Coburg
2. Handball-Bundesliga

HSC Coburg überwintert als Spitzenreiter: "Eine schöne Momentaufnahme"

Als Tabellenführer befindet sich der HSC Coburg nach der Hinserie auf Aufstiegskurs. Trainer und Sportlicher Leiter Jan Gorr ist nicht nur von seinem Team größtenteils angetan, sondern auch von der neuen Fan-Euphorie.
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HSC-Trainer Jan Gorr im Austausch mit seiner schwedischen Kreativabteilung, Pontus Zetterman (links) und Tobias Varvne Foto: Uwe Gick
HSC-Trainer Jan Gorr im Austausch mit seiner schwedischen Kreativabteilung, Pontus Zetterman (links) und Tobias Varvne Foto: Uwe Gick

Wenn sich am Montagabend ab 19 Uhr der ASV Hamm-Westfalen und der VfL Gummersbach im Topspiel der 2. Handball-Bundesliga in der Dortmunder Westfalenhalle (live auf Sky Sport News HD) duellieren, kann sich HSC-Trainer Jan Gorr entspannt vor dem Fernseher zurücklehnen.

Während seine Mannschaft die Hausaufgaben für das Jahr 2019 mit den Auswärtssiegen in Essen und in Emsdetten mit Sternchen gemeistert hat, wird ein Konkurrent um den Aufstieg am Montag auf jeden Fall Punkte liegen lassen. Gerade einmal acht Zähler (14 Siege, vier Niederlagen) mussten die Coburger an den ersten 18 Spieltagen abgeben - das Polster auf Nichtabstiegsplatz 3 wird mindestens vier Punkte betragen. "Insgesamt kann man durchaus zufrieden mit der Hinrunde sein und eine positive Zwischenbilanz ziehen. Es ist ein schöner Augenblick, aber eben auch nur eine Momentaufnahme", sagt Gorr.

Der 41-Jährige spricht von ambitionierten Zielen, lässt sich aber genauso wie vor der Saison das Wort "Aufstieg" nicht entlocken, bleibt weiter "bei einer Platzierung im vorderen Feld, unter den ersten 3 oder 4". Gorr kennt die Unwägbarkeiten des Profisports zu gut, um sich zur "Halbzeit" zu weit aus dem Fenster zu lehnen. In der Vorsaison hatte der HSC ebenfalls die Herbstmeisterschaft gefeiert, ehe ein Einbruch in der Rückrunde folgte.

Keine personellen Sorgen

Ein Grund für die Schwächephase war die dünne Personaldecke im Rückraum: Christoph Neuhold musste nach einem Bandscheibenvorfall operiert werden, Pontus Zetterman "quälte" sich mit Schulterproblemen durch die Rückrunde. Ein Jahr später ist Gorr in dieser Hinsicht aktuell sorgenfrei. Jakob Knauer kam nach seiner Schulterverletzung schneller zurück als erwartet, bei Tobias Varvne, der zuletzt in Emsdetten verletzt ausgewechselt werden musste, gibt es mittlerweile mit der Diagnose "leichte Gehirnerschütterung" Entwarnung.

Nach der zweiwöchigen Pause wird Gorr am 9. Januar mit Ausnahme der potenziellen EM-Fahrer Stepan Zeman (Tschechien) und Girts Lilienfelds (Lettland) mit dem kompletten Team die Vorbereitung auf die Rückrunde aufnehmen können. "Ja, die Voraussetzungen für die Rückrunde sind in diesem Jahr etwas besser", sagt Gorr, fügt aber an: "Dafür ist die Liga aber ein bisschen anspruchsvoller geworden."

Vier bis fünf Mannschaften werden laut Gorr um die beiden Aufstiegsplätze kämpfen. Neben Hamm-Westfalen, Gummersbach und Essen hat er noch die SG BBM Bietigheim auf der Rechnung. "Bietigheim liegt in Lauerstellung und steht langsam in der Tabellenregion, wo man sie vor der Saison erwartet hat", so Gorr. Der 27:23-Heimsieg gegen Coburg am 11. Spieltag war die Initialzündung für den Lauf des Erstliga-Absteigers, der danach sechs seiner sieben Partien gewann.

Der neue Innenblock steht

Dass sich die Coburger bislang nur viermal geschlagen geben mussten, liegt auch am neuen Innenblock, der von Beginn an recht gut harmonierte. "Nach den Abgängen von Anton Prakapenia und Markus Hagelin war die größte Herausforderung, eine funktionierende Deckung zu formen", erklärt Gorr. Mit den beiden Neuzugängen Andreas Schröder und Zeman sowie Marcel Timm sei dies schnell gelungen. "Das ist ein sauberes Fundament, auf das wir bauen können", so Gorr.

Und den Beton rührt einmal mehr der mittlerweile 38-jährige Keeper Jan Kulhanek an. Mit knapp 35 Prozent gehaltener Bälle führt er die Liga an. Seinen Paraden und der gut zupackenden Deckung ist es zu verdanken, dass der HSC immer wieder ins Laufen kommt. Dabei schließen vor allem Flo Billek und Max Jaeger wie gewohnt hochprozentig ab. Das trifft auch auf Neuerwerbung Zeman zu, der am Kreis kaum eine Chance auslässt. "Stepan hat das zu Beginn der Saison richtig gut gemacht, dabei auch von der Anfangseuphorie profitiert. Als dann der Alltag eingekehrt ist, hat man schon gemerkt, dass er sich als junger Spieler erst an das höhere Level in Deutschland gewöhnen muss. Aber in den letzten Wochen hat er wieder eine deutlich aufsteigende Tendenz gezeigt", sagt Gorr.

Profitiert habe er dabei auch von der Erfahrung des zweiten Neuzugangs, Andreas Schröder. "Wir haben ihn aufgrund seines unglaublich guten Gesamtpaketes verpflichtet, und genau diese Vielseitigkeit hat er eindrucksvoll bewiesen. In der Deckung ist er unser Stabilisator und damit extrem wertvoll", ist Gorr voll des Lobes.

Auch wenn der 28-Jährige bei seiner Wurfausbeute (51 Prozent Trefferquote) noch Luft nach oben hat, trug er mit seiner guten Übersicht und Assistqualitäten auch dazu bei, dass der Coburger Positionsangriff in dieser Saison variantenreicher und effizienter geworden ist. "Dadurch konnten wir auch Spiele gewinnen, in denen wir defensiv nicht so gut gearbeitet haben. Wie in Emsdetten in der ersten Halbzeit, als wir in der Abwehr keinen Zugriff hatten, aber vorne 21 Tore erzielt haben", erklärt Gorr.

Neben diesem Positivbeispiel gab es aber auch Partien, in denen das nicht gelang. Den Coburger Coach ärgern besonders die Niederlagen in Hüttenberg (22:23) und bei Lübeck-Schwartau (27:29). "Das waren Spiele, die wir so nicht verlieren dürfen. Das zeigt aber auch deutlich, dass wir keine Mannschaft sind, die in dieser Liga alles wegspielen kann, sondern dass wir uns alles hart erarbeiten müssen", sagt Gorr. "Wir kamen bei einigen Auswärtsspielen in der entscheidenden Phase mit dem Gegenwind nicht klar, haben uns zu sehr beeindrucken lassen. Wir müssen lernen, auch im Stress diszipliniert als Team zu arbeiten."

Neue Euphoriewelle in Coburg

Kleinere Auflösungserscheinungen, die es vor heimischer Kulisse in dieser Spielzeit nicht gab. Die Coburger gewannen alle neun Begegnungen in der HUK-Arena - im Durchschnitt mit sieben Toren Vorsprung. Erstligareif war zuletzt auch stets der äußere Rahmen: Knapp 3100 Zuschauer im Schnitt kamen zu den vergangenen vier Heimspielen gegen Hamm-Westfalen, Eisenach, Hamburg und Rimpar. "Es war schön zu beobachten, wie die Mannschaft die Zuschauer in ihren Bann gezogen hat. Mir erzählen auch viele Fans, wie sie auswärts mit uns am Computer über den Livestream mitfiebern. Dieses Bekenntnis zum Verein und die Begeisterung sind aktuell sehr positive Begleiterscheinungen", sagt Gorr.

Schwieriges Programm in 2020

Eine Euphorie, die auch während der EM-Pause nicht abebben wird. Zum Start ins neue Jahr wartet auf die Coburger am Samstag, 1. Februar, das fränkisch-sächsische Duell gegen den Dauerbrenner der Liga, EHV Aue. "Gegen die disziplinierte Spielweise der Auer wird es anspruchsvoll", so Gorr. "Danach folgen zwei Auswärtsspiele bei quasi ,Erstliga-Vereinen', Nettelstedt-Lübbecke und Gummersbach. Da hängen die Trauben hoch." Bevor Gorr allerdings voll in seinem sportlichen Element sein wird, geht es am Neujahrstag für eine Woche in die mittelhessische Heimat: "Da freue ich mich schon richtig drauf."

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