Coburg

Nach Herzinfarkt: Dieter Kurth kämpft sich zurück

Fußballtrainer Dieter Kurth bereitet sich nach seinem Herzinfarkt derzeit in Bad Neustadt in der Frankenklinik wieder auf den Alltag vor. Ob er an die Seitenlinie zurückkehren kann, steht noch auf der Kippe.
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Dieter Kurths Zukunft auf der Trainerbank ist noch offen.
Dieter Kurths Zukunft auf der Trainerbank ist noch offen.
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Er spielte für die BSG Motor Suhl 1984/85 in der Oberliga, der höchsten Spielklasse des DDR-Fußball-Verbandes. Und er war torgefährlich, ein Mittelfeldspieler mit Esprit und Spielwitz. Jetzt prallt er einen kleinen Softball rhythmisch auf den Boden.

Dieter Kurth grinst dabei und trainiert gern mit der Herzsport-Gruppe in der Bad Neustadter Franken-Klinik. Zwar geht es dabei nicht ganz so dynamisch zur Sache wie noch vor einigen Wochen mit den Oldschdod in Bayreuth, doch diese Einheiten sind ebenfalls hart und vor allem herzlich.

Kegelbrüder als Schutzengel

Der 1,74 Meter große Kämpfer ist froh, überhaupt noch am Leben zu sein: "Ich hatte sehr viel Glück. Meine Kegelbrüder haben mir das Leben gerettet". Vor 33 Tagen wäre der Fußballtrainer bei einem tragischen Vorfall fast gestorben.

Es war ein Sonntagvormittag. Während eines Punktspiels in der Kegler-Kreisliga auf der Bahn in seinem Heimatort Gompertshausen erlitt der 52-Jährige einen Herzinfarkt, wurde von Mannschaftskollegen glücklicherweise reanimiert.

"Die Jungs wussten was zu tun ist und haben entsprechend reagiert, Notarzt und Herzdruckmassage. Innerhalb von wenigen Minuten war ich versorgt. Die schnelle Hilfe war entscheidend." Bei seinen Lebensrettern Siegbert Oehrl und Ronny Streich hat er sich längst bedankt. Er hatte Schutzengel.

In der Intensivstation erwacht

Doch von den Geschehnissen rund um die Kegelbahn weiß er nichts mehr. Der ehemalige Mittelfeld-Regisseur des VfL Frohnlach, der in einem Pokalspiel in Eicha einmal drei Elfmeter eiskalt verwandelte, ist erst am Montagabend im Klinikum Hildburghausen aufgewacht. Schläuche, das typische Piepsen der Intensivstation.
"Dort erfuhr ich, dass ich am Tag vorher zusammengebrochen bin und nur durch die Hilfe meiner Sportkameraden noch am Leben bin".

Die Diagnose war schockierend: Eine Herzkathederuntersuchung hat die Ursache seines Infarktes deutlich aufgezeigt. Teilweiser Verschluss eines Gefäßes und auftretende Herzrhythmusstörung. Während des künstlichen Komas wurden dem ehemaligen Dauerläufer zwei Stents ins angegriffene Gefäß eingesetzt.

Tod von der Schippe gesprungen

Dass er dem Tod gerade noch von der Schippe sprang, hat der "Retter des FC Eintracht Bamberg" - 2013 stieg er beim abstiegsbedrohten Regionalligisten erfolgreich als "Feuerwehrmann" ein - vermutlich seiner guten körperliche Konstitution zu verdanken.

"Mein sehr guter körperlicher Gesamtzustand hat es mir erlaubt, dass ich nach wenigen Tagen schon wieder sportlichen Aktivitäten nachgehen konnte". Dieter Kurth ist nämlich seit dem 7. Oktober in der Franken-Klinik Bad Neustadt zur Rehabilitation. Und er fühlst sich den Umständen entsprechend wohl.

Die Betreuung sei hervorragend und er könne sehr gut regenerieren. "Ich arbeite zusammen mit meinem Therapeutenteam täglich an meiner Belastungsfähigkeit".

Mit eisernem Willen

Sein Betreuer Waldemar Beck, ein speziell ausgebildeter Sport-Therapeut, lobt den ehemaligen Bamberger Regionalliga-Coach für seinen eisernen Willen, aber er fordert Dieter Kurth auch: Regelmäßig ist Pulskontrolle angesagt, Überwachung ist in diesem Fall tatsächlich lebensnotwendig.

Beim Tischtennis oder beim Nordic Walking hält Beck immer Blickkontakt und ein Defibrillator ist stets in unmittelbarer Nähe. Der lange Genesungsweg von Dieter Kurth ist abwechslungsreich. Der Champions-League-Dienstag hatte es so richtig in sich:

Um 8.30 Uhr 20 Minuten Ergometertraining, um 10 Uhr begann eine 80-minütige Nordic Walking-Einheit im Herbstwald nahe des Klinikums. Nach der Mittagspause gegen 13 Uhr war beim Gerätetraining ein Zirkel aufgebaut. Eine halbe Stunde, in der der Vollblut-Trainer nicht wie sonst üblich die Kommandos gab. Ab 14 Uhr war beim Qi Gong Erholung angesagt, bevor es ab 15 Uhr zur Physiotherapie ging. 20 Minuten Rückenschule.
"Nach einem Defibrillator-Einsatz oder einer Operation unter Narkose leiden natürlich die koordinativen Fähigkeiten", erklärt Beck, während sich die Patienten langsam am Boden strecken. Danach wird die Belastung noch einmal gesteigert.

Doch damit längst noch nicht genug. Ab 16 Uhr wurde in kleinen Gruppen mit dem Softball eine halbe Stunde Tennis gespielt. Kleine Erfolgserlebnisse und jeden Fortschritt feiert der Gompertshäuser innerlich dabei wie einst den Meistertitel 2008 mit dem TSV Großbardorf in der Bayernliga.

Abschließend noch einmal Blutdruck und Pulskontrolle. Nach dem Abendessen dann endlich die Bayern: 7:1 in Rom. Was für ein Tag in der Klinik.

Seine Reha läuft noch eine Woche bis zum nächsten Donnerstag, dann erfolgt eine weitere MRT-Untersuchung in Coburg. "Ich gehe davon aus, dass ich Ende des Jahres wieder im Arbeitsprozess stehen werde", ist Kurth zuversichtlich.

Natürlich haben ihn die letzten Tage und Wochen aber auch geprägt. Nicht das erstemal erlitt er einen Herzinfarkt, schon 1997 fiel er als Spielertrainer des SV Veilsdorf nach einem Punktspiel in der Dusche plötzlich um und wurde von seinen Kameraden reanimiert.

Ganz bestimmte Risikofaktoren

Kurth ist nachdenklich, wenn er sagt, dass ihm dieser erneute Fall wieder gezeigt hat, dass bestimmte Risikofaktoren die Auslöser koronarer Herzkrankheiten sind. "Man kann viele Dinge selbst beeinflussen und steuern. Bei mir hat sicher der Stressfaktor eine große Rolle gespielt". Seine wichtigste Erkenntnis dabei: "Bei aller Belastung muss immer die Entspannung und der Ausgleich zur Aktivität vorhanden sein". Ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung und ein gutes soziales Umfeld sind seiner Meinung nach die wichtigsten Komponenten, um einer Herzerkrankung vorzubeugen.

Rückkehr an die Seitenlinie?

Nach Aussage der Ärzte kann Dieter Kurth vielleicht bald wieder normal Sport treiben. "Das freut mich und macht natürlich Mut". Aufbauende Worte, respektable Fortschritte. Der Leiter einer Versicherungsagentur in Schalkau ist nämlich dafür bekannt, nie aufzugeben.

Hilfreich sind auf seinem Weg zurück in ein normales Leben auch die vielen Genesungswünsche, die er von Spielern, Trainerkollegen, Vereinsverantwortlichen, Arbeitskollegen, Freunden und Fans in einem großen Maß erhalten hat. Dieter Kurth war und ist eben ein sympathischer und bescheidener Zeitgenosse, der trotz seiner vielen Erfolge als Spieler und Trainer immer auf dem Boden geblieben ist. Und das schätzen die Leute an ihm.

Genesungswünsche von BFV-Präsident Koch

"Gefreut habe ich mich auch über einen Brief unseres Präsidenten des Bayerischen Fußballverbandes, von Dr. Koch". Und als "einmalig" bezeichnet der ehemalige DDR-Fußballprofi die Unterstützung der SpVgg Bayreuth und deren Verantwortlichen: "Es kam sofort das eindeutige Signal, dass man sich auf meine Genesung und Rückkehr auf den Trainerposten freut. Mit Christoph Starke konnte ein Kollege verpflichten werden, der die Mannschaft bis dahin betreut".

Allerdings steht das Engagement beim oberfränkischen Traditionsverein auf der Kippe. Die eigene Vitalität und seine Lebensqualität muss natürlich noch besser werden. Eine Entscheidung, ob Dieter Kurth die Oldschdod, wie er und die Fans seinen aktuellen Verein gerne bezeichnen, künftig weiter trainieren wird, ist seinen Worten zur Folge bis zum Jahresende abzusehen.

Heute in einer Woche darf Dieter Kurth Bad Neustadt bereits wieder verlassen. Ein Sportler, der das Herz sicher am rechten Fleck trägt. Drücken wir die Daumen, dass es noch lange schlägt.
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