollzähligkeit des Teams wieder sichergestellt werden. Der sichtlich mitgenommene Pressewart scherzte bei seiner Ankunft: "Ihr seid wahre Freunde."

Mit dem Bus zurück in die Heimat

Bereits gegen 12.30 Uhr erreichten die Schernecker den Hauptmarkt der Großstadt, unglücklicherweise bei starkem Niederschlag. Nachdem sich die Schauer legten, folgte prompt die zweite positive Überraschung: Die per Bus nachgereisten TSVler trafen sich mit den Radfahrern in der Innenstadt. Dort frönte man noch in aller Ruhe den kulinarischen Spezialitäten, bevor es wiederum per Rad die letzten acht Kilometer hinaus zum Stadion ging. Dort wurden die Drahtesel dann in einen Fahrradanhänger verladen. Nach Abpfiff fuhren die Teilnehmer im Bus zurück nach Scherneck.

Ohne größere Komplikationen und vor allem gesund erreichte jeder der 15 Radfahrer das Club-Stadion nach 120 Kilometern. Das Spiel der beiden Traditionsclubs Nürnberg und Gladbach besiegelte den Abstieg der Heimmannschaft, doch dieser Ausflug wird den Abenteurern unabhängig davon immer in guter Erinnerung bleiben.



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