Neustadt bei Coburg
Schöner umziehen (6)

Kabine des SV Meilschnitz: Vom Schmuckstück zum Schandfleck

Die Umkleidekabine war der ganze Stolz der Naturburschen und eng mit dem Aufstieg des Klubs verbunden. 57 Jahre später sind die Toiletten eklig und Vögel nisten auf dem Heizungsrohr.
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Günter Munzer hat 1962 mitgeholfen, als die Umkleide- und Sporthütte mitten im Wald gebaut wurde. Noch heute ist die Hilfe des rüstigen 78-Jährigen, der einst im erfolgreichen Bezirksliga-Team stürmte, am Areal des SV Meilschnitz sehr gefragt. Foto: Hagen Lehmann
Günter Munzer hat 1962 mitgeholfen, als die Umkleide- und Sporthütte mitten im Wald gebaut wurde. Noch heute ist die Hilfe des rüstigen 78-Jährigen, der einst im erfolgreichen Bezirksliga-Team stürmte, am Areal des SV Meilschnitz sehr gefragt. Foto: Hagen Lehmann
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Früher war alles besser. Frische Naturburschen, die das Fußballspiel in seiner eigentlichen Art zwar beherrschten. Um aber als Dorf-Kicker auch in der Bezirksliga allen Anforderungen gewachsen zu sein, wurden sie akribisch auf Routine, auf Taktik und vor allem auf Härte geschult. Schließlich waren die Fußballer der ganze Stolz des damals wie heute gut 350-Seelen-Örtchens Meilschnitz. Nur einen Steinwurf von der ehemaligen Zonengrenze nahe der bayerischen Puppenstadt Neustadt bei Coburg entfernt.

Diese verschworene Gemeinschaft aus Lausbuben und Lokalmatadoren sorgte in der Saison 1962/63 für eine Sensation. "Wir hatten eine tolle Truppe", schwärmt Günter Munzer. Nicht nur sein Name, auch seine Spielweise erinnerte an Günter Netzer.

Als A-Klassen-Neuling gelang auf Anhieb die zweite Meisterschaft und damit der Aufstieg in die höchste Klasse Oberfrankens und zweithöchste Bayerns. Mit eiserner Trainingsarbeit, Selbstdisziplin und noch größerer Kameradschaft wurde ein ungebrochener Teamgeist geschmiedet. "Unser Spielleiter Roland Bosecker ist bei der Aufstiegsfeier vor Freude mit seinem gelben Opel durch den Wald gerast, dann den Hang hinter dem oberen Tor runter in den Strafraum und ab zum Hup-Konzert ins Dorf." Der 78-Jährige weiß alles noch ganz genau. Als wäre es erst gestern gewesen.

Ein Häuschen mitten im Wald

Zum Mittelpunkt dieser bis heute nicht mehr erreichten Erfolgsgeschichte des SVM wurde die im Aufstiegsjahr rechtzeitig fertiggestellte Umkleide- und Sporthütte. Das Häuschen mitten im Wald ist der Inbegriff des Aufschwungs. Schon der Waldsportplatz, der heute in einem erbärmlichen Zustand ist, aber auf dem immer mal wieder gegen spielstärkere Gegner ausgewichen wird, entstand in eigener Initiative und mit Hilfsdiensten aus der Gemeinde. Doch der ganz große Idealismus innerhalb des Klubs zeigte sich beim Bau des immer noch als Umkleidekabinen genutzten Sportheims.

Der Landkreis, der BLSV und die Gemeinde gaben Zuschüsse, doch weit über die Hälfte der veranschlagten 18 000 Mark wurden in freiwilliger Arbeit aufgebracht. "Wir haben alle mit angepackt." Egal ob Vorsitzender Zink, Vereinswirt Schaller, bei dem sich die Mannschaften bis dahin in der Kneipe umziehen mussten, oder die Spieler selbst - alle waren eingebunden.

Gemauert und Beton angerührt

Denn nicht nur im verbissen geführten Abstiegskampf - insgesamt kickten die Meilschnitzer acht Jahre in Folge in der Bezirksliga - wurde Beton angerührt. Es wurde gemauert, was das Zeug hält. Doch das Schmuckstück von damals ist inzwischen arg in die Jahre gekommen. Früher war alles besser! Wenig erinnert jetzt noch an die Glanzzeiten. Ganz im Gegenteil: "Da schimmelt es an allen Ecken und Enden. Draußen ist der Lack ab, der Putz fällt runter", stellt Günter Geiß fest. Der Elektriker ist das "Mädchen für alles", legt Hand an, wenn etwas nicht funktioniert.

"Alter Ofen, das Rohr ist aus der Wand gerissen und hinten links nisten seit Jahren Vögel." Dann ist Schluss mit lustig: "Die Toiletten sind schon ein wenig eklig", nimmt Yannik Greiner kein Blatt mehr vor den Mund.

Von Vögeln und Toiletten

Der junge Architekt war bis vor kurzem noch Spielertrainer des abstiegsbedrohten Kreisklassen-Teams. Weil ihm das Projekt "70 Jahre SV Meilschnitz" aber derart ans Herz und über den Kopf wuchs, gab er das Amt ab. Was den wieselflinken Allrounder nicht davon abhält, Woche für Woche fleißig zu "knipsen". Die Hälfte der zehn "Kisten", die der SVM am letzten Sonntag gegen Schlusslicht SG Burgkunstadt II/Roth-Main schoss, gingen auf sein Konto.

Noch wichtiger sind ihm aber die Pläne, die er in vielen nächtlichen Überstunden für die Renovierung des neuen Sportheims zeichnete. Grundlage für den rechtzeitig im Jubiläumsjahr fertiggestellten Anbau. Wieder ein Schmuckstück! Und wie damals mauerten, schraubten und strichen Naturburschen in vielen freiwilligen Stunden. War früher doch nicht alles besser?

Das Problem: die etwa 80 Meter entfernten Umkleidekabinen! "Das passt nicht mehr zusammen. Die müssen wir jetzt auch in Schuss bringen", sind sich der "alte Munzer", der fleißige Geiß und der umtriebige Greiner einig. Doch die Vereinskasse ist klamm. "Wir brauchen die Kohle von der Zeitung", gibt Greiner unumwunden zu.

Ex-Profi kommt in die Bruchbude

Zuvor müssen sich die Kicker aber weiter in "unserer Bruchbude" umziehen. Das gilt übrigens auch für den prominentesten Meilschnitzer: Zum Jubiläumskick am Sonntag, 19. Mai, kommt nämlich der 330-fache Bundesligaspieler Frank Greiner (1. FC Nürnberg, 1. FC Köln, FC Kaiserslautern und VfL Wolfsburg) nach Hause.

Schöner umziehen - eure Chance auf 2.000 Euro!

Die Amateurvereine sind gefragt: In unserer Serie "Schöner umziehen - ein Blick in Frankens Kabinen" suchen der Fränkische Tag, das Coburger Tageblatt, die Bayerische Rundschau und die Saale-Zeitung die schönste und die renovierungsbedürftigste Umkleide-Kabine Frankens. Füllt einfach das Online-Formular aus, hängt ein Bild von der Kabine an und vergesst nicht kurz zu erklären, warum ihr unbedingt bei der Serie "Schöner umziehen" dabei sein müsst. Die Sportredaktion sichtet die Bewerbungen und entscheidet über die Teilnehmer.

Und Mitmachen lohnt sich: Der Verein mit der "hässlichsten" Kabine erhält 2000 Euro als Starthilfe für einen Umbau. Der Verein mit der schönsten Umkleide gewinnt eine Kabinenparty im Wert von 500 Euro und einen großen, gefüllten Glastür-Kühlschrank.

Bis Juni wirft die Sportredaktion in regelmäßigen Abständen einen Blick in die Kabinen von fränkischen Amateurvereinen. Alle Kabinen, die in einem Beitrag vorgestellt werden, nehmen anschließend an der Online-Abstimmung auf inFranken.de teil.

Kabinen in kommunalen Einrichtungen sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen. Zudem sollten die Bewerber aus dem Verbreitungsgebiet der vier Tageszeitungen Fränkischer Tag, Coburger Tageblatt, Bayerische Rundschau und Saale-Zeitung kommen. Dieses setzt sich hauptsächlich aus den Landkreisen Bamberg, Coburg, Lichtenfels, Kronach, Kulmbach, Forchheim, Erlangen-Höchstadt, Haßberge und Bad Kissingen zusammen.

Hier geht's zum Bewerbungsformular

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