Coburg
Basketball ProB

Nagelprobe für den BBC Coburg

Nach einem durchwachsenen Saisonstart ist der BBC gefordert. Geschäftsführer Wolfgang Gremmelmaier zieht ein erstes Fazit und kündigt eine Verstärkung an.
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Noch nicht wirklich überzeugen konnten die Coburger Basketballer unter der Leitung des neuen Trainers Ulf Schabacker (Mitte). An den Fähigkeiten des Coaches zweifelt Geschäftsführer Wolfgang Gremmelmaier aber in keiner Weise und spricht ihm eine Jobgarantie aus.  Foto: Hagen Lehmann
Noch nicht wirklich überzeugen konnten die Coburger Basketballer unter der Leitung des neuen Trainers Ulf Schabacker (Mitte). An den Fähigkeiten des Coaches zweifelt Geschäftsführer Wolfgang Gremmelmaier aber in keiner Weise und spricht ihm eine Jobgarantie aus. Foto: Hagen Lehmann
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Ruhig angehen lässt es Wolfgang Gremmelmaier auch im Jahr nach seiner Pensionierung nicht. Der sportbegeisterte 65-Jährige übernahm in diesem Jahr gleich zwei verantwortungsvolle Posten: Seit Februar ist der ehemalige Bankier Vorsitzender beim Fußball-Landesligisten FC Coburg, seit Juli Geschäftsführer der Coburger ProB-Basketballer.

Nachdem der BBC bereits vergangene Saison den sportlichen Klassenerhalt verfehlt hatte, läuft es mit einem Sieg und vier Niederlagen auch in dieser Spielzeit recht mäßig in Deutschlands dritthöchster deutscher Spielklasse. Im Tageblatt-Interview spricht Gremmelmaier über die Gründe des durchwachsenen Saisonstarts, seiner noch frischen Liebe zum Basketball und die Konkurrenzsituation in der Sportstadt Coburg. Herr Gremmelmaier, Sie sind Geschäftsführer bei den Basketballern des BBC Coburg und 1. Vorsitzender bei den Fußballern des FC Coburg. Beide Mannschaften stehen in ihren Ligen aktuell im Tabellenkeller knapp über dem Strich. Um welches Team machen Sie sich in puncto Klassenerhalt weniger Sorgen?

Wolfgang Gremmelmaier: Um den FC Coburg, da es in der Landesliga Nordost nur einen festen Absteiger gibt und der aller Voraussicht nach Sonnefeld sein wird. Und ich denke schon, dass die Mannschaft die Qualität hat, die Relegation zu überstehen, wenn sie denn überhaupt so weit nach unten rutschen sollte.

Kommen wir zum Basketball: Seit Juli sind Sie Geschäftsführer beim BBC Coburg. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Gut läuft aus meiner Sicht, dass wir eine professionell aufgestellte Mannschaft hinter der Mannschaft haben. Wir haben mit Ulf Schabacker einen sehr guten Trainer und mit "Jo" Wunder einen Co-Trainer, der viel für die Jugendarbeit macht und Konzepte für unseren Verein entwickelt - quasi ein Mädchen für alles. Mit Matt Haufer haben wir einen qualifizierten Sportlichen Leiter mit sehr guter Vernetzung. Dazu kommen gute Physiotherapeuten, mit Jutta Kurt eine erstklassige Fitnesstrainerin und viele hochmotivierte ehrenamtliche Helfer - also der Verein an sich und die Spielbetriebs GmbH ist sehr gut aufgestellt. Nicht befriedigend ist natürlich die sportliche Situation, wobei man fairerweise sagen muss, dass von den ersten vier Spielen eigentlich realistisch gesehen nur eins zu gewinnen war. Das haben wir in Würzburg verloren, dafür dann aber zu Hause gegen Elchingen gewonnen. Am Wochenende in Ulm haben wir eigentlich die erste richtig schlechte Leistung gezeigt.

Die aktuelle Situation ist auf dem ersten Blick vergleichbar mit der vergangenen Saison. Auch damals holte die Mannschaft nur einen Sieg aus fünf Spielen und verkaufte sich in den Spielen unter Wert. Was macht Ihnen trotzdem Mut, dass diese Spielzeit einen anderen Verlauf nehmen wird?

Die ersten vier Gegner waren bis auf Würzburg alles Topmannschaften. Gegen die zweiten Mannschaften der Bundesliga-Klubs ist es immer schwer zu spielen, da diese über einen sehr großen Kader mit hochtalentierten und motivierten Spielern verfügen, die sich präsentieren wollen. Das war in Ulm auch der Fall. Jetzt kommen mit Erfurt, Köln, Frankfurt II, Bayern II und Rhöndorf Mannschaften, gegen die wir die Punkte holen müssen. Das ist jetzt die Nagelprobe für unsere Mannschaft. Nach acht Spielen kann man dann die erste Zwischenbilanz ziehen und sehen, wo wir wirklich stehen. Ich bin optimistisch und denke schon, dass die Mannschaft ein Stück weit stärker als im letzten Jahr ist. Das hat sie ja auch schon in der Vorbereitung gezeigt, als sie teils gut gespielt hat.

Das große Problem im bisherigen Saisonverlauf ist die Offensive. 33 Prozent Feldwurfquote ist der schwächste Wert in der ProB ...

Dass die Wurfquoten so schlecht sind, überrascht die Coaches sehr, denn im Training treffen die Jungs wie die Weltmeister. Das Problem ist, dass die Spieler in den Spielen oft vor Situationen gestellt werden, in denen sie keine Lösungen finden und dann zum Schluss Würfe unter Zeitdruck nehmen müssen, die einfach schwierig sind. Da die Trainer der Meinung sind, dass das Spiel schon im Aufbau krankt, haben wir jetzt noch mal eine Ergänzung vorgesehen. Wir werden in den nächsten Tagen einen US-Amerikaner auf der Point-Guard-Position vorstellen, der Struktur in die Mannschaft bringt, die wir momentan vielleicht noch nicht haben.

Dann müsste wiederum US-Center Jason Penn auf der Tribüne Platz nehmen, weil ja ab dieser Saison nur noch ein Nicht-EU-Ausländer auf dem Spielberichtsbogen (Anm. d. Red.: 2017/18 waren es zwei) stehen darf. Was halten Sie von dieser Neuregelung?

Für mich ist das eine falsche Entscheidung, ich sehe das sehr kritisch. Man wird besser durch Wettbewerb und nicht durch Schonung. Man sieht das bei anderen Sportarten - dort, wo Wettbewerb herrscht, müssen auch die deutschen Nachwuchsspieler mehr tun, um nach vorne zu kommen. Wenn sie dazu bereit sind, schaffen sie es, wenn sie es nicht sind, schaffen sie es eben nicht. So sehe ich viele deutsche Spieler in der ProB mit guten Verträgen, die nicht so leistungsbereit sind, wie sie eigentlich sein sollten.

Vor knapp einem Jahr musste Aufstiegstrainer Simon Bertram nach einer Niederlagenserie seinen Hut nehmen. Wie groß ist die Rückendeckung für den aktuellen Coach Ulf Schabacker?

Ulf Schabacker ist gesetzt, er hat den sichersten Trainerjob in Oberfranken - lieber schicke ich die den einen oder anderen Spieler weg. An Ulf Schabacker liegt es definitiv nicht, er hat schon Tausend Mal bewiesen, dass er ein guter Trainer ist. Es gibt Trainer, die mit einer gewissen Systematik irgendwann am Ende sind. Andrea Trinchieri (Anm. d. Red.: Trainer bei Brose Bamberg von 2014 bis 2018) war ein Musterbeispiel. Die Art mit den Spielern umzugehen, war irgendwann verschlissen. Und dann gibt es Trainer, die taktisch oder in der Trainingsarbeit limitiert sind. Das trifft nicht auf Ulf Schabacker zu. Er ist zwar sehr emotional, geht aber mit den Spielern gut um und jeder bekommt immer wieder seine Chancen bei ihm. Sein Training ist unheimlich intensiv und gut, viele Spieler sagen, so intensiv hätten sie noch nie trainiert.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Zuschauerzuspruch bei den Heimspielen (Anm. d. Red.: knapp 600 Zuschauer im Schnitt)?

Mit den Zuschauerzahlen sind wir momentan nicht zufrieden. Das liegt natürlich auch an der letzten Saison, als die Mannschaft wenig überzeugend gespielt hat. Das Team muss erst das Vertrauen der Zuschauer erwerben, dabei war das Heimspiel gegen Schwenningen auch nicht gerade förderlich. Das Spiel gegen Elchingen dagegen schon, aber jetzt gab es leider wieder den Rückschlag in Ulm. Gegen Erfurt mit Wolfgang Heyder (Anm. d. Red.: Gesellschafter bei den Basketball Löwen Erfurt) steht jetzt ein Derby an, in dem beide Seiten mit dem Rücken zur Wand stehen, da hoffe ich natürlich auf die Unterstützung von vielen Zuschauern.

Was kann der Verein - abseits des sportlichen Erfolgs - noch tun, um mehr Zuschauer in die Arena zu locken?

Wir haben natürlich mit dem HSC einen sehr starken Lokalrivalen, der dieses Jahr einen attraktiven Handball spielt. Und die Leute haben natürlich auch nicht unendlich viel Zeit. Wir müssen sportlich in die Spur kommen und versuchen, an die Schulen und zu Unternehmen zu gehen und die jungen Menschen davon zu überzeugen, dass Basketball auch toll anzuschauen ist. "Jo" Wunder hat ein Schulkonzept mit dem Stadtjugendring entwickelt, das von der Stadt und dem Freistaat Bayern gefördert wird. Wir sind an sechs Schulen, machen dort Schulprogramme und versuchen dort, Basketball zu etablieren. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, den einen oder anderen als Nachwuchsspieler für uns gewinnen zu können.

Sie kommen ursprünglich ja aus dem Handballbereich. Wann entstand Ihre Begeisterung zum Basketball?

Ich bin seit fünf, sechs Jahren regelmäßig bei den Basketballspielen in Bamberg, seit drei Jahren verfolge ich das ziemlich intensiv. Basketball gefällt mir, weil der Sport athletisch ist und der Ball sehr schnell bewegt wird. Handball ist mir inzwischen zu physisch geworden und es gibt zu viele Spielunterbrechungen. Basketball ist flüssiger und aus meiner Sicht deshalb schöner anzuschauen.

Sie tauschen sich regelmäßig mit Michael Stoschek aus, der seit Jahren versucht, dass der Basketball in Deutschland in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird. Wo steht die Sportart Ihrer Meinung nach?

Dass sich ein solch erfolgreicher Unternehmer wie Michael Stoschek für den Basketball interessiert und engagiert, ist unglaublich wertvoll. Mit dem Eintritt der Bayern-Basketballer hat das Thema noch mal an Dynamik gewonnen. Die Zuschauerzahlen in der Basketball-Bundesliga sind quasi identisch mit denen der Handball-Bundesliga, in der 2. Liga sind die Zahlen im Basketball sogar besser. Bei den Budgets haben die Basketballer die Handballer schon längst überholt. Was die Wirtschaftlichkeit und die Zuschauerzahlen betrifft, braucht sich der Basketball also nicht zu verstecken. Wo der Handball sicher noch Vorteile hat, ist in der Breite: Es gibt viel mehr junge Handballspieler als Basketballspieler. Die Jugendarbeit ist viel breiter aufgestellt, da müssen der Basketball-Verband und die Vereine noch viel tun.

Am Samstag steht das wichtige Heimspiel gegen die Basketball Löwen Erfurt, die noch kein Spiel gewonnen haben, an. Wie geht es aus?

Es sind natürlich alle heiß auf dieses Derby. Ulf Schabacker und Wolfgang Heyder (Anm. d. Red.: Gesellschafter der Basketball Löwen) kennen sich ja bereits seit Jahrzehnten, Dino Dizdarevic und David Taylor haben letztes Jahr zusammen in Gotha in der Bundesliga gespielt - es gibt sehr enge Verflechtungen. Ich bin gespannt, wie das auf dem Feld ausgehen wird. Wir sollten gewinnen, vor allem weil wir zu Hause spielen.



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