Coburg
Handball

Interview mit Trainer Jan Gorr: HSC Coburg will "wieder vorne dabei sein"

Der HSC Coburg will nach dem dritten Tabellenplatz in der Vorsaison wieder die Tabellenspitze angreifen und dem großen Ziel Aufstieg näherkommen.
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HSC-Trainer Jan Gorr hat große Ziele. Archivfoto: Hagen Lehmann
HSC-Trainer Jan Gorr hat große Ziele. Archivfoto: Hagen Lehmann

Für die Zweitliga-Handballer des HSC Coburg geht es in die heiße Phase der Vorbereitung. Ab heute nimmt das Team am Linden-Cup teil und trifft um 20.15 Uhr auf den Bundesligisten GWD Minden. Am Freitag spielt der HSC gegen den Bergischen HC (1. Bundesliga) und am Samstag gegen den TV Hüttenberg (2. Bundesliga). HSC-Trainer Jan Gorr spricht im Interview über die Ziele in der kommenden Saison und worauf es in der Vorbereitung besonders ankommt.

Herr Gorr, was ist Ihnen lieber: Saisonablauf oder Vorbereitung?

Jan Gorr: Als Trainer mag ich Vorbereitungen sehr gerne, weil man Zeit hat, Dinge auf den Weg zu bringen. Andererseits ist der Nervenkitzel in der Wettkampfphase natürlich noch viel größer und das ist natürlich das, wofür wir uns schinden.

Apropos schinden: Das Team hat jetzt die erste Phase der Vorbereitung hinter sich, vor allem Athletik-Training. Wie zufrieden sind Sie bislang?

Die Jungs sind in einem guten Zustand aus dem Urlaub zurückgekommen. Man hat gemerkt, dass sie sich individuell vorbereitet haben, und wir hatten ein Trainingslager, das einen fast rein athletischen Schwerpunkt hatte. Das ist eigentlich ganz gut gelaufen. Was das Arbeiten schwieriger macht, ist die Tatsache, dass wir aus der letzten Runde ein paar angeschlagene Leute haben. Jakob Knauer fällt länger aus, Pontus Zettermann arbeitet wegen seiner Schulter noch im Reha-Bereich und strebt jetzt den Übergang in die Handballbelastung an. Auch Tobi Varvne und Florian Billek hatten kleinere Blessuren. Es sieht so aus, als würden die beiden pünktlich für die mannschaftstaktische Vorbereitung ins Team zurückkommen.

Wird Pontus Zettermann zum Saisonstart zur Verfügung stehen?

Das kann ich jetzt noch nicht zweifelsfrei sagen. Wir werden ihn langsam ins Mannschaftstraining zurückführen und dann muss man einen Abgleich machen. Verträgt er das? Kommt er damit gut klar oder eben nicht? Ich bin vorsichtig optimistisch.

Was wird sich innerhalb des Spielsystems ändern? Wird man in dieser Saison neue Varianten sehen?

Wir haben in den vergangenen Jahren eine sehr gute 6:0-Verteidigung gestellt. Wir verlieren mit Markus Hagelin und Anton Prakapenia aber den Innenblock. Da bleibt Marcel Timm übrig und eben unsere beiden Neuen, Stepan Zeman und Andreas Schröder. Aus den dreien wieder einen funktionierenden Innenblock herzustellen, in Verbindung mit den Halb- und Außenverteidigern, ist jetzt die erste Priorität. Eine 3-2-1-Deckung ist außerdem aus meiner Sicht für uns eine lohnende Alternative dazu und eine echte Möglichkeit, nochmals einen Schritt weiter zu kommen und deswegen auch einer der Schwerpunkte.

Sie haben Marcel Timm angesprochen, der durch die Handball-Weltmeisterschaft der Junioren bisher in der Vorbereitung gefehlt hat.

Vor dem Hintergrund, dass wir das Abwehrzentrum neu aufstellen müssen, ist das natürlich eine Erschwernis. Aber wofür machen wir denn die Arbeit gerade mit den jungen Leuten? Damit sie Erfahrung sammeln können, damit sie im deutschen Trikot bei einer Weltmeisterschaft dabei sein können. Für ihn sind das extrem wichtige Spiele. Wenn er zurück ist, ist die Zeit trotzdem noch ausreichend, um ihn zu integrieren.

Letztes Jahr war es so, dass viele Spieler integriert werden mussten. Ist in diesem Jahr die größte Herausforderung, diesen Abwehr-Mittelblock neu zu installieren?

Darum dreht sich ganz viel. Wenn wir das gut schaffen, haben wir auch die Basis, um wieder eine gute Saison zu spielen. Wenn wir es nicht schaffen, dann wird das schwierig. Ansonsten gibt es noch eine Menge Themen, die uns schon im vergangenen Jahr begleitet haben und für die wir nicht so viel Zeit hatten. Es geht darum, Abläufe zu festigen. Mir hat in vielen Spielen im Angriff die Präzision im Auftakt und das Timing im Zusammenspiel nicht wirklich gut gefallen. Gerade in der Rückrunde war in den Spielen, in denen wir nicht als Sieger vom Parkett gegangen sind, die Zahl an technischen Fehlern dafür verantwortlich, dass wir nicht da anknüpfen konnten, wo es in der Hinrunde noch so gut lief.

Die Liga ist nicht einfacher geworden. Es sind zwar nur noch 18 Mannschaften, aber fast die Hälfte hat schon in der ersten Liga gespielt. Wir ordnen Sie das ein?

Ich finde es bemerkenswert in mehrerlei Hinsicht. Man hatte vergangenes Jahr schon gesagt: Das kann man nicht mehr toppen. Ich denke aber, die zweite Liga dieses Jahr toppt noch mal die Liga aus der vergangenen Saison. Das hat natürlich mit den Absteigern und vor allem auch mit besonderen Spielern zu tun. Wenn man sich überlegt, dass ein Nationalspieler wie Michael Kraus in Bietigheim zweite Liga spielt, dass Gummersbach mit einem Filip Ivic einen Ausnahmetorhüter aus Kielce verpflichtet hat, der noch vor zwei Monaten im Final Four der Champions League stand - das wäre vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen. Das spricht für das Handball-Unterhaus in Deutschland und macht es zu einer Herkules-Aufgabe, dort mitzumischen.

Immer wieder ist von Etat-Problemen die Rede. Wäre deswegen Florian Billek auf der aktuell vakanten rechten Rückraumposition eine Option?

Wir mussten in den vergangenen drei Jahren unseren Personal-Etat für die erste Mannschaft jedes Jahr ein bisschen reduzieren. Wir haben es trotzdem geschafft, sportlich besser zu werden. Wichtig ist für mich, dass wir nicht auf der Stelle treten, sondern es irgendwann schaffen, uns ins Sachen Etat nach vorne zu entwickeln. Das wird, wenn wir unser großes Ziel erste Liga erreichen wollen, sowieso unerlässlich sein. Und was die Linkshänder-Position betrifft, hoffen wir, mit Pontus Zettermann einen Spieler zu haben, der die Position zu Saisonbeginn spielt. Hinter ihm fehlt aktuell Jakob Knauer. Da haben wir ein paar Möglichkeiten: Eine ist Flo Billek, der als Rechtsaußen auch im rechten Rückraum spielen kann. Eine andere ist Girts Lilienfelds, der eigentlich kürzertritt, uns punktuell aber helfen kann.

Die Zuschauerzahlen waren fast wie vorletzte Saison, liegen aber deutlich hinter dem Schnitt aus den vergangenen Jahren. Wie sehen Sie da das Engagement von Sportdeutschland.tv?

Ursächlich hat dieses Zuschauer-Thema bei uns den einfachen Grund, dass wir unsere Strategie in dem Bereich verändert haben. Wir haben eine Zeit gehabt, wo wir aus Marketinggründen vielen Gruppen den Eintritt sehr kostengünstig ermöglicht haben. Das haben wir reduziert und nun einen Grundstock an Zuschauern, von dem wir wirtschaftlichen Nutzen haben. Konkret: Es gibt im Vergleich zu früher keine Freikarten mehr. Toll ist, dass wir auch heute noch mit unserer Zuschauerzahl im Zweitliga-Spitzenbereich unterwegs sind. Was Sportdeutschland.tv betrifft (überträgt die Spiele der zweiten Liga im Internet, d. Red.), ist es ein toller Service, der es den Fans ermöglicht, das eigene Team auswärts zu erleben, wenn sie nicht mitreisen können. Oder zwischen den Hallen der zweiten Liga hin und her zu schalten. Das bringt unsere Sportart nach vorne.

War das schon traditionelle Hoffest von Coburger Tageblatt, HSC und Radio Eins am vergangenen Samstag der Auftakt für die Fans ins neue Spieljahr?

Das ist vor allem ein toller Termin, weil man die Chance hat, alle zusammenzubringen. Da sind ja nicht nur die Spieler der ersten Mannschaft, sondern die anderen Spieler und Trainer aus unserem Nachwuchsbereich. Alle Fans haben die Möglichkeit zu kommen. Es war ein gutes Miteinander und eine gute Plattform, um die Saison einzuläuten, bevor es in der Vorbereitung auf die Zielgerade geht.

Aktuell das Turnier in Linden, danach Teilnahme am Spielothek-Cup gegen starke Gegner, dazwischen das Testspiel gegen Eisenach in eigener Halle. Was erwarten Sie in dieser Phase von Ihrem Team?

Grundsätzlich ist das die Phase, wo es um taktische Hintergründe und Inhalte geht. Da erwarte ich mir natürlich konzentriertes und vor allem zielorientiertes Arbeiten. Wir wollen uns Step-by-Step weiterentwickeln. Es kommen die ersten Gradmesser.

Dann folgt das erste Pflichtspiel im Pokal gegen Stuttgart in Aachen. Ist das der richtige Einstieg und der Vorgeschmack auf die Saison?

Es ist ein ganz guter Härtetest, um alle Abläufe auszuprobieren. Gegen die Stuttgarter, die in der ersten Liga spielen und das nicht schlecht machen, wird man merken, wo wir stehen.

Welche Erwartungen haben Sie an die kommende Saison?

Für uns war das vergangene Jahr ein herausragendes, bei dem das i-Tüpfelchen gefehlt hat. Wir waren lange vorne, haben es aber nicht geschafft, die Spielqualität auch kontinuierlich zu zeigen. Das hat aber Lust gemacht, wieder da vorne dabei zu sein. Von daher ist es für uns ein großes Ziel, bis zum Ende um die vorderen Plätze zu kämpfen. Dazu gehört, noch mehr Kontinuität in unsere Leistungen zu bekommen. Bei der Leistungsdichte der Liga ist das ein anspruchsvolles Unterfangen.

Das Gespräch führte Ralph Bilek.

Die weitere Vorbereitung

30.Juli bis 3. August

Linden-Cup in Linden: GWD Minden - HSC (Mittwoch, 31. Juli, 20.15 Uhr), Bergischer HC - HSC (Freitag, 2. August, 20.15 Uhr), TV Hüttenberg - HSC (Samstag, 3. August, 19.30 Uhr).

8. August

Testspiel gegen den ThSV Eisenach in Coburg

10. und 11. August

Teilnahme am Spielothek-Cup in Lübbecke und Minden

17./18. August

1. DHB-Pokalrunde in Aachengegen den TVB Stuttgart

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