Witzmannsberg
Tennis

Nach Triumph in Paris: Franke in Weltspitze angekommen

Der Witzmannsberger und sein Partner Andreas Mies vollenden ihr Tennis-Märchen bei den French Open mit einem Zwei-Satz-Sieg im Finale gegen die Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin. Das deutsche Duo verzückte die Öffentlichkeit nicht nur mit seinen Qualitäten auf dem Platz.
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Konnten ihr Glück kaum fassen: Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies kurz nach ihrem großen Triumph in Paris.  Fotos: Pavel Golovkin/AP/dpa
Konnten ihr Glück kaum fassen: Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies kurz nach ihrem großen Triumph in Paris. Fotos: Pavel Golovkin/AP/dpa

Es ist erst einige Wochen her, als Kevin Krawietz mit seiner Freundin Judit gemütlich zusammensaß und sie ihn fragte, ob er denn daran glaube, mal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. "Ich habe ihr geantwortet, dass ich schon daran glaube, aber sicher nicht bei den French Open", erzählt der 27-Jährige aus dem Ahorner Gemeindeteil Witzmannsberg. Seit Samstagabend weiß Krawietz, der sich genauso wie sein Kölner Doppelpartner Andreas Mies auf Rasen wohler als auf Sand fühlt, dass dies eine Fehleinschätzung war - sicher eine, mit der er gut leben kann.

Denn sensationell erkämpften sich Krawietz und Mies im Doppel-Finale der French Open gegen die Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin mit 6:2, 7:6 (siehe Spielbericht unten) den Titel und zusammen ein stolzes Preisgeld von 580 000 Euro. In der Doppel-Weltrangliste machte der 1,91 Meter große Profi einen riesigen Satz nach vorne - von Position 48 auf 21.

Die Trophäe auf dem Nachttisch

Als sich Krawietz am Pfingstmontag eine halbe Stunde Zeit für ein Gespräch mit dem Tageblatt nimmt, ist er bereits wieder in seiner Wahlheimat München. So richtig realisieren kann er seinen Erfolg auch 40 Stunden danach noch nicht - auch wenn die Siegertrophäe (ein verkleinertes Duplikat) nur wenige Zentimeter von ihm entfernt auf dem Nachttisch steht. "Die bekommt natürlich noch einen Ehrenplatz im Wohnzimmer", sagt er. "Es ist wirklich unglaublich und schwierig zu realisieren. Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich an das Match und den Moment danach denke. Auf der Zugfahrt am Sonntag konnte ich mir erste Gedanken machen, was der Titel bedeutet. Da habe ich dann auch erste Berichte gelesen und Nachrichten beantwortet."

Bis er alle Glückwünsche gelesen hat, werde es aber noch etwas dauern, meint Krawietz. Als er am Sonntagmorgen aufstand, hatte er alleine rund 200 Whatsapp-Nachrichten auf seinem Handy - unter den Gratulanten war beispielsweise auch der Coburger Fußballprofi Cedric Teuchert. Im sozialen Netzwerk Instagram hat sich die Anzahl seiner Follower in wenigen Tagen verdoppelt - auf mittlerweile über 3000.

Lieblinge der Medien

Die nationalen und internationalen Medien haben das fränkisch-rheinische Duo in den vergangenen Tagen liebgewonnen, Krawietz und Mies können sich vor Interviewanfragen kaum retten. "Für uns ist diese Situation mit den Medien absolut neu, da ist eine richtige Welle auf uns zugekommen. Aber wir finden das überhaupt nicht lästig", sagt er. Und es ist wohl genau die frische, unverbrauchte Art der beiden Deutschen, die in der Öffentlichkeit so gut ankommt.

Ein Beispiel: Auf der Pressekonferenz wenige Minuten nach ihrem Triumph fragte Mies seinen Doppelpartner, was er denn kann, was andere nicht können. "Fränkisch. Du siehst gut aus, ich habe vielleicht Humor. Und wir haben dieselben Klamotten", sagte Krawietz verschmitzt. Auf die Frage, was die beiden denn so stark mache, entgegnete der Witzmannsberger: "Ich glaube, wir ergänzen uns ganz gut. Er räumt vorne die Sachen ab. Da kannst du eine Kanonenkugel drauf schießen, dann räumt er die weg, das ist ihm völlig wurscht."

So gelöst die beiden Deutschen nach ihrem Triumph auch waren, so nervös waren sie zwei Stunden zuvor, wenige Minuten bevor sie den Center Court in Paris betraten. "Ich musste die Viertelstunde vor dem Match, glaube ich, viermal auf Toilette. Andi hat gesagt, ihm geht es okay, aber danach hat er zu mir gesagt, dass er genauso aufgeregt war", erzählt Krawietz. Aufregung, die spätestens nach dem ersten Spiel verflogen war, denn das deutsche Duo erwischte mit einem Break einen Start nach Maß. Bereits nach 85 Minuten Spielzeit war die Sensation gegen das französische Doppel perfekt.

Krawietz/Mies spielten ein bemerkenswertes Turnier, mussten in sechs Partien lediglich zwei Sätze (Achtel- und Viertelfinale) abgeben. "Am Anfang mussten wir allerdings zittern, denn Andi hatte eine Nackenzerrung, aber wir haben uns in der 1. Runde durchgewurschtelt", sagt Krawietz.

Die Schlüsselpartie war für den 27-Jährigen das Achtelfinale, als die Deutschen gegen das an Nummer 4 gesetzte Doppel Oliver Marach/Mate Pavic den ersten Satz verloren hatte, aber die Partie schließlich noch mit einer Energieleistung drehten. Nach zwei weiteren Siegen war der Finaleinzug perfekt. "Wir haben schon vor dem Endspiel gescherzt, dass uns das eigentlich alles viel zu schnell geht. Dass wir auf einem guten Niveau spielen, haben wir spätestens im letzten Jahr bei Wimbledon bewiesen, aber der Titelgewinn kam fast aus dem Nichts", sagt er.

Umso schöner und ausgelassener war die Party im Anschluss. Der Tross um Krawietz wurde ab dem Halbfinale immer größer, unter anderem jubelten seine Freundin, seine Eltern, Schwester, Schwager, Neffe und zahlreiche Freunde mit. "Mich hat die Stimmung am Abend etwas an das WM-Finale 2014 erinnert, natürlich in einem kleineren Rahmen. Es hat richtig Spaß gemacht. Gegen 3 Uhr hat das Restaurant zugemacht, das hat mir dann aber auch gereicht", sagt Krawietz grinsend.

Heimatbesuch am Donnerstag

Abgeschlossen sind die Feierlichkeiten aber noch nicht ganz. Am Donnerstag stattet Krawietz seiner Coburger Heimat einen zweitägigen Besuch ab. Nächste Woche geht es für ihn und Mies dann bereits mit dem ATP-Turnier in Halle/Westfalen, den Noventi Open (ehemals Gerry Weber Open), weiter.

Der Weg zum Titel

1. Runde Runde gegen Arthur Rinderknech (FRA)/Manuel Guinard (FRA) 7:5, 6:4 2. Runde gegen Nicolas Mahut (FRA)/Jürgen Melzer (AUT) 6:4, 6:4 Achtelfinale gegen Oliver Marach (AUT)/Mate Pavic (CRO) 5:7, 6:3, 7:5 Viertelfinale gegen Dusan Lajovic (SER)/Janko Tipsarevic (SER) 6:1, 6:7 (4:7), 7:6 (7:3) Halbfinale gegen Guido Pella (ARG)/Diego Schwartzmann (ARG) 7:5, 6:3 Finale gegen Jeremy Chardy (FRA)/Fabrice Martin (FRA) 6:2, 7:6 (7:3)

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