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Pro und Contra: Soll Jan Gorr Geschäftsführer des HSC Coburg werden?

Der langjährige Trainer und Sportliche Leiter des HSC 2000 Coburg könnte ab der neuen Saison der starke Mann in der Vestestadt werden. Ein Pro- und Contra-Kommentar
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Jan Gorr: Bleibt er Trainer in Coburg oder wechselt er an den Schreibtisch und wird neuer HSC-Geschäftsführer? Foto: Archiv/Hagen Lehmann
Jan Gorr: Bleibt er Trainer in Coburg oder wechselt er an den Schreibtisch und wird neuer HSC-Geschäftsführer? Foto: Archiv/Hagen Lehmann

Der langjährige Trainer und Sportliche Leiter des HSC 2000 Coburg könnte ab der neuen Saison der starke Mann in der Vestestadt werden. Ein Pro- und Contra-Kommentar

Pro-Kommentar von Tageblatt-Redakteur Maximilian Glas : So können der HSC und Gorr den nächsten Schritt machen

Gerade einmal 42 Jahre jung ist Jan Gorr vor knapp zwei Monaten geworden. Das ist insofern bemerkenswert, dass der gebürtige Hesse gefühlt bereits eine halbe Ewigkeit an der Seitenlinie in Deutschlands Handball-Hallen steht. Und nicht nur gefühlt: Es ist mittlerweile ein Vierteljahrhundert. Denn bereits mit 16 Jahren war Gorr als Trainer im Jugendbereich der HSG

Dutenhofen/Münchholzhausen tätig.

Bereits vor 15 Jahren trainierte er erstmals im Profibereich beim Zweitligisten TV Hüttenberg. Trotz dieser unglaublichen Erfahrung gehört Gorr noch zu den jüngeren Übungsleitern im Profihandball. Nimmt man etwa die 71-jährige Coaching-Legende Sead Hasanefendic - aktuell in Diensten des ThSV Eisenach - als Maßstab, hat Gorr noch nicht einmal das "Bergfest" seiner Trainerkarriere erreicht. Obwohl der 42-Jährige mit seiner bisherigen Laufbahn - mit unter anderem drei Aufstiegen in die 1. Handball-Bundesliga - durchaus zufrieden sein kann, strebt er nach Höherem. "Ich will etwas bewegen, ich verfolge immer realistische Ziele", sagte Gorr vergangene Woche im Tageblatt-Interview.

Optionen, seine Karriere voranzutreiben, gibt es eigentlich nur zwei. Entweder Gorr schließt sich als Trainer mittelfristig einem etablierten Erstligisten an oder er "baut" sich langfristig einen solchen Klub selbst.

Und diese Möglichkeit hätte er als Geschäftsführer des HSC 2000 Coburg. Die Entwicklung, die der Klub in den drei Jahren nach seiner Verpflichtung 2013 nahm, war bemerkenswert - von Liga 3 in die stärkste Liga der Welt. Doch nach dem einjährigen Erstliga-Abenteuer stagnierte die Entwicklung des Vereins - wenn auch auf solidem Niveau. Eine Situation, mit der Gorr, der noch einen Vertrag bis 2021 in Coburg besitzt, trotz der sportlich beeindruckenden Saison 2019/20 nicht zufrieden sein kann. Dass die Entwicklung beim HSC stockt, liegt auch daran, dass es im Management in den vergangenen Jahren keine Kontinuität gab. Und für die steht mittlerweile kein anderer beim HSC als Jan Gorr.

Sollte sein siebenjähriger Zyklus als Trainer enden, könnte ein ähnlich langer als Geschäftsführer folgen. Und das wird bei Partnern sowie Fans für ein wohliges Gefühl sorgen. Dass der 42-Jährige in den Anfangsmonaten im unternehmerischen Bereich noch das eine oder andere Defizit aufweisen wird, sollte zu verschmerzen sein. Denn mit Marketing-Profi Phillipp Rebhan und den starken Männern im Hintergrund um Matthias Dietz, Stefan Apfel und Jochen Knauer ist trotzdem einiges an Know-How vorhanden. Und jeder im HSC-Umfeld weiß, dass Jan Gorr auch am Schreibtisch mindestens so akribisch und fleißig wie in der Trainingshalle arbeiten wird.

Contra-Kommentar von Tageblatt-Redakteur Christoph Böger : Bleib bei deinen Leisten - Mareike wird's Dir danken

Trainingshose, Sponsoren-T-Shirt und ein Bändchen um den Hals. Daran hängt eine Karte mit einem großen B. Oft sachlich, ruhig und bestimmend. Manchmal mit feuerrotem Kopf, 240er Puls und empört auf die Platte stampfend - Handball-Trainer Jan Gorr.

Dieses Bild soll es künftig in der HUK-Arena nicht mehr geben - schwer vorstellbar!

Dafür abseits des Spielfeldes im feinen Zwirn, verantwortlich für Marketing, Vertrieb und Kommunikation. Personalrecht, Handelsrecht, Steuerrecht. Puh - das alles lernt man nicht auf Trainerseminaren. Geschäftsführer Gorr - das wird heikel, obwohl ihm viele die Professionalisierung der Strukturen zutrauen. Da ändert auch wenig daran, dass der 42-Jährige, der in den Fächern Mathematik, Biologie und Sport auf Lehramt (Gymnasium) studiert hat, den "gelb-schwarzen Laden" aus dem Effeff kennt.

Wenn dieser leidenschaftliche Handballtrainer tatsächlich seine frischgekürte Corona-Meister-Mannschaft einem Seiteneinsteiger überlässt, dann wartet eine Herkulesaufgabe auf den Neuen. Gorrs kleine Fußstapfen sind nämlich verdammt groß. Natürlich findet der HSC jemanden, der unter dem Aufstiegs-Trainer den (Abstiegs)- Trainer macht. Doch der wird im "Haifischbecken" 1. Liga schneller untergehen, als er glaubt.

Gorr fühlt sich wohl in der Vestestadt. Er pendelt meist im Dreieck: Albertplatz, Seifahrtshofstraße, Lauterer Höhe. Es bleibt sogar noch Zeit für Freundin Mareike. Die meisten Stunden verbringt er aber in der Geschäftsstelle. Und die wird derzeit umgebaut, soll bald im neuen Glanz erscheinen - sinnbildlich für den HSC. Hier und da gibt es noch ein paar kleine Baustellen. Teppichleisten fehlen, kleine Bilderrahmen mit den signierten Trikots stehen statt hängen. Auf dem künftigen Konferenztisch liegen ein paar Flyer und vier schicke gelb-schwarze Corona-Masken mit der Aufschrift "Aufsteiger 2019/2020". An diesem Tisch werden in den nächsten Tagen die Weichen gestellt. Es fallen die wichtigsten Personalentscheidungen der letzten Jahre.

Gorr gilt als "Arbeitstier", ist flexibel. Er meistert seinen Büroalltag als Sportlicher Leiter und steht mit Herzblut auf der Platte. Sein Terminkalender ist prall gefüllt. Wenn aber nicht mehr 50 bis 60, sondern als Geschäftsführer 70 bis 80 Stunden mit Sport verplant sind, bleibt diesem Handball-Verrückten kaum Zeit für etwas anderes.

Als Trainer prägt er den HSC Coburg und bringt ihn eindrucksvoll voran. Die Türen in Melsungen, Wetzlar oder Magdeburg stehen offen. Als Geschäftsführer gerät er dagegen schnell in die Mühlen des Managements. Deshalb: Schuster bleib bei deinen Leisten ...