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Marius Wolf: Auf der linken Wade ist Platz für die "Salatschüssel"

Der 24-jährige Fußballprofi aus Einberg, lebt derzeit seinen Traum vom Gewinn der Meisterschaft mit dem BVB.
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Am 3. Spieltag traf Marius Wolf im Signal Iduna Park gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt. Er jubelt mit Mahmoud Dahoud und Axel Witsel (oben) über sein Tor zum 2:1.  Foto: Bernd Thissen/dpa
Am 3. Spieltag traf Marius Wolf im Signal Iduna Park gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt. Er jubelt mit Mahmoud Dahoud und Axel Witsel (oben) über sein Tor zum 2:1. Foto: Bernd Thissen/dpa

"Mir ist es völlig egal, wo ich spiele. Ich gebe auf jeder Position Vollgas." Marius Wolf hat ein neues Revier. Er kickt beim BVB jetzt in der Viererkette. Hinten rechts. "Das liegt mir", sagt der 24-jährige Dortmunder Bundesligaprofi. Im Pott ist der aus Einberg stammende Hochgeschwindigkeits-Fußballer längst angekommen: "Hier ist es überragend"!

Apropos Pott. Den hat sich der junge Mann mit der Nummer 27 auf dem Rücken auf die rechte Wade tätowieren lassen. Schließlich ging der sensationelle DFB-Pokalsieg gegen die Münchner Bayern unter die Haut. Sein bisher größter Erfolg. Ein weiterer Titel soll demnächst dazukommen. Wolf will mit den Borussen Deutscher Meister werden: "Auf meiner linken Wade wäre noch Platz für die Salatschüssel", schmunzelt einer, der letztes Jahr sechs Tore schoss und elf Treffer für die Frankfurter Eintracht vorbereitete.

"Wir werden alles reinpfeffern"

Seine Dynamik und sein Torhunger beeindruckten auch Lucien Favre. Im Sommer 2018 unterschrieb er einen Fünf-Jahres-Vertrag. Und gleich in seiner ersten Saison könnte der ganz große Coup gelingen. Dass sein Team den einst komfortablen Neun-Punkte-Vorsprung auf die Bayern inzwischen verspielt hat ("Vielleicht waren wir nach der Winterpause nicht mehr so zielstrebig"), davon will er nichts mehr wissen: "Unsere Situation ist nicht schlecht. Wir werden in München alles reinpfeffern.

Das Spiel ist sicher richtungsweisend. Aber entschieden wäre auch danach noch nichts - in keine Richtung." Mit München verbindet Wolf trotz seiner sportlich nicht so glorreichen Phase beim TSV 1860 München schöne Erinnerungen. "Ich fliege manchmal nach München und treffe mich mit meinen Freunden aus Löwen-Zeiten." Die Jungs hätten viel Zeit - "Studenten halt". Ab und zu besuchen sie ihn auch im Revier. Dann wird fleißig gezockt. Aber auch mit seinen Mitspielern Julian Weigl und Manuel Akanji verbringt er gerne Zeit.

Keine Sekunde beim BVB bereut

Viel Freizeit bleibt dem ehrgeizigen Energiebündel aber nach eigenen Worten nicht. Der Wechsel zu Borussia Dortmund sei ein großer Schritt gewesen: "Frankfurt war schon toll, aber hier ist noch einmal alles größer. Ich wusste, dass es schwer wird, aber ich habe bis jetzt keine Sekunde bereut."

Er schätzt seinen Trainer Lucien Favre und lobt im gleichen Atemzug den Ex-Coach und jetzigen Bayern-Trainer Niko Kovac: "Beide arbeiten akribisch und auf hohem Niveau. Ich habe von beiden viel gelernt." Und das obwohl er in der Vorrunde nur selten zur Anfangself gehörte. "Die Konkurrenz ist riesengroß und Verletzungen kamen zu unglücklichen Zeitpunkten, aber ich lerne jeden Tag dazu."

Mit großem Interesse verfolgt Marius Wolf natürlich auch die Entwicklung der Nationalmannschaft. Dass derzeit so viele "Junge Wilde" bei Jogi Löw ran dürfen, gefällt ihm. "Für jeden Fußballer ist es das Größte, eines Tages für sein Land auflaufen zu dürfen." Doch davon ist er derzeit noch so weit entfernt wie sein Ex-Klub Hannover 96 vom Klassenerhalt. Dort wurde er im Herbst 2016 von den Profis ins Regionalliga-Team versetzt.

Immer hungrig und bissig

Das hat ihn geprägt und gestählt gegen Rückschläge. Inzwischen gibt er stets alles, läuft sich die Lunge aus dem Hals, ist bissig und immer hungrig. Er macht seinem Namen alle Ehre.

Stolz auf Wolf sind die Leute in seiner Heimat. Einberg begrüßt seinen Pokalhelden auf mehreren überdimensionalen Werbetafeln. "Ja, beim Senit-Kreisel von Waldsachsen kommend steht eine und auch beim Annawerk an der Bahnschranke." Wolf hat trotz seines rasanten Aufstieges nie die Bodenhaftung verloren.

Auch der Kontakt zu den "Rothosen" reißt nicht ab. Mit Cousin Felix schreibt er regelmäßig, mit den Eltern telefoniert er. Er weiß, wie der VfB Einberg am letzten Wochenende gespielt hat: "1:0 gegen FC Coburg in der Kreisliga gewonnen", kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Erstmals kickten die "Rothosen" in dem von ihm spendierten Trikot. Ein Jubelbild aus der Kabine bekam er am Sonntagabend von seinem Cousin aufs Handy. Und wer weiß, vielleicht revanchiert sich der Profi in einigen Wochen mit einem Jubelbild aus der BVB-Kabine. Zuzutrauen wäre ihm die "Salatschüssel" auf jeden Fall, schließlich weiß er aus jüngster Vergangenheit ganz genau, wie man gegen die Bayern "fette Beute" macht...

"Marius hat Coburg im Finale mit einem Traumtor fast alleine besiegt"

Thomas Krug, D-Jugendtrainer von Marius Wolf bei der JFG Rödental, erinnert sich noch ganz genau:

"Marius hatte zwei Jahrgänge übersprungen und spielte als 13-Jähriger in der C1 Bezirksoberliga gegen 15-Jährige. Er war damals schon ein außergewöhnlicher Spieler mit wahnsinnigem Ehrgeiz.

Sein Vater musste oft bei zusätzlichen Laufeinheiten nach Thierach herhalten. Bei der D-Jugend-Hallenkreismeisterschaft 2008/2009 besiegte Marius im Endspiel den DVV Coburg mit einem Traumtor fast im Alleingang. Auch im Bezirk war Marius überragend. Die Scouts des 1. FC Nürnberg ließen uns keine Ruhe mehr. Sie wollten alles über ihn wissen. Vorerst spielte er aber gemeinsam mit meinem Sohn noch in der Deutsch-Tschechischen Fußballschule. Zusätzlich zweimal pro Woche parallel zum JFG-Training Sondereinheiten in Hof oder Rehau."

Für Marius Wolf folgten Turniere in Tschechien, Polen, England und Spiele gegen Topteams aus vielen Ländern sowie Vergleiche mit dem FC Bayern München, 1. FC Nürnberg, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen. Nach knapp drei Jahren wechselte er im Winter zum Club.

München, Hannover, Frankfurt

Über die Stationen TSV 1860 München, Hannover 96 und Eintracht Frankfurt führte sein Weg im Sommer 2018 nach Dortmund. Krug ist überzeugt, dass Wolf dank seines unheimlichen Ehrgeizes, zusätzlich zu seinem Talent, der Bereitschaft schon ab der E-Jugend sich gegen zwei Jahre ältere Spieler durchzusetzen, die Grundlage für seine Profikarriere geschaffen hat.

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