Witzmannsberg

Kevin Krawietz vor den Australian Open: "Man leidet mit"

Früher als erwartet nimmt der Witzmannsberger in Melbourne am Donnerstag die Vorbereitungen für die Australian Open auf. Die Metropole versinkt in einer riesigen Rauchwolke, Krawietz zeigt sich von der Naturkatastrophe betroffen.
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Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies starten im Doppel als Mitfavoriten in die Australian Open.  Foto: Albert Perez/AAP/dpa
Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies starten im Doppel als Mitfavoriten in die Australian Open. Foto: Albert Perez/AAP/dpa

Vom "Happy Slam", wie die Australian Open auch genannt werden, ist in diesen Tagen nicht viel zu sehen. Eine dicke Rauchwolke infolge der verheerenden Buschbrände steht über Melbourne und sorgt dafür, dass an ein "normales" Grand-Slam-Turnier kaum zu denken ist. Mit gemischten Gefühlen reist daher am Donnerstag der Witzmannsberger Tennisprofi Kevin Krawietz in die Fünf-Millionen-Metropole an der Südostküste Australiens. "Man weiß nicht genau, was einen in Melbourne erwartet.

Ich hoffe natürlich, dass sich die Situation verbessert", sagte er im Telefongespräch mit dem Tageblatt am Mittwoch. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der 27-Jährige noch in Adelaide, etwa 800 Kilometer westlich von Melbourne gelegen. Dort wollte er eigentlich noch bis zum Wochenende bleiben, doch das Erstrunden-Aus mit Partner Andreas Mies beim ATP-Turnier gegen Nikola Mektic (Kroatien) und Wesley Koolhof (Niederlande) "zwang" die French-Open-Sieger zu einer früheren Anreise nach Melbourne.

In Adelaide habe Krawietz von den Auswirkungen der Brände nichts gespürt. "Die Luft dort war in Ordnung, aber das liegt natürlich immer an der Windrichtung", sagt er. "Bilder wie aus Melbourne kenne ich bisher auch nur aus den Nachrichten. Es ist sehr bitter, was Australien gerade erleben muss. Man leidet mit."

Trotz der starken Rauchbelastung und gesundheitlicher Zwischenfälle - die Slowenin Dalila Jakupovic gab in der ersten Qualifikationsrunde nach einem Hustenanfall auf - halten die Turnierchefs vorerst an den Australian Open in der geplanten Form fest. "Am Ende muss die Gesundheit an erster Stelle stehen. Wenn es überhaupt nicht geht, sollte das Turnier entfallen oder zumindest um einige Tage verschoben werden", meint Krawietz.

Wenn die Qualifikation, die sich bereits verzögert hat, bis zum Wochenende regulär über die Bühne gehen kann, startet das Hauptfeld am kommenden Montag. Krawietz wird mit Doppelpartner Andreas Mies (Köln) voraussichtlich am Mittwoch oder Donnerstag ins Turniergeschehen eingreifen.

Vorbereitung: kurz, aber knackig

Die bisherigen vier Auftritte (drei beim ATP Cup in Brisbane und einer in Adelaide) im neuen Kalenderjahr der French-Open-Sieger waren mit nur einem Erfolg eher durchwachsen. "Wir hätten in Adelaide natürlich gerne noch ein paar Matches gehabt, um uns besser einzuspielen", sagt Krawietz hinsichtlich der 6:7, 2:6-Niederlage gegen das Weltklasse-Doppel Mektic/Koolhof. "Ganz so schlecht war das Match aber nicht. Im ersten Satz waren wir gefühlt sogar besser, aber wie es am Ende im Doppel so oft ist, entscheiden dann ein oder zwei Punkte."

Kurz wie nie war für den Witzmannsberger nach seinem grandiosen Jahr 2019 die Winterpause. Da Krawietz und Mies im November noch bei den ATP Finals in London und beim Davis Cup in Madrid im Einsatz waren, blieben den beiden Deutschen gerade einmal vier Wochen Zeit, um sich zu erholen und auf die neue Saison vorzubereiten.

Krawietz verbrachte den ersten Teil seiner Pause mit seiner Lebensgefährtin Judit, die ihn auch in Australien begleitet, im Strandurlaub in Thailand. Im Anschluss gab er in München mit seinem Trainer Klaus Langenbach auf dem Tennisplatz Gas. "Im Urlaub einfach mal abzuschalten, tat mir sehr gut. Die Vorbereitung war kurz, aber knackig. Zwei Wochen mehr wären mir natürlich lieber gewesen", erklärt Krawietz.

Anstatt sich wie üblicherweise zunächst auf die Fitness und dann auf die tennisspezifischen Übungen zu konzentrieren, versuchte der Witzmannsberger mit seinem Coach diesmal, beides zu kombinieren. Neben vielen Wiederholungen von Aufschlägen und Returns standen vor allem Spielformen für die im Doppel so wichtigen Übergänge ans Netz im Fokus. Obwohl die Konzentration im Training größtenteils dem Doppel galt, duellierte sich Krawietz auch einige Mal mit Landsmann Julian Lenz im Einzel. "Für die Spritzigkeit ist das Training des Einzels wichtig, weil man sich hier deutlich häufiger von links nach rechts bewegt", erklärt der Witzmannsberger.

Im Gegensatz zum Gießener Lenz, der am Mittwoch in der ersten Qualifikationsrunde in Melbourne ausschied, plant Krawietz in diesem Jahr nicht mit Auftritten im Einzel. "Es ist einfach schwierig mit dem Doppel zu kombinieren."

Krawietz startet auch im Mixed

Bei den großen Turnieren, so auch bei den Australian Open, wird Krawietz trotzdem in einer zweiten "Disziplin" starten: dem Mixed. In Melbourne schlägt der Franke gemeinsam mit der Tschechin Lucie Hradecka auf. Die 34-Jährige rangiert aktuell auf Platz 28 der Doppel-Weltrangliste der Damen.

Vor sieben Jahren gewann Hradecka mit ihrem Landsmann Frantisek Cermak das Mixed-Turnier der French Open. Den Kontakt zur Tschechin stellte Julia Görges her. Gemeinsam mit der 31-jährigen Deutschen will Krawietz bei entsprechender Qualifikation im Sommer bei den Olympischen Spielen in Tokio um die Medaillen kämpfen.

Nummer 1 der Welt ist das Fernziel

Doch der Witzmannsberger will sich in diesem Jahr nicht nur seinen olympischen Traum erfüllen, sondern auch noch um einige Plätze in der Doppel-Weltrangliste (aktuell Rang 8) nach oben klettern.

"Wenn man erst einmal in den Top 10 steht, ist es logisch, dass man irgendwann die Nummer 1 der Welt werden will", setzt sich Krawietz hohe Ziele, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren. "Es kann genauso schnell auch wieder nach unten gehen. Wir dürfen nicht nachlassen, müssen weiter professionell bleiben und unser Spiel verbessern. Die Kunst im Tennis ist es, sein Niveau konstant über ein Jahr zu bringen."

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