Neustadt bei Coburg
2. DCU-Kegler-Bundesliga

PSV Franken Neustadt: Dünner Kader - harte Bahnen

Der PSV Franken Neustadt startet mit einem Auswärtsspiel in Fraureuth ins Unternehmen "sofortiger Wiederaufstieg". Doch das Ziel ist aufgrund der vorhandenen Quantität ehrgeizig. Ein Neuzugang blieb aus.
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Mit diesem Sextett will der PSV Franken Neustadt in der 2. Bundesliga für Furore sorgen (stehend von links): Jochen Geiger, Jürgen Bieberbach, Bastian Bieberbach; (unten von links): Sascha Hammer, Michael Moosburger und Michael Lohrer. Foto: Ulrich Bieberbach
Mit diesem Sextett will der PSV Franken Neustadt in der 2. Bundesliga für Furore sorgen (stehend von links): Jochen Geiger, Jürgen Bieberbach, Bastian Bieberbach; (unten von links): Sascha Hammer, Michael Moosburger und Michael Lohrer. Foto: Ulrich Bieberbach

Eine intern unterschiedlich intensive und mehr oder weniger gelungene Vorbereitung neigt sich bei den Sportkeglern des PSV Franken Neustadt dem Ende zu. Ab Samstag geht es in der 2. Bundesliga DCU wieder um Punkte. Das Tageblatt hat die Franken unter die Lupe genommen. Die individuelle Klasse soll für das ambitionierte Ziel - nämlich der sofortige Wiederaufstieg in die Eliteliga - ausschlaggebend sein. Das Problem: ein sehr dünner Spielerkader.

Der Kader

Erfahren, spielstark und talentiert: Auch in der kommenden Saison trifft dies auf den Kader von Franken Neustadt zu, obwohl Dietmar Gäbelein (spielt 120 Wurf im Kreis Augsburg) und Thorsten Kockmann (steht nur im Notfall parat) pausieren. Zudem konnten Sportwart Jürgen Schneider und die sportliche Leitung der Franken keinen Transfercoup an Land ziehen, aber dennoch bleiben die Ziele ambitioniert. Für einen Zweitliga-Kader ist der PSV mit sechs Stammkräften extrem dünn besetzt. Nachwuchstalent Niklas Friedebach wartet weiter auf den erhofften Sprung, Tobias Bieberbach will nicht mehr den Aufwand für die Ziele der Puppenstädter aufbringen. Ein Neuzugang hätte dem PSV gut zu Gesicht gestanden, aber alle Bemühungen blieben ohne Erfolg. Genau deshalb müssen die Etablierten wieder ihre Stärken unter Beweis stellen. Mit Michael Moosburger und Sascha Hammer sollen die Spiele von vorne weg dominiert werden.

Der Schlüsselspieler

Der letzte Saison zurückgekehrte Moosburger wird ein sehr wichtiger Faktor bei den Puppenstädtern bleiben. Der 36 Jahre alte ehemalige Auswahlspieler hat mehr als 100 Spiele in der ersten und zweiten Liga auf dem Buckel und machte mit seinen Ergebnissen oft den Unterschied. Allerdings ist er in der kommenden Saison mehr gefordert denn je, wenn die Franken ernsthaft um den Aufstieg spielen wollen. Vor allem auf den teils nicht so ergiebigen Bahnen in Thüringen muss der technisch versierte Gefühlskegler es schaffen, alle Randerscheinungen beiseite zu schieben und sich voll auf sich zu konzentrieren.

Gewinner der Vorbereitung

Eine hartnäckige Grippe sowie anhaltende Knieprobleme warfen Sascha Hammer in der Vorsaison weit zurück, in der Spielzeit 2018/19 musste der 32 Jahre alte Thüringer deswegen oft zuschauen oder konnte nicht über die volle Distanz gehen. "Durch Eigenblut-Therapie und einer guten Vorbereitung habe ich ein gutes Gefühl bekommen", blickt Hammer optimistisch nach vorne. In drei der fünf Testspielen (Gerolsheim, Frammersbach, Burgkunstadt) überzeugte Sascha Hammer in der Startpaarung. "Vorne dran ist es wichtig, gute Zahlen zu bringen, um den Gegner unter Druck zu setzen und intern für Selbstvertrauen zu sorgen", erhofft sich Jürgen Bieberbach viel von dieser Umstellung. Stabilität in der Bewegung reinbringen und ein gutes Gespür für die Anlagen entwickeln, dies gilt es laut Hammer auf den teils tückischen Thüringer Bahnen zu zeigen, und er fügte hinzu: "Aggressiv sein und die Technik nicht vernachlässigen, dass ist vor allem auf den nicht so gut ergiebigen Bahnen die große Kunst".

Der Kapitän

Jürgen Bieberbach führte seine Mannschaft als Startspieler und Hauptverantwortlicher für den sportlichen Bereich mit Akribie, Disziplin, guter Personalpolitik und einem hohen Maß an Menschenkenntnis von der Regionalliga bis in die höchste deutsche Spielklasse. Nun nimmt der 54-Jährige eine andere Rolle ein, freilich als Verantwortlicher in vorderster Front, aber auf der Bahn wird er die Mittelachse mit seinem Neffen Bastian Bieberbach bilden. Beide haben die PSV-Erfolgsgeschichte entscheidend mitgeschrieben und wollen in den kommenden zwei Jahren etwas bewegen.

Das Schlussduo

Die Schlusspaarung bilden Jochen Geiger und Michael Lohrer. "Körperlich fühle ich mich gut. Wichtig ist, dass mein Knie nicht mehr so extrem anschwillt", erklärt Jochen Geiger. Nach starken Leistungen in den beiden letzten Jahren steht er auch diese Saison wieder in der Pflicht. Sein Fitnesszustand macht im Umfeld dem einen oder anderen weiterhin Kopfzerbrechen, aber mit seinem "Killerball" und dem Talent wird Geiger wieder eine gute Runde spielen können.

Auf der anderen Seite steht Michael "Milo" Lohrer. Er ist ein Vorbild in Sachen Trainingsfleiß und Engagement. Der 46-Jährige musste sich beruflich verändern und hat aber nun geregeltere Möglichkeiten den Spiele "von A bis Z" beizuwohnen. "Ich bin hungrig nach Erfolg", mit diesen Worten kam er vor über zehn Jahren nach Neustadt. Genau diesen Hunger gilt es für Lohrer und seine fünf Mitstreiter vom Rundenstart bis Ende zu beweisen. In den Vorbereitungsspielen war es ein Auf und Ab. Eine Topleistung von allen sechs Akteuren gab es nicht zu verzeichnen.

Die aktuelle Form

Vier der fünf Testspiele verloren die Oberfranken. "Wir können mit der Vorbereitung dennoch zufrieden sein. Die Ergebnisse sind für mich nicht so wichtig. Man hat in Phasen gesehen, was unser Team kann", sagte Sportwart Jürgen Schneider. "Es gab noch einige Dinge, die sich verbessern müssen und verbessern werden. Das ist aber zum jetzigen Zeitpunkt auch normal."

Vorstand Rolf Mannagottera fordert ebenfalls Geduld, ist von der Kaderstärke aber überzeugt: "Ich weiß, wo es hinführen soll und wie schön Kegeln ganz oben sein kann - dort wollen wir hin."

"Unser Ziel ist, vorne anzugreifen - für was es am Ende reicht wird man sehen", sagte Jürgen Bieberbach bei der Saisoneröffnung.

Saisonziel und Prognose

Über kurz oder lang sieht Bieberbach für das 200-Wurfspiel des Verbandes DCU wenig Perspektive, deswegen wolle man noch einmal auf den schönsten und größten Bahnen im Kegeloberhaus spielen. Für die Spieler gilt es, diesen Ansatz schnellstmöglich zu beherzigen. "Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen. Wir werden uns über die Wettkampfperiode steigern müssen, aber ich bin überzeugt, dass wir die Qualität haben", erklärte Bieberbach. Dass diese Entwicklung schnell vonstattengehen muss, ist Pflicht. Denn sowohl die demografische Entwicklung im Verein als auch die dünne Personaldecke lassen wenig Zeit und Spielraum für mittelfristige Ambitionen.

Deshalb lautet die Prognose: Wenn die sechs PSV-Akteure verletzungsfrei durch die Saison kommen und den harten Bahnen den Kampf ansagen, ist der erste Platz möglich.

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