Coburg

Marius Wolf und Pascal Köpke: Zwei Franken mischen die Bundesliga auf

Der Einberger Marius Wolf und der in Herzogenaurach aufgewachsene Pascal Köpke harmonierten im Hertha-Trikot beim Pokal-Achtelfinale auf Schalke prächtig - nur das Happy End blieb aus.
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Der 1:0-Führungstreffer von Hertha BSC Berlin in Gelsenkirchen war eine Koproduktion des Einbergers Marius Wolf (links) und Pascal Köpke. Der Berliner 27-Millionen-Einkauf Krzysztof Piatek (rechts) feiert mit. Foto:  Rolf Vennebernd, dpa
Der 1:0-Führungstreffer von Hertha BSC Berlin in Gelsenkirchen war eine Koproduktion des Einbergers Marius Wolf (links) und Pascal Köpke. Der Berliner 27-Millionen-Einkauf Krzysztof Piatek (rechts) feiert mit. Foto: Rolf Vennebernd, dpa

Es sah nach blindem Verständnis aus - und war es in gewisser Weise auch. Marius Wolf zündete in der 12. Minute auf der rechten Außenbahn den Turbo und fand mit einer scharfen, flachen Hereingabe im Fünfmeterraum Pascal Köpke, der mit links nur noch zum 1:0 für die Hertha einschieben musste.

Der Führungstreffer im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Schalke 04 war ein besonderes Tor für die beiden 24-Jährigen. Für Stürmer Köpke war es das erste Pflichtspieltor für den Hauptstadtklub, noch dazu von einem seiner Jugendfreunde vorbereitet. "Wir kennen uns ja schon ewig lang, ich habe gewusst, dass Marius den Ball da hin spielen wird", sagte Köpke nach der Partie bei "Hertha TV".

Köpke und Wolf: Fünf Jahre Seite an Seite beim 1. FC Nürnberg

Der Einberger Wolf und der gebürtige Hanauer Köpke liefen beim 1. FC Nürnberg fünf Jahre Seite an Seite in diversen Jugendmannschaften auf. 2012 beziehungsweise 2013 zog es beide in die bayerische Landeshauptstadt: Wolf wechselte zum TSV 1860 München, Köpke zur SpVgg Unterhaching. Während ihrer Münchner Tage verbrachten die beiden viel Freizeit miteinander, fuhren sogar gemeinsam in den Urlaub. Seit einigen Monaten sind die beiden Jugendfreunde wieder vereint - in der Bundesliga bei Hertha BSC Berlin. Am Dienstagabend standen beide im Pokal in Gelsenkirchen zum ersten Mal gemeinsam in der Berliner Startelf und harmonierten prächtig.

Köpke bereitete in der 39. Minute sogar noch das 2:0 des polnischen Star-Einkaufs Krzysztof Piatek vor. Trotzdem reichte es letztlich nicht für das Weiterkommen, Schalke setzte sich nach der Verlängerung glücklich mit 3:2 durch. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, standen defensiv relativ lange gut und haben vorne Akzente gesetzt. Darauf können wir aufbauen", resümierte Köpke. Der Sohn des deutschen Nationaltorwarts Andreas Köpke wurde zwar im hessischen Hanau geboren, verbrachte den Großteil seiner Kindheit und Jugend aber in Mittelfranken. Für fünf Jahre hatte er beim ASV und FC Herzogenaurach gespielt, ehe es ihn zum Club zog.

Gleich vier Spieler bei der Hertha haben fränkische Wurzeln

Nürnberger Vergangenheit im Hertha-Trikot weisen nicht nur Wolf und Köpke auf, sondern auch Niklas Stark (2004 bis 2015, geboren im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch) und Marvin Plattenhardt (2008 bis 2014). Das komplette Quartett mit fränkischen Wurzeln stand am Dienstagabend in der Startaufstellung von Coach Jürgen Klinsmann.

Seitdem der ehemalige Nationaltrainer das Ruder bei der Alten Dame Ende November übernommen hatte, scheint kein Akteur mehr seinen Stammplatz sicher zu haben. Zuletzt musste sogar Innenverteidiger Stark, immerhin Hertha-Kapitän und deutscher Nationalspieler, häufiger auf der Bank Platz nehmen. Wolf, der am letzten Tag des Sommertransferfensters zur Hertha gewechselt war, musste sich bei Klinsmann zunächst auch hinten anstellen, spielte zuletzt aber im rechten Mittelfeld dreimal in Folge von Anfang an.

Der Konkurrenzkampf in Berlin hat sich nach der Winterpause noch mal verschärft, schließlich investierte keine Mannschaft europaweit mehr in neues Personal. Krzysztof Piatek (AC Mailand), Santiago Ascacíbar (VfB Stuttgart), Matheus Cunha (RB Leipzig) und Lucas Tousart (Olympique Lyon, kommt erst im Sommer) ließ sich Hertha 78 Millionen Euro kosten - dem Investor Lars Windhorst sei Dank.

Marius Wolf indes wurde noch nicht fest verpflichtet, ist vorerst bis Saisonende von Borussia Dortmund ausgeliehen. Rund 20 Millionen Euro müsste Hertha BSC im Sommer für den Einberger auf den Tisch legen.

Gespräche darüber sollen im Laufe der Rückrunde folgen. Geht es nach Wolf, ist die Entscheidung bereits gefallen. "Ich habe große Lust zu bleiben. Ich fühle mich wohl. In der Stadt, im Team, im Verein. Das ist das Wichtigste für einen Spieler. Ich denke, wir werden eine gute Lösung finden", sagte der 24-Jährige vor wenigen Tagen gegenüber dem Berliner Kurier.

Auch für den neuen Übungsleiter findet er nur lobende Worte. "Jürgen Klinsmann erinnert uns daran, warum wir Fußball spielen und dass wir einen der schönsten Berufe der Welt haben. Wir verdienen unser Geld mit unserem Hobby", meint Wolf. "Manchmal vergisst man, wie geil es ist, vor 60 000 Zuschauern zu spielen. Er erinnert uns daran und gibt uns die nötige Lockerheit."

Teuchert trifft gegen Wehen

Im Aufwind befindet sich auch der zweite Coburger Fußballprofi, Cedric Teuchert. Nach einer langen verletzungsbedingten Zwangspause (Jochbeinbruch) steht der 23-Jährige endlich wieder für den Zweitligisten Hannover 96 auf dem Rasen. "Meine Situation vor der Winterpause mit der blöden Verletzung war nicht leicht. Ich habe versucht dranzubleiben. Der Trainer hat viel mit mir gesprochen und mir das Selbstvertrauen mit Worten zurückgegeben", sagte Teuchert bei "Hannover 96 TV".

In den ersten beiden Partien des Jahres (0:1-Niederlage in Regensburg, 2:2 gegen Wehen Wiesbaden) wurde der Coburger jeweils eingewechselt. Gegen Wiesbaden gelang Teuchert, der nach einer Stunde ins Spiel gekommen war, in der 87. Minute das vermeintliche 2:1-Siegtor. Der Stürmer sprang über die Werbebande und feierte den Treffer gemeinsam mit seinen Teamkollegen euphorisch vor der Nordkurve in der Hannoveraner Arena. "Nach dem Führungstreffer ist das Stadion fast explodiert, weil jeder erleichtert war, dass wir auch so ein Spiel drehen können", sagte Teuchert nach Spielschluss.

Doch es passt ins Bild der bisherigen Saison der Niedersachsen (aktuell Platz 14), dass Teucherts dritter Saisontreffer doch nicht den dringend benötigten sechsten Saisonsieg brachte. Die Hessen glichen in der letzten Spielminute zum 2:2 aus. "Wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir so ein Spiel dann nicht über die Bühne bringen", so Teuchert.

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