Coburg

Rabenschwarzer Freitag für HSC in Lübbecke

Die Coburger waren bei der 21:26-Niederlage bei TuS Nettelstedt-Lübbecke ohne jede Chance. Die Abwehr agierte vor allem in der Anfangsphase schläfrig, dazu fehlte lange Zeit die Durchschlagskraft aus dem Rückraum.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Bild mit Seltenheitswert: der Coburger Stepan Zeman trifft am Kreis. Die meisten Anspiele wurden von den Gastgebern abgefangen.  Foto: Iris Bilek
Ein Bild mit Seltenheitswert: der Coburger Stepan Zeman trifft am Kreis. Die meisten Anspiele wurden von den Gastgebern abgefangen. Foto: Iris Bilek

Der HSC 2000 Coburg musste am Freitagabend mit der deutlichen 21:26-Niederlage beim TuS Nettelstedt-Lübbecke einen Rückschlag im Bundesliga-Aufstiegsrennen hinnehmen. Die Coburger luden die Gastgeber mit einem Fehlpassfestival an den Kreis im ersten Durchgang zu Kontertoren ein, mit denen der Tabellensiebte den Grundstein zum hochverdienten Sieg legte. Wie schon gegen Aue nach der Pause agierten die Coburger einem Spitzenreiter nicht würdig, waren gegen die kompromisslose Deckung der Gastgeber nahezu chancenlos. "Wir haben das in der ersten Halbzeit nicht gut gemacht, haben vor allem im Angriff viel liegengelassen", sagte HSC-Torhüter Konstantin Poltrum, der nach einer Viertelstunde ins Spiel kam. "In der zweiten Halbzeit war es dann besser. Wir waren auf drei Tore dran, aber haben es dann nicht geschafft, entscheidend zu verkürzen."

2. Bundesliga

TuS Nettelstedt-Lübbecke - HSC 2000 Coburg 26:21 (13:8)

Vor der Partie war der Trainerwechsel bei der deutschen Nationalmannschaft natürlich beherrschendes Thema unter den Zuschauern in der Merkur-Arena, wobei die Meinungen ob richtig oder falsch, weit auseinandergingen. Doch mit dem Abpfiff galt die ganz Konzentration einer Partie mit einem so nicht zu erwartenden Spielverlauf.

Etwas überraschend war auch Andreas Schröder mit zum Tabellensiebten gereist, im Innenblock standen zunächst aber Sebastian Weber und Stepan Zeman. Unglücklich war schon der Auftakt für den HSC mit einem Pfostentreffer von Max Jaeger, zwei Fehlpässen an den Kreis und einem frei vergebenen Wurf von Pontus Zetterman. Anschließend hielt Florian Billek sein Team mit zwei sehenswerten Treffern von weit außen im Spiel. In der Abwehr bekam der HSC aber Rückraumakteur Valentin Spohn nicht in den Griff. Konsequenz war, dass die Coburger einem Vier-Tore-Rückstand hinterherliefen und nach gerade mal neun Minuten bereits acht Treffer kassiert hatten.

Dann kam Schröder in den Mittelblock, aber es änderte sich wenig. HSC-Trainer Jan Gorr hatte dringenden Redebedarf und rief zur Auszeit. Denn die Aktionen im Rückraum glichen denen aus dem Aue-Spiel der zweiten Halbzeit. Die TuS-Abwehr stand bestens, schaffte es immer wieder die Lücken zu schließen.

Hätten die Coburger Torhüter Jan Kulhanek und der nach der Auszeit eingewechselte Konstantin Poltrum nicht freie Bälle pariert, es wäre schon früh zappenduster für die Coburger gewesen. Denn die Würfe der Gäste aus dem Rückraum blieben weiter unvorbereitet und wurden so zu einer leichten Beute für Peter Tatai im TuS-Tor. Bezeichnend die Wurfausbeute der Coburger, die bis zur 22. Minute lediglich den allerersten Treffer aus dem Rückraum erzielten. Das hatte aber auch damit zu tun, dass die Abwehr der Gastgeber ungestraft recht rüde zu Werke gehen durfte - insbesondere das Halten am Kreis vor den Anspielen wurde von den Unparteiischen teils übersehen.

Dies führte zu Ballverlusten und Gegenstoßtoren. Wobei Marko Bagaric im Deckungszentrum die TuS-Abwehr bestens organisierte. Noch problematischer wurde es Sekunden später, als Tobias Varvne seinen Gegenspieler leicht im Gesicht traf (22.) und dieser zu Boden ging. Der Schwede sah die Rote Karte, die erste Disqualifikation für den HSC in der laufenden Saison. "Es war ein hartes Foul, aber aus meiner Sicht hätte es eine Zeitstrafe auch getan. Ich muss mir die Szene aber noch mal genau angucken", sagte Gorr auf der Pressekonferenz. "Es war ein Peak in diesem Spiel, es gab nicht so viele Aktionen dieser Art, von daher kann ich auch nachvollziehen, dass die beiden Schiedsrichter an der Stelle eingreifen und eine Disqualifikation ausstellen. Für uns war es natürlich extrem bitter."

Seine Coburger Teamkollegen schafften es immerhin, den Abstand zumindest nicht größer werden zu lassen. Felix Sproß musste sich jetzt auf der Rückraum-Mitte-Position beweisen.

Nach dem Seitenwechsel dauerte es lange, bis der erste Treffer fiel. In der Folge warfen die Coburger Tatai im TuS-Tor zudem so richtig "warm" und liefen nach gut 40 Minuten einem Acht-Tore-Rückstand hinterher. Ihnen fehlten die zündenden Ideen, um die Abwehr des Gegners auseinanderzuspielen. Daran änderte die zweite Auszeit von Gorr etwas, denn mit einem 3:0-Lauf kam Coburg näher, musste jedoch weiter hart für jeden einzelnen Treffer arbeiten. Lediglich Poltrum gelang ein "einfacher" Treffer, als er ins verwaiste Heimtor traf. Der HSC hatte taktisch nicht groß umgestellt, agierte nur in der Abwehr etwas offensiver ausgerichtet.

Die Coburger waren agiler auf den Beinen, und die Gastgeber konnten ihr Niveau nicht halten. Innerhalb von sechs Minuten hatte Coburg den Abstand halbiert (19:15). Aber ausgerechnet in Überzahl vergab Zetterman frei gegen Tatai die große Möglichkeit, auf drei Tore zu verkürzen. Das gelang Christoph Neuhold acht Minuten vor dem Abpfiff. Aber damit hatte Coburg sein Pulver verbraucht, danach lief es wie über weite Strecken des Spiels. Würfe aus dem Rückraum wurden geblockt, Kreisanspiele kamen nicht an. Unter dem Strich bleibt ein rabenschwarzer Freitag für die Coburger Handballer.

DIe Statistik

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Poltrum (1) - Jaeger (7), Wucherpfennig (2/2), Sproß, Kelm, Weber, Billek (3), Knauer, Zetterman (3), Varvne, Zeman (2), Schröder, Neuhold (3). Trainer: Gorr

TuS Nettelstedt-Lübbecke: Tatai, Jepsen - Becvar, Genz (2), Walczak (1), Bechtloff, Ebner (1), Gierak (1), Bagaric (3), Strosack (8/1), Mundus, Spohn (7), Schade, Orlowski (3), Speckmann Trainer: Kurtagic

Schiedsrichter: Pawal Fratczak / Paulo Ribeiro

Spielfilm: 0:1 (2.), 4:1 (6.), 4:2 (7.), 7:3 (8.), 9:4 (13.), 10:4 (15.), 10:5 (17.), 11:5 (19.), 12:6 (24.), 12:7 (26.), 12:8 (28.), 13:8 - 13:9 (34.), 14:9 (35.), 16:10 (39.), 18:10 (42.), 18:11 (43.), 18:13 (45.), 19:15 (48.), 20:15 (50.), 20:17 (52.), 22:17 (54.), 22:18 (55.), 25:18 (56.), 26:21.

Zuschauer: 1629

Siebenmeter: 1/2 (Strosack scheitert an Poltrum) - 2/3 (Billek scheitert an Tatai)

Strafminuten: 8 (Ebner, Bagaric, Genz, Speckmann) - 2 (Varvne) - Rote Karte gegen Varvne (23.)

Beste Spieler: Tatai, Spohn, Bagaric - Jaeger

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren