Coburg
2. Handball-Bundesliga

Lübeck-Schwartau zermürbt HSC

Der HSC 2000 Coburg verliert nach einer vor allem in der ersten Halbzeit schwachen Vorstellung gegen Lübeck-Schwartau deutlich mit 23:28. Die Gäste zermürbten die Coburger mit ihren lang ausgespielten Angriffen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der erstmals wieder ausgelegte Bundesliga-Boden brachte dem HSC 2000 Coburg um Jakob Knauer (beim Wurf) am Samstagabend gegen Lübeck-Schwartau kein Glück.  Hagen Lehmann
Der erstmals wieder ausgelegte Bundesliga-Boden brachte dem HSC 2000 Coburg um Jakob Knauer (beim Wurf) am Samstagabend gegen Lübeck-Schwartau kein Glück. Hagen Lehmann
+9 Bilder

Der Vorsprung des HSC 2000 Coburg in der 2. Handball-Bundesliga auf Nichtaufstiegsplatz 3 ist auf einen Zähler geschmolzen. Im Heimspiel gegen den VfL Lübeck-Schwartau geriet der HSC frühzeitig klar in Rückstand und unterlag in der erstmals wieder mit dem blauen Erstligaboden ausgelegten HUK-Arena unter den Augen des tschechischen Nationalspielers Stepan Zeman, Neuzugang für die kommende Saison, verdient mit 23:28. Im Duell der Verfolger zwischen der HSG Nordhorn-Lingen und dem ASV Hamm-Westfalen gewann die HSG knapp mit 28:27.

Die Mannschaft von Jan Gorr bot ihr schwächstes Heimspiel der Saison, sah gegen das Abwehrbollwerk der Gäste, die während des Spiels mit Martin Waschul (muskuläre Verletzung) und Jan Schult (Knieprellung) zwei Akteure ersetzen mussten, keinen Stich.

Auch nach der Pause kam Coburg in keinen Rhythmus, obwohl der Gegner sogar vier Strafwürfe ausließ, aber sonst sehr konsequent mit seinen Chancen umging. "Da hatten wir ein paar Phasen, in denen wir hätten auf zwei Tore verkürzen können. Dieser Big Point ist uns nicht gelungen", zeigte sich Gorr nach der Partie enttäuscht. Bereits am Gründonnerstag hatte Spitzenreiter HBW Balingen-Weilstetten beim EHV Aue verloren, so dass sich der Abstand zu Platz 1 sich nicht verringert hat und weiter drei Punkte beträgt. HSC 2000 Coburg - Lübeck-Schw. 23:28 (11:16)

In der zwei Minuten zu früh angepfiffenen Partie mussten die Fans des HSC schon fast fünfeinhalb Minuten auf den ersten Treffer ihrer Mannschaft warten. Für Lübeck eröffnete Antonio Metzner, der kommende Saison für den HC Erlangen in der 1. Liga auf Torejagd gehen wird, aus dem rechten Rückraum den Torreigen. Von einer Torejagd waren die Coburger weit entfernt. Sie taten sich gegen die besonders am Kreis hart zupackende Gästeabwehr schwer, die sehr aufmerksam agierte und mehrere Coburger Querpässe abfing.

Bis der erste gute Spielzug beim HSC saß, dauerte es zehn Minuten. Diesen vollendete Sebastian Weber am Kreis nach schönem Anspiel von Anton Prakapenia. Doch die Fehlerquote im Aufbauspiel blieb hoch, die Anspiele an den Kreis waren oft zu riskant und Pässe weiter nicht gut getimt. Was durchkam, wurde oft eine Beute von Dennis Klockmann im Lübecker Tor.

Nach ungeahndetem Schrittfehler des Gegners gab es zudem die erste Zeitstrafe gegen den HSC. Da liefen die Coburger bereits vier Toren Rückstand hinterher, Jan Gorr rief zur Auszeit. Drei Treffer in 15 Minuten sind ein deutliches Indiz, woran es bis dato haperte. Zudem kassierte Coburg einige vermeidbare Gegentore.

Nur gute drei Minuten nach der ersten Auszeit musste Gorr zur nächsten Timeout greifen, sein Team lag mit sieben Toren in Rückstand, lud den Gegner mit Fehlpässen zum Kontern ein. Die Lübecker Trefferquote war zu diesem Zeitpunkt fast doppelt so hoch. Sie hatten beim Ausspielen ihrer Angriffe alle Zeit der Welt, warteten auf die finale Chance. Daran sollte sich bis zum Abpfiff auch nichts ändern: "Die Gäste haben gezeigt, was man mit Geduld erreichen kann", stellte Gorr nach der Partie fest.

Auch die Unparteiischen brachten die Coburger Fans gegen sich auf. Der HSC-Anhang machte sich mit "Schieber"-Rufen Luft. Am Ende der ersten Halbzeit sicherte sich Max Jaeger einen abprallenden Ball vom Tor, und nur vier Sekunden später befand sich Coburg im Zeitspiel. Das ist insoweit bemerkenswert, da Lübeck oft sehr lange passen durfte, bis ein Zeitspiel angezeigt wurde. Doch das größte Manko waren die HSC-Gegenstöße - denn die waren nicht vorhanden. Aber genau diese hätte man gegen die Lübecker Abwehr gebraucht.

Hoffnung keimt kurz auf

Der Auftakt in den zweiten Durchgang ging daneben, respektive der Wurf von Prakapenia über das gegnerische Gehäuse. Doch dann lief der erste Konter und brachte Coburg auf drei Tore heran. Jetzt war Stimmung in der Bude, denn nach einem erneuten Gegentreffer, ließ Florian Billek nach schönen Doppelpass mit Felix Sproß den nächsten Treffer folgen. Strohfeuer oder mehr? Auf jeden Fall ging der HSC jetzt deutlich energischer zu Werke, aber die mindestens drei Tore Abstand hatten zu lange Bestand.

Einem tollen Kempa-Trick von Sproß, dem mehrere Stationen vorausgegangen waren, blieb die Vollendung versagt. Aber es wurde um jeden Ball gekämpft, mächtig Dampf gemacht, wenn es möglich war. Doch das Coburger Spiel blieb zu fehlerhaft, um eine echte Aufholjagd zu initiierten. "Uns hat die Kaltschnäuzigkeit und Cleverness gefehlt", stellte Gorr fest.

Hinzu kamen die unheimlich lange ausgespielten Angriffe der Gäste, die sie zudem meist erfolgreich abschlossen, mehrmals mit dem vorletzten oder letzten Pass bei den Zeitspielen. Als dann beim 20:23 wieder die Option vorhanden war, auf zwei Tore zu verkürzen, wartete nicht nur Jakob Knauer auf den Pfiff, als er beim Wurf von hinten geschoben wurde.

Doch irgendwie hatte sich an einem schwachen HSC-Tag vieles verschworen. Auch in der Folge kamen zu viele Pässe im Angriff nicht an. Es war zu spüren, wie die kräftezehrende Aufholjagd Coburg zusehends zermürbte. So recht ins Bild passte die letzte Aktion der Partie, als sich Tobias Varvne durchtankte und dann frei an Klockmann scheiterte. Doch die Partie war bereits fünf Minuten zuvor entschieden.

HSC 2000 Coburg - VfL Lübeck-Schwartau 23:28 (11:16)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (10 Gegentore, 3 Paraden), Konstantin Poltrum (18 Gegentore, 7 Paraden); Markus Hagelin, Maximilian Jaeger (1), Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß (1), Sebastian Weber (3), Anton Prakapenia (5), Florian Billek (5/3), Marcel Timm, Jakob Knauer (2), Pontus Zetterman (1), Tobias Varvne (3), Patrick Weber (2)Trainer: Jan Gorr

VfL Lübeck-Schwartau: Marino Mallwitz (n.e.), Dennis Klockmann (23 Gegentore, 11 Paraden); Thees Glabisch (4/1), Jonas Ottsen (2), Toni Podpolinski, Markus Hansen (6/1), Fynn Ranke (1), Martin Waschul, Jan Schult, Steffen Köhler (6), Janik Schrader, Finn Kretschmer (2), Jasper Bruhn, Antonio Metzner (7) Trainer: Gerrit Claasen, Jörg Engelhardt.

SR: Nils Blümel / Jörg Loppaschewski

Spielfilm: 0:2 (4.), 2:3 (7.), 2:4 (10.), 3:6 (12.), 3:7 (15.), 4:11 (18.), 6:12 (21.), 7:14 (25.), 9:15 (28.), 11:16 - 13:16 (34.), 15:19 (39.), 16:20 (43.), 18:21 (46.), 19:22 (48.), 20:23 (49.), 20:24 (52.), 21:26 (53.), 22:27 (58.), 23:28.

Zuschauer: 2231

Siebenmeter: 3/3 - 2/6(Glabisch trifft die Latte, Schrader, Hansen und Glabisch scheitern an Poltrum)

Strafminuten: 6 (Prakapenia, Timm, P. Weber) - 12 (Metzner 4, Köhler 4, Kretschmer, Hansen)

Beste Spieler: Prakapenia, Billek - Hansen, Metzner

Stimmen zum Spiel

Jan Gorr (HSC-Trainer): "Wir hatten einen Gegner noch nie so oft im Zeitspiel. Lübeck hat unfassbar diszipliniert gespielt, konnte aber auch frei aufspielen. Uns ist heute alles schwer gefallen, wir hatten viele technische Fehler." Gerrit Claassen (VfL-Trainer): "Mein Team ist mit sehr großem Ehrgeiz und Einsatzwillen an die Partie herangegangen. Wir hatten vor der Pause deutlich weniger technische Fehler als der HSC und haben unsere taktische Linie bis zum Ende durchgehalten." Felix Sproß (HSC-Linksaußen): "Die Partie müssen wir jetzt schnell abhaken und nach vorne schauen auf die beiden Derbys."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren