Witzmannsberg
Tennis

Kevin Krawietz ist auf Rockys Spuren

Für den Witzmannsberger steht mit Partner Andreas Mies ab Mittwoch das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres, die US Open, an. Zuletzt gönnte sich der 27-Jährige eine kleine Trainingspause und besuchte einen berühmten Filmschauplatz in Philadelphia.
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Kevin Krawietz an der berühmtem "Rocky-Treppe" und vor der Statue des Boxers in Philadelphia.  Fotos: privat
Kevin Krawietz an der berühmtem "Rocky-Treppe" und vor der Statue des Boxers in Philadelphia. Fotos: privat
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290 000 Euro hat Tennisprofi Kevin Krawietz für seinen French-Open-Sieg im Doppel Anfang Juni eingestrichen. Ein Geldregen, der für den bescheidenen Witzmannsberger nach wie vor kein Grund zum Abheben ist. Nach seinem Erstrunden-Aus mit Doppelpartner Andreas Mies beim ATP-Turnier in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina vor einer Woche machte sich Krawietz mit dem Auto auf den Weg nach New York City - immerhin sportliche 600 Meilen.

Mittlerweile ist Krawietz nach einem Zwischenstopp in Philadelphia im Big Apple angekommen. Anstatt in einem Fünf-Sterne-Hotel zu residieren, hat es sich der 27-Jährige in einer Air-Unterkunft im New Yorker Stadtteil Queens gemütlich gemacht. Ernst wird es für Krawietz bei seiner zweiten US-Open-Teilnahme am Mittwoch (Uhrzeit noch offen). Mit Partner Andreas Mies trifft der Witzmannsberger in der ersten Runde der Doppelkonkurrenz auf den Briten Dominic Inglot (Doppel-Weltrangliste: Position 41) und den Brasilianer Marcelo Demoliner (48).

Zumindest an den Brasilianer hat das an Nummer 12 gesetzte deutsche Duo gute Erinnerungen. Beim ATP-Turnier im fränkischen Eckental besiegten die Deutschen Demoliner und seinen damaligen Partner Marcus Daniell im Halbfinale.

Eine Runde, die Krawietz und Mies nach ihrem historischen Triumph in Paris in den vergangenen zehn Wochen bei ihren Turnierteilnahmen nicht erreicht haben. Krawietz spricht im Tageblatt-Interview über die vielen knappen Niederlagen zuletzt, seine "Begegnung" mit Rocky Balboa und seine Ziele für das Jahresende.

Herr Krawietz, Sie waren vor einigen Tagen in Philadelphia an der "Rocky-Treppe" und haben die berühmte Pose aus dem Film nachgemacht. Sind Sie ein großer Fan der Filmreihe?

Kevin Krawietz: Ich bin gerade mit einem langjährigen Kumpel, Dominik Schulz, mit dem ich früher bei vielen Jugendturnieren gespielt habe, unterwegs. Wir kennen uns, seitdem wir acht Jahre alt sind. Wir haben zusammen das ganze Jugendtennis durchlebt. Auf einer Turnierreise haben wir irgendwann damit begonnen, "Rocky"-Filme anzuschauen. Innerhalb von drei Tagen hatten wir dann sechs "Rocky"-Teile gesehen. Auch wenn die Filme schon etwas älter sind, bin ich auch heute noch ein Riesenfan von der "Rocky"-Reihe. Da Dominik und ich gemeinsam mit dem Auto von Winston-Salem nach New York gefahren sind und Philadelphia auf dem Weg liegt, haben wir uns gedacht, es wäre doch ideal, mal an der "Rocky-Treppe" vorbeizuschauen. Es war sehr lustig und ein Riesenspaß, einmal an dem Ort zu sein, den man aus den Filmen kennt.

Sie haben auf Ihrer Instagram-Seite folgendes Zitat aus "Rocky" in Englisch veröffentlicht: "Es kommt im Leben nicht darauf an, wie viel du austeilst, sondern darauf, wie viel du einstecken kannst und trotzdem weitermachst." Ist der letzte Satz eine Anlehnung an Ihre sportliche Situation nach den French Open, als Sie fast nur Niederlagen einstecken mussten?

Nein. Ich finde das Zitat einfach ganz cool, es ist auf jeden Fall etwas Wahres dran. Aber mit unserer aktuellen sportlichen Situation hat das eigentlich nichts zu tun.

Auffällig war zuletzt, dass Sie und Andreas Mies sehr viele knappe Spiele, teilweise im Match-Tiebreak, verloren haben. Was fehlt Ihrem Spiel aktuell, um diese engen Spiele zu gewinnen?

Das stimmt, wir haben viele enge Matches verloren. Wir haben in fast jedem Match gut gespielt, aber in den engen Situationen die Punkte nicht gemacht, und dann geht es schnell einmal in die andere Richtung. Aber wir können uns jetzt nicht so viel vorwerfen. Wir hatten vielleicht ein Match dabei, bei dem wir uns die Niederlage selbst eingebrockt haben, ansonsten lag es oft nur an ein, zwei Punkten. Für uns ist das eine neue Situation, wir sind jetzt bei jedem großen Turnier dabei, spielen ständig gegen die Top-Doppel der Welt. Das hatten wir vor Paris nicht. Daran müssen wir uns einfach noch gewöhnen. Wir werden weiter hart arbeiten und versuchen, locker zu bleiben, dann gehen die engen Situationen auch mal wieder in unsere Richtung.

Sie waren im Sommer nicht nur auf der Tour unterwegs, sondern haben mit ihrem Verein TC Großhesselohe auch zum ersten Mal in der 1. Bundesliga gespielt und die Klasse als Tabellensechster gehalten. Wie bewerten Sie die Spielzeit?

Wir hatten ein sehr, sehr gutes Team mit vielen Spielern aus Deutschland und insbesondere aus dem Münchner Raum. Für das erste Bundesliga-Jahr war es eine ordentliche Leistung. Wir haben leider oft Unentschieden gespielt, hier und da hätten wir uns vielleicht ein bisschen mehr erhofft. Wenn wir die ersten zwei, drei Spiele gewinnen, können wir vielleicht tatsächlich oben mitspielen. Aber wir können auf jeden Fall auf die Leistungen aufbauen und schaukeln dann hoffentlich die Matches nächstes Jahr nach Hause.

Bei den French Open, Wimbledon und Australian Open haben Sie bereits mindestens das Achtelfinale erreicht, bei den US Open war 2018 bei Ihrer ersten Teilnahme bereits in Runde 1 Schluss. Eine zusätzliche Motivation für das Turnier?

Natürlich ist das eine kleine Extramotivation, aber grundsätzlich braucht man für eines der größten Tennisturniere der Welt keine zusätzliche Motivation, da brennt man immer drauf und ist heiß. Andi und ich bereiten uns jetzt gut vor, arbeiten hart und versuchen einfach, gut in die erste Runde zu starten. Dazu müssen wir unsere Gegner gut analysieren und scouten. Das ist ein Punkt, in dem wir uns künftig noch verbessern müssen.

Mitte November finden die ATP Finals in London statt: Mit dabei sind neben den besten acht Einzelspielern der Welt auch die besten acht Doppelpaarungen. Aktuell stehen Sie mit Andreas Mies auf Platz 7. Haben Sie die Qualifikation im Visier?

Ja, wir haben die Teilnahme noch im Visier, auch wenn die letzten Wochen nicht ganz so optimal liefen. Wir hätten uns zuletzt natürlich andere Spielausgänge gewünscht, aber wir spielen nach wie vor auf einem guten Niveau. Neben den ATP Finals bleibt auch die Teilnahme am Davis Cup (Anm. d. Red.: Davis-Cup-Finals vom 18. bis 24. November in Madrid) ein großes Ziel von uns.

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