Witzmannsberg
Tennis

Oberfranke Kevin Krawietz nach Grand-Slam-Sieg: "Die Top 10 sind mein Ziel"

Den Titel bei den French Open sieht der Tennisprofi aus Witzmannsberg als Ansporn, in der Weltrangliste weiter nach oben zu klettern und das "Doppel" in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken.
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Mit Deutschland-Fahne im Gepäck zelebrierten Kevin Krawietz (rechts) und Andreas Mies ihren French-Open-Sieg im Pariser Nachtleben. Beide hoffen darauf, demnächst auch für ihr Heimatland im Davis Cup antreten zu dürfen.  Foto: privat
Mit Deutschland-Fahne im Gepäck zelebrierten Kevin Krawietz (rechts) und Andreas Mies ihren French-Open-Sieg im Pariser Nachtleben. Beide hoffen darauf, demnächst auch für ihr Heimatland im Davis Cup antreten zu dürfen. Foto: privat
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Vor gerade einmal 13 Monaten gelang Kevin Krawietz mit seinem Sieg beim Challengerturnier in Rom ein Meilenstein - der Sprung unter die besten 100 Doppelspieler der Welt. Ein Zwischenziel, für das der Tennisprofi aus dem Ahorner Gemeindeteil Witzmannsberg jahrelang verbissen gekämpft hatte, im Juni 2019 aber längst überholt ist. Der sensationelle Triumph bei den French Open am Wochenende mit Partner Andreas Mies (Köln) katapultierte den 27-Jährigen auf Position 21 der Weltrangliste.

Das Ende der Fahnenstange soll das für den nun besten Doppelspieler Deutschlands noch lange nicht sein. "Die Top 10 sind mein Ziel", sagt Krawietz selbstbewusst. Eine Platzierung, von der der Tennisprofi zu Beginn seiner Karriere auch im Einzel träumte - doch spätestens nach seinem ersten Grand-Slam-Titel liegt sein Fokus auf dem Doppel. "Ich habe nach meinem Trainerwechsel 2017 noch mal alles probiert, im Einzel Fuß zu fassen. Mein Ziel war, die Qualifikation für die Grand-Slam-Turniere zu erreichen, und das habe ich geschafft", so Krawietz.

Doppel liegt ihm ein bisschen mehr

Dass dort sowohl bei den Australian Open als auch bei den French Open bereits im ersten Match Endstation war und Krawietz auf Weltranglistenposition 280 (zwischenzeitlich 211) abrutschte, kann er aufgrund seiner großen Erfolge im Doppel verkraften. "Ich habe ja in diesem Jahr bereits deutlich weniger Einzel gespielt. Doppel wollte ich nie aufgeben, es liegt mir einfach ein bisschen mehr", erklärt der Witzmannsberger, der nun auch dazu beitragen will, dass seiner "Tennis-Hauptdisziplin" künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

"Ich habe gehört, dass unser Doppelfinale bei Eurosport höhere Einschaltquoten hatte als das Damenfinale. Das ist sensationell", sagt Krawietz. "Bei den Hobbyspielern im Mannschaftswettbewerb steht das Doppel ja auf einer Ebene mit dem Einzel. Da wäre es natürlich schön, wenn das Doppel auch auf höherem Niveau gepusht wird."

Von der Randnotiz zur Attraktion

Das passiert bereits in diesen Tagen: Denn wäre die Teilnahme von Krawietz/Mies beim ATP-Turnier in Halle/Westfalen (15. bis 23. Juni) dem Veranstalter vor wenigen Tagen wohl höchstens eine Randnotiz wert gewesen, gehören sie nun zu den Zugpferden des Turniers. "Das war ein überragender und sehr sympathischer Auftritt von Kevin und Andreas, eine Werbung für das gesamte deutsche Tennis. Damit erhält unser Doppel-Wettbewerb noch eine zusätzliche Aufwertung", sagt Turnierdirektor Ralf Weber.

Auch Tennis-Ikone und Eurosport-Experte Boris Becker kam in den vergangenen Tagen kaum aus dem Schwärmen heraus. "Ich habe während der French Open zum ersten Mal etwas länger mit Boris gesprochen. Er hat mir vor dem Finale geraten, locker und entspannt zu bleiben", erzählt Krawietz. "Dass er mich Richtung Davis Cup ,gelobt' hat, ist schön zu hören."

Hatte sich der Witzmannsberger bereits nach seinem Achtelfinal-Einzug bei den Australian Open im Januar leise Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht, führt nun für Bundestrainer Michael Kohlmann wohl kaum mehr an Weg an der Kombi Krawietz/Mies vorbei. Das deutsche Davis-Cup-Team trifft vom 18. bis 24. November in Madrid in der Vorrunde zunächst auf Argentinien und Chile. Es könnte ein stressiger Monat für Krawietz werden, denn eine Woche vorher finden die ATP-Finals in London statt, für die sich die besten acht Einzelspieler und acht Doppelpaare der Welt qualifizieren.

Bis dahin ist allerdings noch viel Zeit, nun steht für Krawietz und Mies erst einmal die Rasen-Saison an. Nach den Noventi Open in Halle geht es für das fränkisch-rheinische Duo weiter zum ATP-Turnier nach Antalya (23. bis 29. Juni), bevor mit Wimbledon (1. bis 14. Juli) ein weiterer Höhepunkt folgt. Sorgen um die Qualifikation bei den großen Turnieren brauchen sich Krawietz und Mies vorerst keine mehr zu machen. "Das erspart uns viel Stress", sagt der Franke, der nach fast zehn Jahren auf der Tour auch in finanzieller Hinsicht durchatmen kann. "Natürlich nimmt es etwas Druck, wenn man sich etwas Geld zur Seite legen kann, aber im Moment ist das trotzdem nebensächlich, der Titel ist das Besondere", sagt Krawietz.

Eintrag in das Goldene Buch

Die 290 000 Euro Preisgeld für den French-Open-Sieg sind annähernd so viel, wie sich Krawietz zuvor in einem Jahrzehnt erspielt hatte. "Teilweise war es echt schwierig. Ich bin unheimlich dankbar für die Unterstützung meiner Eltern und meines Sponsors, der Firma Brose, der mir bei den Reisekosten immer wieder unter die Arme gegriffen hat", sagt Krawietz.

Weitere Dankesworte des 27-Jährigen werden sicher am Mittwochabend folgen, wenn er von seiner Heimatgemeinde Ahorn geehrt und sich in das Goldene Buch eintragen darf.

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